Dauerzustand Spagat und so langsam tut es weh

November 22, 2015

Dauerzustand Spagat und so langsam tut es weh. Ja, verdammt nochmal, so langsam halte ich das nicht mehr aus.

Gestern bin ich zu spät in die Uni gekommen. Es war kein Stuhl mehr frei. Paul hatte sich gerade noch den letzten Stuhl vor meiner Nase weggeschnappt. „Kein Problem, ich setzte mich irgendwo dazwischen“, beruhigte ich den Professor, der mit einem Nicken die Vorlesung begann. Lisa und Laura winkten mich bereits zu ihnen und ich quetschte mich zwischen die beiden. Ich setzte mich zwischen die beiden Stühle und lauschte der neunzig minütigen Vorlesung über „die Entwicklung des Journalismus“.

Heute morgen bin ich wieder in der Ritze zwischen den beiden Matratzen aufgewacht. Obwohl ich mir sicher gestern Abend auf der rechten Seite eingeschlafen zu sein, wachte ich heute morgen wieder in der Bettritze auf. Auf der linken Matratze hatte es sich der Teddybär bequem gemacht. Auf der rechten Matratze stapelte sich ein Berg voll Kissen. Es fühlte sich an wie früher. Als ich mit meinen Eltern gemeinsam in den Urlaub fuhr. Da lag ich auch immer in der Bettritze. Während ich in alten Erinnerungen schwelgte, blieb ich fast den ganzen Morgen in der Bettritze liegen.

Und eben gerade bin ich durch die Stadt gelaufen. Mein Magen begann zu knurren und urplötzlich verspürte ich großen Hunger. Glücklicherweise befand ich mich in einer Einkaufspassage, in der sich ein Restaurant nach dem anderen befand. Ein Geruch den anderen ablöste. Und irgendwo zwischen Italiener, Frittenbude und der Salatbar stand ich. Die Entscheidung fiel mir schwer, bis mir der Duft von frischer Pizza ins Bewusstsein drang. Ich entschied mich somit für eine Pizza Magaritha. Dazu bestellte ich mir eine Cola Light. Ich setzte mich mit dem Pizzakarton und der Cola Light auf eine Parkbank. Immer im Wechsel biss ich ein Stück von der Pizza ab, dann nippte ich wieder an der Cola Light. Einen Bissen fürs schlechte Gewissen, einen Schluck fürs gute Gewissen. Immer im Wechsel.

Dauerzustand Spagat und so langsam tut es weh. Ja, verdammt nochmal, so langsam halte ich das nicht mehr aus.

Das geht schon seit Tagen so. Eigentlich schon seit Wochen, Monaten, Jahren. Eigentlich schon seit immer.
Ich kann nur von Glück sprechen, dass meine Bänder eine Überfunktion haben und ich tatsächlich sehr beweglich bin. Ich kann meine Finger fast um 90 Grad nach hinten bewegen und ich komme sogar mit den Händen auf den Boden, wenn ich mich im Stehen nach unten bücke. Das ich so beweglich bin, rettete mich tatsächlich die letzten neunzehn Jahre.
Nicht das ich heute, neunzehn Jahre später, meine Beweglichkeit verloren habe. Ich kann immer noch meine Fußspitzen an die Nase halten und ich kann immer noch die Füße mit den Händen erreichen, wenn ich sitze. Aber heute tut es mehr weh.

Die Schmerzen habe ich zum allerersten Mal vor genau einer Woche wahrgenommen. Es war ein Samstag und der Wocheneinkauf im Supermarkt um die Ecke stand an. Ganz athletisch tänzelte ich mit meinem Einkaufskörbchen durch die Regale. Ich legte wieder mal einen exzellenten Spagat zwischen Obstabteilung und dem Gemüseregal hin. Wie auch die letzten Wochen griff ich zu zwei Bananen aus dem Obstkörbchen und zu zwei Auberginen aus der Gemüseabteilung. Die nächste Kür legte ich im nächsten Gang hin. Ein Spagat zwischen gesunden Fetten und vollwertigem Eiweiß. Ein Spagat zwischen einer Packung Walnüssen und einer Packung Magerquark. Alles ganz einfach und ohne Schmerz. Der dritte Spagat sollte dann ein größerer werden. Der sich dann so ein bisschen anfühlen würde, als hätten Lisa und Laura die Stühle noch ein bisschen weiter auseinander gezogen, so als wäre die Ritze zwischen den Matratzen plötzlich ein ganzer Spalt.
Mit dem Einkaufskörbchen tänzelte ich durch die nächsten Gänge und blieb in der Süßwarenabteilung stehen. Ich gab mir einen Ruck und fiel mit einem mal in den Spagat. Zwei Tafeln Schokolade fielen in den Einkaufskorb. Zwei Fläschchen Süßstoff schmiss ich hinterher. Vielleicht war es ein bisschen zu schnell. Vielleicht hätte ich mich vorher ein bisschen dehnen sollen. Aber unüberlegt fiel in den Spagat zwischen vielen Kalorien und wenig Kalorien.
Ein Herr mittleren Alters, den ich jeden Samstag im Supermarkt antraf, dem ich schon oft von meiner gesunden Ernährung vorgeschwärmt hatte, musste mir heimlich zugesehen haben. Er guckte mich ungläubig an. Dann wieder die zwei Tafeln Schokolade in meinem Einkaufskorb. So als könnte er es nicht verstehen.
Er war der erste Mensch, dem ich begegnete, der meinen Spagat nicht mit einem Applaus, einem „Bravo“, einem „toll gemacht“ bejubelte. Zum ersten Mal tat mir ein Spagat sehr weh.
Als ich wieder zuhause war verstaute ich die zwei Tafeln Schokolade in meinem Süßigkeitenschrank. Den Magerquark platzierte ich mit dem Süßstoff, dem Gemüse und dem Obst in den Kühlschrank.
Bisher hatte ich mich immer nur am Kühlschrank bedient. Der Schrank in dem sich mittlerweile schon Schokoladentafeln türmten und Gummibärchentüten einem entgegen fielen, wenn man die Schranktüren öffnete, ließ ich immer noch unberührt.
Mit einem Schälchen Magerquark setzte ich mich an den Tisch. Im Hintergrund brodelte der Wasserkocher. Nach einer Minute füllte ich das heiße Wasser in meine Lieblingstasse und tunkte einen Teebeutel hinein. Zwischendurch naschte ich immer mal einen Löffel Magerqaurk. Nach drei Minuten war der Tee durchgezogen und das Schälchen Magerquark leergelöffelt. Ich wollte zwei Spritzer Süßstoff in den Tee geben, doch da fiel mir der Honig ins Auge. „Ein Löffel kann nicht schaden“, überlegte ich mir. Doch als ich das Glas Honig öffnete, der Duft von herrlich natürlicher Süße meine Sinne umschloss, konnte ich meinen Finger nicht mehr zurückhalten. Mit dem Zeigefinger bohrte ich in den Honig hinein und leckte ihn vom Finger ab. Erst einmal. Dann noch einmal. Erst als ich das ganze Glas leergeschleckt hatte, fiel mir ein, dass ich eigentlich nur meinen Tee süßen wollte. Aber der Zuckerrausch war zu groß, zu verführerisch und verdammt süß. Ich ertappte mich kurze Zeit später dabei, wie ich den Süßigkeitenschrank öffnete und mich dazu entschied aufzuräumen und ein bisschen Ordnung zu schaffen. Für den Mülleimer war mir die Schokolade urplötzlich zu schade, deshalb aß ich sie auf. Dann noch ein paar Gummibärchen hinterher. Am Abend herrschte wieder Ordnung in meinem Süßigkeitenschrank. Er war erschreckend leer. Aber umso voller war ich. Mit Bauchschmerzen schlief ich ein.
Daraus resultierte am nächsten Tag ein Spagat. Wieder ein großer Spagat. Ich war nicht darauf vorbereitet, dennoch schien es seltsam unausweichlich mich diesem Spagat zu widersetzten. Ich entschied mich den Tag nichts zu essen. Nicht einmal ein Schälchen Magerquark. Vielleicht war es wieder zu schnell. Vielleicht hätte ich mich vorher dehnen sollen. Aber mit einem mal fiel ich in den Spagat zwischen zu viel Essen und zu wenig Essen.
Am Abend machten sich erneut Bauchschmerzen und Magenknurren breit. Als würde mein Magen um Essen bitten, grummelte er gewaltig. So als könnte er es nicht verstehen.
Es war das erste Mal, das ich einen Spagat nicht mit einem Lächeln, einem „toll gemacht“, mit einem klein bisschen Stolz beglückwünschte. Zum zweiten Mal tat mir ein Spagat sehr weh.
Gerade als ich mich von den Schmerzen der letzten zwei Spagate, dem Spagat zwischen „viel Kalorien“ und „null Kalorien“, dem Spagat zwischen „zu viel Essen“ und „zu wenig Essen“ erholt hatte, folgte der dritte Spagat.
Es war gestern, als ich aufwachte, den Tag mit einer großen Laufrunde, einem gesunden Frühstück bestehend aus Vollkornbrot, Haferbrei und frischem Obst startete. Ich fühlte mich gut. Gut, vital und gesund. Zum Mittag gab es viel Gemüse, dazu Kartoffeln aus Omas Garten. Ich erinnere mich noch daran, wie ich mir während des Mittagessens Fitnessvideos angesehen habe und mir überlegte am Abend in das Fitnessstudio zu gehen. Doch als es dann Abend wurde, es dämmrig wurde, klingelte das Telefon. Als ich abhob, erklang die Stimme einer Freundin aus alten Zeiten. Aus alten Zeiten die noch gar nicht so alt waren, aber sich schon wie eine halbe Ewigkeit anfühlten. Am anderen Ende der Leitung war eine Freundin aus Zeiten, in denen mein zweiter Vorname „Fitness Junkie“ lautete. Sie überredete mich zu einem gemeinsamen Dinner am Abend. Zwei Stunden später trafen wir uns beim Italiener in der Stadt. Ohne mich zu fragen, bestellte sie zwei große Salate, die wir damals, in „alten Zeiten“, auch immer aßen. Damals hatte der Italiener aber auch noch keine Anschlagtafeln, auf denen eine Tagesempfehlung stand. Nudeln in Käse-Sahne Soße mit Schinken und frischen Champions stand heute auf der Anschlagtafel und verführte mich schon allein mit der Vorstellung an salzigen, fettigen Käse in Kombination mit Nudeln, Nudeln und noch mehr Nudeln. Ich sprang auf und gab für mich eine neue Bestellung auf.
Vielleicht war das wieder ein bisschen zu schnell. Vielleicht hätte ich vorher auf der Toilette verschwinden sollen und mich dehnen sollen. Aber mit einem Mal fiel ich in den Spagat zwischen gesunder Ernährung am Morgen und Mittag und ungesunder Ernährung am Abend.
Als der Kellner einen Salat für meine Freundin und mir die Tagesempfehlung servierte, bemerkte ich, wie meine Freundin zuerst sagen wollte, dass er die Bestellung falsch aufgenommen haben musste. Doch als ich hastig nach der Gabel griff und die erste Nudel durch die Käse-Sahne Soße zog, wurde sie mucksmäuschen still. Sie starrte mich kritisch an. Dann die Nudel auf der Gabel. So als könnte sie mich nicht verstehen.
Es war das dritte Mal, dass ich einem Mensch begegnete, der meinen Spagat nicht mit einem jubelnden „Bravo“, „Wow“, oder einem „Noch einmal“ begrüßte. Zum dritten Mal tat mir ein Spagat sehr weh.

Dauerzustand Spagat und so langsam tut es weh. Ja, verdammt nochmal, so langsam halte ich das nicht mehr aus.

Früher war alles anders. Früher tat mir ein Spagat nie so weh. Da konnte ich ohne mich vorher zu denen von jetzt auf gleich in den Spagat gehen. Früher da tat auch die Bettritze nicht so weh und der Platz zwischen den beiden Stühlen war auch noch bequemer.
Früher sah ein Spagat aber auch anders aus. Ein Spagat war nicht so groß. Früher habe ich immer nur einen Spagat zwischen „draußen spielen“ oder „drinnen spielen“, „Badewanne“ oder „Dusche“ dem „roten Lolli“ oder dem „grünen Lolli“ gemacht. Früher sah ein Spagat anders aus.

Heute tut mir ein Spagat sehr weh. Heute da ist die Bettritze auch keine Ritze mehr, sondern ein Spalt und wenn man sich zwischen zwei Stühle setzt, fällt man meistens auf den Boden.
Heute sieht ein Spagat anders aus als früher. Ein Spagat ist riesengroß. Heute mache ich Spagate zwischen „so bin ich“ und „so bin ich nicht“. Zwischen „wer bin ich“ und „wer bin ich nicht“. Dabei stehe ich mit dem rechten Fuß auf der einen Seite und mit dem linken Fuß auf der anderen Seite. Ich stehe zwischen „Kalorien“ und „keinen Kalorien“, zwischen „gesund“ und „ungesund“, zwischen „essen“ und „nicht essen“. Und so langsam tut es weh. Ja, verdammt nochmal, so langsam halte ich das nicht mehr aus.

14 Comments

  • bodyguard4you November 22, 2015 at 15:50

    muss ich mir sorgen machen …?

  • Ben Froehlich November 22, 2015 at 18:07

    Ich habe manchmal das Gefühl, dass du unheimlich hart mit dir selbst ins Gericht gehst. Diesen Spagat machen aber viele Menschen, den Schmerz darf man aber durchaus verdrängen 😉 ich habe mir eben eine süße Birne gegönnt, mjam, sehr lecker.

  • Wellenzähler November 22, 2015 at 18:17

    schöner Text und doch macht er mich nachdenklich.
    Ist es nicht traurig wenn man sich zu viele Gedanken um das Essen macht? Essen ist Genuss und ich verstehe ja wenn man sich gesund ernährt, noch mehr bewundere ich das, aber ich zweifle auch daran. Der Körper verlangt danach und man muss sich auch mal was gönnen. Wenn du dir was gönnst, dann sei nicht so hart mit dir, denn so genießt du nicht. liebe Grüße

    • Mona Kuehlewind November 22, 2015 at 19:56

      Deine Worte tun gerade sehr, sehr gut. Ich danke Dir, dass du dir Zeit genommen hast, meine Geschichte zu lesen und zu kommentieren! Danke 🙂

  • roberimo November 22, 2015 at 18:18

    Hi Mona,
    endlich habe ich auch einmal wieder die Zeit gefunden auf deinem Blog vorbei zu schauen.
    Ich muss schon sagen, dass mir deine Texte irgendwie schon ein bisschen gefehlt haben. 🙂

    Einen Spagat müssen die Menschen oft machen, bei den einen Menschen ist man so, bei den anderen so, es ist ein Spagat. Und dieser Spagat ist schmerzhaft, besonders dann, wenn auch die anderen Menschen nicht verstehen, wieso man nicht mehr so ist, wie man „doch sonst immer war“.
    Ich wünsche Dir, dass der Spagat bald nicht mehr weh tut, und dass die Schmerzen schnell vergehen. Ich würde Dir gerne noch einen Tipp mit auf den Weg geben, wie man den Spagat in der Ernährung schafft, jedoch habe ich da leider überhaupt keinen auf Lager, tut mir leid. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du schnell eine Lösung für diesen Spagat findest, damit er nicht mehr weh tut.

    Bis dahin viel Durchhaltevermögen und alles Gute!
    Robert

    • Mona Kuehlewind November 22, 2015 at 19:58

      Lieber Robert ! Schön wieder von dir zu lesen. Deine Kommentare haben mir auch ein bisschen gefehlt, wenn ich ehrlich bin. Aber umso schöner ist es, diesen Kommentar zu lesen. Sehr tiefsinnig, ermutigend und berührend. DANKE DIR 🙂

  • derfuchsi November 23, 2015 at 11:56

    Interessant dass sich immernoch nicht überall herumgesprochen hat dass man besser keine Süßstoffe zu sich nimmt. Abgesehen von dem bisher unbestätigten aber sich hartnäckig haltenden Verdacht dass dieser Krebs fördern soll, bewirkt das Zeug nachweislich genau das Gegenteil von dem was es soll. In der Landwirtschaft wird das Zeug schließlich für die Viehmast verwendet… Süßstoff ist appetitanregend. Da passt der „Zuckerrausch“ sehr gut ins Bild finde ich.
    Statistiken belegen dass die Zahl der Fettleibigen in den USA seit Einführung der Light-Getränke sogar zugenommen hat.
    Also lass lieber die Finger von allem was mit Süßstoff zu tun hat.

    Auf die Schnelle ein Link: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/tid-13247/gesund-essen-suessstoff-macht-dick_aid_366093.html
    bzw
    http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/tid-13247/gesund-essen-der-zuckerersatz-verursacht-heisshunger_aid_366090.html

    So und nun ?
    Als Ernährungstipp las ich neulich in einer Fitnesszeitschrift beim Friseur dass man einen „Sündentag“ einführen soll wenn man sehr auf seine Ernährung achtet wie z.B. eben Sportler. Da man 7 Tage die Woche Disziplin nicht gut durchhält sollte man sich einen Tag aussuchen an dem nach Herzenslust „Gesündigt“ werden darf. Das sagen die Profis.

    Meine Frau macht übrigens seit einiger Zeit Ähnliches sehr erfolgreich aber nicht ganz so hart. ABWECHSELND einen Tag „Diät“ und ein Tag „normal“ essen. Diät sieht an dem Tag so aus. KEINEN Zucker oder Lebensmittel in denen Zucker enthalten ist (Man muss aufpassen sogar in den fertigen Salaten ist oft Zucker) und KEINE Kohlenhydrate. Da gibts dann für sie quasi den ganzen Tag nur Brühe, Gemüse und Salat und sowas halt. Am nächsten Tag wird dafür um so mehr reingehauen… könnte man meinen. Die Erfahrung zeigt aber dem ist nicht so. Die Essgewohnheiten an den normalen Tagen sind ganz normal.

    Nur mal so als Praxistipp. Vielleicht hilft das gegen Spagat-Schmerzen 🙂

    • Mona Kuehlewind November 25, 2015 at 19:37

      Ich danke dir sehr für deinen langen, ausführlichen Kommentar und für den Tipp, der dahinter steckt.
      Ich hätte dir gerne schon viel früher geantwortet, doch die Uni raubt mir momentan jede freie Minute.
      Nun aber zu deinem Kommentar. Ich bewundere jeden/jede, der/die eine Diät wirklich durchzieht, dabei nicht hungert (so wie ich damals) oder eine Diät nach ein paar Wochen wieder abbricht.
      Allerdings halte ich allgemein nicht viel von Diäten und leider auch erst recht nichts bzw. sehr sehr wenig von der Diät, die deine Frau zu machen scheint.
      Ich komme aus dem Bodybuilding, ich kenne mich mit „Abnehmen“ aus. Ich will nicht sagen, dass ich eine Ernährungsberaterin bin, aber ich bin mir sicher, dass ich weiß, wie man eine „Diät“ richtig macht. Für mich geht es in einer „Diät“ nämlich nicht nur um Erfolg und abnehmen, sondern auch um glücklich sein, vielleicht noch glücklicher zu werden, als vorher. Und ich bin der Meinung, dass da die beste Methode/Diät oder was auch immer ist, wenn man seine Ernährung ein für alle mal umstellt und sich einfach nur mehr bewegt. Es müssen nur kleine Umstellungen sein, wie Weißmehl durch Vollkorkprodukte zu ersetzen, aber diese kleinen Veränderungen können schon ganz viel bewirken. Von einem so genannten „heute esse ich „normal“, „alles“ oder „das, was ich sonst nie esse“ “ halte ich nichts … Das tut mir leid.

      Aber ich wünsche deiner Frau trotzdem ganz viel Erfolg und gutes gelingen.
      Und dir einen schönen Abend 🙂

      • derfuchsi November 26, 2015 at 15:48

        Abnehmen bzw Gewicht halten ist im Grunde ja ganz simpel: Es müssen mehr Kalorien verbrannt als aufgenommen werden.
        Es gibt natürlich kein Patentrezept für alle, das ist klar. Aber dieses hat bisher bei ihr gut funktioniert.

        Es kam vielleicht falsch rüber aber „Normal“ essen heißt bei uns nicht ständig Weißbrot, Fett und Fast-Food (das kommt aber schon auch hin und wieder mal vor). Insgesamt wird aber schon auf ausgewogene Ernährung im Haus geachtet.

        Der Unterschied zwischen einer Diät und einer Ernährungsumstellung ist übrigens nur die Zeitspanne. Und mit diesem System kann man ganz gut dauerhaft leben denke ich, was man mit diversen anderen „Diäten“ nicht kann bzw will. Wer will schon sein restliches Leben nur von Kohlsuppe oder so leben 🙂

  • sternfluesterer November 23, 2015 at 17:36

    Ich komme erst jetzt zum Kommentieren, liebe Mona. Ich bin, was das Internet angeht, nicht mobil, will es auch nicht wirklich, und gleichzeitig habe ich nun, wo ich immerhin schon wieder einen dreiviertel Tag arbeiten gehe, weniger Freiraum zum Lesen und zum Schreiben. Ich verfolge Deinen Blog aber weiter mit größtemn Interesse – musst halt nur etwas mehr Geduld mit mir haben jetzt und in ein paar Wochen wahrscheinlich noch mehr.

    Aber zu Deinem Text.

    Das Leben verlangt jedem von uns jeden Tag aufs Neue Entscheidungen ab. Immerhin und glücklicherweise können wir einige davon so treffen, dass sie uns keinen zu großen, keinen schmerzenden Spagat abverlangen. Ich kriege das auch nicht immer hin, aber beim Thema Essen bin ich inzwischen richtig ein bisserl stolz auf mich.

    Denn ich ernähre mich ziemlich bewusst anders als noch vor einem knappen Jahr. Und, ja, das verlangt Disziplin und erfordert auch manchen Verzicht. Aber ich legen mir weder absolute Disziplin noch absoluten Verzicht auf. Was ich mir auferlege, ist Kontrolle. Und, wenn mir das mit dem Konrollieren, mit dem Aufpassen auf mich, gut gelingt, dann belohne ich mich auch ab und zu mal. Und wenn ich das tue, dann versuche ich es wirklich zu genießen. Das erleichtert mir, mich mit „zuviel“ zu belohnen.

    Früher habe ich manches mal auch die Kurve nicht gekriegt und eine ganze Tafel Schoki in mich hinein gefuttert. (Ich liiieeeebe Schokolade!) Und mich dann mitunter mies gefühlt. Jetzt esse ich fast jeden Tag ein bisschen Schokolade. Aber halt nur einen Riegel. Den freilich lasse ich mir nunmehr buchstäblich auf der Zunge zergehen, langsam und nach und nach. – Ich habe auch neue Dinge gefunden, die ich mittlerweile als Belohnung sehe und die ich genießen kann. Zum Beispiel mein allmorgendliches Müsli mit Milch. Vor einem Jahr hätte ich so etwas nicht einmal angerührt. Heute schmeckt es mir so gut, dass ich mich auf jedes Frühstück freue.

    Was ich sagen will ist:

    Ich glaube, wir müssen oft nur Acht geben, nicht zu sehr in Extreme zu verfallen. Wenn man in einem Alter ist wie ich, wo an manchem Morgen die Wehwehchen kaum noch Platz im Pyjama zu haben scheinen, schmerzen zu große Spagate allzu sehr. – Die Mitte ist zwar wahrhaftig nicht immer golden, aber sie ist gewöhnlich auch kein so schmaler Grat, dass in ihrem Bereich nicht immer doch ein „bisschen“ Spagat möglich wäre. Diesen Bereich nenne ich meine natürliche Grenze. So eine Grenze hat jeder Mensch. Man muss versuchen, sie zu finden, weil man sich sonst letztlich schadet.

    Ich schreibe das so dahin als hätte oder würde ich sie für mich stets gefunden/finden. Das stimmt natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. Dass ich so sehr und so nachhaltig krank geworden bin, hat sehr viel damit zu tun, dass ich es, bestimmte, sehr essentielle Dinge, mich, betreffend, nicht geschafft habe. – Aber diese Erfahrung hat mich gelehrt, zumindest aufmerksamer zu sein. Und was eben etwa die Ernährung betrfft, habe ich es halt nun schon besser geschafft. Und das freut mich.

    Ich wünsche Dir auch solche Freude, und deshalb teile ich jetzt, wenigstens virtuell, meinen Schokoladenriegel mit Dir.

    Liebste Grüße!

    • Mona Kuehlewind November 25, 2015 at 19:30

      Erst einmal ein großes Dankeschön an dich für deinen Kommentar und dann noch ein viel größeres „Entschuldigung“, dass auch ich erst jetzt antworte. Es ist nur, ohne das ich mich jetzt hier rausreden möchte, die Uni, die mich momentan sehr beansprucht. Aber ich habe gerade ein wenig Zeit und da habe ich mir in Ruhe deinen Kommentar durchgelesen.
      Du kannst sehr stolz auf dich sein. Ich bin es auch auf dich, wirklich. Schon allein aus dem Aspekt, dass du darüber redest, über dass was dir weh tat und weh tut, über das du immer du bist und du so bist wie du bist. Das ist einfach toll.
      Du hast Recht, man muss drauf achten nicht ins Extreme zu kommen. Und das versuche ich seit einiger Zeit hinzubekommen. Manchmal gelingt es, manchmal aber auch nicht. Aber ich bin da guter Dinge. Alles braucht eben seine Zeit und bis ich Essen wieder genießen kann, dass wird dauern aber die Zeit wird kommen!

      Alles alles Liebe und ich teile auch noch einen virtuellen Schokoriegel mit dir 🙂

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