Diagnose: Lebens-Verschluckerin

Oktober 28, 2015

„“Alles ist möglich“, sagst du?“ „Du spinnst. Du hast keine Ahnung. Du hast echt null Ahnung vom Le .…“, lache ich ihn schon fast aus und verschlucke mich wieder an dem Wort „Leben“, wie immer.

Immer wenn ich „Leben“ sagen will, verschlucke ich mich. Das Wort bleibt immer irgendwo stecken. Irgendwo zwischen Speiseröhre und Gaumen.
Ich weiß gar nicht, zu wie vielen Ärzten mich meine Eltern bereits schleppten, um heraus zu finden, wieso das „Leben“ immer stecken bleibt. Die Diagnose lautete „Lebens-Verschluckerin“, doch der Heilungsprozess blieb allen ein Rätsel. Etlichen Tests hatten es auf mich abgesehen. Irgendwann mussten sogar auch meine Eltern dran glauben, dann meine Großeltern und Urgroßeltern, weil man einen Genfehler vermutete. Irgendein falsches Chromosom, das sich heimlich von einem Familienmitglied bei mir eingeschlichen hat. Doch jeglicher Test viel positiv aus. Positiv in der Hinsicht, dass kein Genfehler vorlag aber negativ in der Hinsicht, dass ich mich wohl für immer an dem „Leben“ verschlucken werden müsste. So nahm meine Kindheit seinen Lauf. Ich machte mir keine Gedanken mehr um das „Leben“ und versuchte es immer zu umschreiben. Aus „Leben“ machte ich dann einfach „glücklich sein“, „fröhlich sein“ oder „lebendig sein“. Das waren für mich die Worte, die das Leben nämlich ausmachten. Glück, Fröhlichkeit und Lebendigkeit. Und was dabei rauskam klang dann ungefähr so wie „Na, wie läuft das glücklich sein?“, „Das Fröhlichsein ist kein Ponyhof und das Lebendigsein ist auch kein Wunschkonzert.“ Als ich älter wurde und in die bösen Jahre der Pubertät kam, fiel es mir immer schwerer das „Leben“ zu umschreiben. Vielleicht weil mir bewusst wurde, dass im Leben mehr steckt. Mehr als nur drei Worte. Vielleicht weil mir bewusst wurde, dass das Leben nicht immer glücklich, fröhlich und lebendig ist.
Somit war ich wieder dazu gezwungen „Leben“ zu sagen und „Leben“ zu verschlucken. Durch die fast tägliche Konfrontation, das tägliche Husten und Verschlucken begann ich mich irgendwann selbst auf die Suche nach der Ursache.
Es musste einen Grund geben, der das Rätsel löste und die Frage klärte, wieso ich mich immer am „Leben“ verschluckte. Und dieser Grund, der konnte an keiner Erkrankung liegen, keinem Genfehler oder irgendeiner anderen Art von physischer Manipulation. Es musste etwas psychisches sein, eine psychische Manipulation, wohlmöglich.
„Weißt du was. Du hast Recht. Du hast verdammt nochmal recht. Du verschluckst dich am „Leben“, weil du nicht lebst.“, schrie mich meine Mama eines Abends an, als ich zum dritten Mal diese Woche das Abendessen schwänzte und mich den ganzen Tag in meinem Bett verkroch.
Ihre Worte taten mir weh. „Ich möchte jetzt, dass du gehst.“, hauchte ich kaum hörbar in die Dunkelheit. Dennoch empfingen sie meine Worte mit einem leisen Stöhnen. Ein Stöhnen der Erleichterung? Als sie die Tür hinter sich zuzog streifte ein kalter Luftzug meine Wangen. Es fühlte sich fast wie ein Streicheln an. Ein bisschen „Le…“? Meine Arme umklammerten noch immer Beine und pressten sie fest an meinen Oberkörper. Tränen kullerten meine Wangen hinunter. Mama konnte sie nicht stoppen. Wohlmöglich konnte das niemand. Tief sog ich den Geruch meines Zimmers ein. Doch heute lag etwas Befremdliches in der Luft, etwas Unangenehmes. Ich wagte es noch einmal den Duft zu inhalieren. Rauch. Mama musste geraucht haben. Deshalb hatte sie heute Mut, deshalb diese ungewöhnlich harten Worte. Sie hatte Mut eingeatmet und Angst ausgeatmet. Aber vielleicht hatte Mama recht. „Denn wie kann man etwas sagen, wenn man nicht weiß was es ist. Wenn man nicht weiß wie es funktioniert?“, fragte ich in die Dunkelheit. Meine Frage krallte sich in irgendeinem Winkel des Zimmers fest und ich spann weiter: „Du kannst doch nicht sagen „Das ist ein Toaster“, wenn du gar nicht weißt, was ein Toaster überhaupt ist. Und du kannst auch nicht sagen „Du brauchst ein Toastbrot für einen Toaster“, wenn du gar nicht weißt, wie ein Toaster funktioniert. Und genau aus diesen Gründen kannst du auch weder sagen „Das ist das Leben“ und „So funktioniert das Leben“, wenn du gar nicht weißt, was Leben ist und wie das Leben funktioniert. Ein besserer Vergleich wäre vielleicht eine Fremdsprache. Du kannst eine Fremdsprache doch auch nur sprechen, dich nur verständigen, wenn du weißt, wie sie funktioniert. Hast du keine Ahnung vom „oui“ und „non“ auf Französisch dem „yes“ oder „no“ auf Englisch, dann kannst du es auch nicht sagen. Und hast du keine Ahnung vom Leben, dann kannst du es ganz einfach auch nicht sagen. Dann verschluckst du dich am „Leben“.“, schlussfolgerte ich.
Das war also die Antwort. Logisch, dass kein Arzt, kein Test hätte mir diese Antwort liefern können. Aber manchmal braucht es auch keinen Arzt, sondern viel mehr den eigenen Verstand. Stimmts?
Mir war bewusst, dass ich nicht so lebte, wie die meisten. Mir war bewusst, dass ich auch nicht so lebte, wie es manch einer hätte gewünscht. Mir war klar, dass Mama immer wollte, dass ich öfter am Abendessen teilnehme und Papa sich wünschte, dass ich wieder mehr mit Freunden ausgehe. Aber ich entschied mich bewusst nicht für das Leben, wie es die meisten führten, und sich manch einer für mich wünschte. Aber ich dachte immer, dass es auch okay sei, dass ich trotzdem lebe. Dass ich lebe, eben nur anders. Aber das „andere Leben“ schien scheinbar zu viel zu sein, sodass ein „nicht lebender Mensch“ war und mich am „Leben“ verschluckte. Aber ich hatte mich bewusst für dieses Leben entschieden. Ich hatte mich damals bewusst dafür entschieden nicht am Abendessen teilzunehmen, meine Freunde nur noch in der Schule zu treffen und den Tag allein in meinem Zimmer zu verbringen. Ich hatte mich bewusst für das andere Leben entschieden und somit stand meine Entscheidung auch fest, weiterhin das „Leben“ zu verschlucken.
Erst als ich 18 Jahre und 247 Tage alt war, das war irgendwann im Sommer, sprach ich wieder über das „Verschlucken des Lebens“.
Wir saßen in einem Café. Um genau zu sein in unserem Lieblingscafé direkt an der Ecke, hier im Ort. Er rührte in seinem Café, gab ein bisschen Zucker und einen Schuss Milch hinzu und ich nippte an meiner frischen Limonade. Die Sonne strahlte uns direkt ins Gesicht und bildete zwei große Schatten auf den Boden. Ihn und mich. Die Schatten sahen beinahe so aus, als wären wir Freunde aus der Schule, Freunde aus dem Sportverein oder Freunde von früher. Aber die Schatten verbargen die Wahrheit. Wir waren Freunde. Aber keine Schulfreunde, oder Freunde aus dem Sportverein und mein Kindergartenfreund war er auch nicht. Er war einfach nur mein Freund aus dem Café. Mein Freund, den ich hier oft besuchte und mit dem ich philosophierte. Stundenlang. Stundenlang saßen wir da, rührten in unseren Cafés und philosophierte über Gott und die Welt und das obwohl uns zweiundvierzig Lebensjahre trennten.
Er war die einzige Person, die von meiner Theorie wusste, weshalb ich mich am „Leben“ verschluckte.
Wir philosophierten nie darüber. Nie hatte er sich darüber geäußert. Ich war mir nicht einmal sicher, ob er meine Theorie überhaupt verstand.
„Hast du es denn schonmal probiert?“, fragte er mich aus dem Nichts. „Was meinst du?“, fragte ich zurück. „Zu leben, so richtig zu leben.“ Ich ließ die Limonade, die ich gerade an meine Lippen angesetzt hatte, wieder runter. Das war das erste Mal, dass er dieses Thema ansprach. „Nein“, hauchte ich leise. „Dann probier es doch mal. Probier das Leben aus. Du bist doch noch so jung.“ „Nein. Ich kann nicht.“, hauchte ich ein zweites Mal. „Alles ist möglich.“, grinste er. „“Alles ist möglich“, sagst du?“ „Du spinnst. Du hast keine Ahnung. Du hast echt null Ahnung vom Le .…“, lachte ich ihn schon fast aus und verschluckte mich wieder an dem „Leben“. Dabei musste ich mich auch ein wenig auslachen. „Hatte ich tatsächlich gerade einem sechzigjährigen Mann unterstellt, dass er keine Ahnung vom Leben habe? Habe ich ihm wirklich gerade unterstellt, dass er nicht wisse, wie das Leben funktioniere, obwohl ich es selber nicht einmal wusste?“
„Im Gegensatz zu dir, kann ich „Leben“ sagen, also weiß ich wohl auch, deiner Theorie nach, wie das Leben funktioniert.“ Er hatte meine Theorie scheinbar doch verstanden. „Na wunderbar, Gegensätze ziehen sich an.“, zischte ich böse zurück, um mich irgendwie zu retten, denn er hatte ja recht. „Aber wenn du sagst, dass alles möglich sei, warum scheitere ich dann?“, fragte ich ihn jetzt kritisch. „Erzähl mir, was dir nie möglich war, und ich sage dir, warum du immer gescheitert bist.“, forderte er mich auf.
„Als ich beispielsweise drei Jahre alt war, wollte ich immer Prinzessin werden. Ich hatte rosane Kleider, pinke Schuhe, sogar ein Kinderzimmer mit Himmelbett. An Geburtstagen mussten sich meine Gäste immer als Prinzessinnen oder Prinzen verkleiden. Vom Englischen Königshaus konnte ich ein Lied singen und Prinz Harry war mein heimlicher Verehrer. Aber Prinzessin wurde ich nie.“
„Hast du noch ein Beispiel?“, hakte er nach.
„Ja. Ich wollte immer Bodybuilderin werden. Ich bin jeden Tag ins Fitnessstudio gerannt. Ich habe jeden Tag unendlich viel Schweiß und Kraft dagelassen. Ich habe meine Ernährung umgestellt. Die Fleischindustrie glücklich gemacht und Brokkolimatsch mit Reis in Überdosis konsumiert. Ich habe so hart gearbeitet, dass ich tagelange Muskelmieze hatte und man mir beinahe einen Fahrstuhl für Treppen hätte anschaffen müssen. Ich habe so viel trainiert, aber es war nie genug. Dann habe ich eingesehen, dass ich eben nur ein Mensch und kein Deltasaurus bin, und der Traum wurde unmöglich.“
„Und erinnerst du dich auch an etwas, dass du geschafft hast. Dass dir möglich war?“, fragte er plötzlich.
„Ja. Ich wollte abnhemen. Das habe ich geschafft. Niemand hat daran geglaubt, aber ich habe einfach an mich geglaubt und es geschafft“, antwortete ich kurz.
„Weißt du wieso du das geschafft hast? Weißt du warum du auch Prinzessin oder Bodybuildern hättest werden können?“ „Nein.“, guckte ich ihn jetzt unglaubwürdig an. „Weil du geglaubt hast.“ „Das wars?“, guckte ich ihn jetzt noch unglaubwürdiger an. Das sollte jetzt die Antwort gewesen sein, für die ich ihm jetzt meine halbe Lebensgeschichte auftischen sollte? „Ja. Du scheiterst doch immer nur, wenn du nicht glaubst. Prinzessin bist du nicht geworden, weil du an jenem Tag, als dein Papa aufgehört hat dich als „seine Prinzessin“ zu bezeichnen, auch aufgehört hast, daran zu glauben. Bodybuildern bist du nicht geworden, weil du an jenem Tag an deine körperlichen und menschlichen Grenzen gestoßen bist und dann aufgehört hast zu glauben. Aber du hast abgenommen, weil du immer geglaubt hast es schaffen zu können. Du hast es sogar immer noch geglaubt, als es schon genug war. Als du längst aufhören hättest können zu glauben. Aber du glaubst ja selbst heute noch daran.“, beendete er seinen Monolog und sah mich an.
Er legte mir seine alte, faltige Hand auf die Schulter. „Wenn du „Leben“ nicht mehr verschlucken willst, dann musst du anfangen zu leben und zu glauben. Glaub daran und dann ist alles möglich.“
Tatsächlich hinterließ dieses Gespräch einige Spuren hinter mir. Seit diesem Tag an vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran glaube, es schaffen zu können. Ich versuche zu leben und zu glauben. Und manchmal passiert es schon ganz von allein, dass ich „Leben“ nicht verschlucke, und meist nur mit einem kleinen Schlucken sage.
„Alles ist möglich, du musst nur daran glauben.“

29 Comments

  • roberimo Oktober 28, 2015 at 17:41

    Hi Mona, wieder einmal eine interessante Geschichte 🙂
    Ich denke auch, dass vieles im Leben einfach nur davon abhängt, ob wir wirklich so richtig daran glauben, oder eben nicht. Auch wenn das keine universelle Lösung ist, so hilft es eben doch oft schon ein bisschen weiter, und manchmal schaffen wir das, was wir nie zu schaffen geglaubt hätten – nur, weil wir an uns selbst geglaubt haben.
    Alles liebe!

    • Mona Kuehlewind Oktober 28, 2015 at 17:50

      Das hast du sehr sehr schön geschrieben. Natürlich ist es keine Lösung, aber manchmal frage ich mich, ob es überhaupt irgendeine Art von Lösung gibt. Sei es in der Mathematik, im Alltag oder im Leben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir nichts ganz lösen können, sondern immer nur Ansetze davon. Aber wir können glauben, an uns, und dann gelingt uns vieles vielleicht etwas leichter!
      Ich danke Dir für deinen Kommentar.

      Einen schönen Abend,
      Mona

      • roberimo Oktober 29, 2015 at 12:03

        Ja, ich frage mich das tatsächlich auch manchmal. In der Mathematik gibt es vielleicht noch für das Meiste eine Lösung, einfach weil man es logisch und mit Formeln herleiten kann. Aber im Leben gibt es keine Formeln, kein „Schema-F“, keinen einfachen Lösungsweg. Das ist es aber auch, was das Leben lebenswert macht, auch wenn es doch dazu führt, dass wir das „Leben“ verschlucken. Aber der Reiz des Lebens ist es denke ich auch, herauszufinden welchen Lösungsweg man individuell benötigt, welcher für einen selbst funktioniert. Und das wird durch den Glauben an uns selbst etwas einfacher.
        Einen schönen Tag auch Dir!

  • valentinaviero Oktober 28, 2015 at 18:03

    Liebe Mona, gerade habe ich einen Beitrag darüber veröffentlicht, wie schwer es in der heutigen Zeit zu sein scheint, der Tätigkeit nachzugehen die man liebt. Und auch wenn dein Text nun eigentlich nichts mit diesem Thema gemein hat, so hat er mich doch sofort daran erinnert. Denn irgendwie geht es doch immer darum sein Leben zu leben, unabhängig davon, was andere denken oder meinen. Danke für die inspirierenden Text. Liebe Grüße Valentina

    • Mona Kuehlewind Oktober 28, 2015 at 18:34

      Lieben Dank für deinen Kommentar, Valentina. Das hast du wirklich sehr schön zusammengefasst. Ich werde später auch mal auf deinem Blog vorbei schauen und mir den Beitrag durchlesen. Ich freue mich schon darauf 🙂

  • bodyguard4you Oktober 28, 2015 at 18:13

    aus einem absoFUCKINGluten megatext ragt ein wort raus und springt dem helden ins verzückte gesicht …

    *MUSKELMIEZE*

    • Mona Kuehlewind Oktober 28, 2015 at 18:33

      Muskelmiezen klingen für mich liebevoller und machen den Schmerz viel erträglicher. Wenn ich bedenke einen Kater in mir zu haben, wird der Schmerz ja bloß noch größer 😀 Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich Männerfeindlich bin oder auf Frauen stehe, sondern nur dass ich weiß, dass Männer mich verletzten können und mein Herz brechen können. Deshalb die Mieze und nicht der Kater 🙂

  • sternfluesterer Oktober 28, 2015 at 20:49

    Ich habe es immer schwer gehabt mit solchen Fragen, danach, ob ich denn schon mal richtig gelebt hätte.

    Was bitte ist „richtig leben“. Wer will mir sagen können, welches Leben oder welche Art zu leben für michdie adäquateste ist? Wer kennt DAS LEBEN wirklich?

    Noch weniger anfangen konnte ich mit so bestimmten „Ratschlägen“ das Leben betreffend: „Du musst mal so richtig aus dir rausgehen!“, „Lass doch bloß öfter mal alle Fünfe gerade sein!“, „Du musst alles mal probiert haben!“ oder auch „Träume nicht Dein Leben, lebe Deine Träume!“ Unbd nach letzterem kam dann auch oft: „Du musst nur fest daran glauben!“

    Viele dieser Ratschläge, dieser Hinweise waren und sind gut gemeint. Ich weiß. Sie knüpfen an Wahrnehmungen an, an das, wie ich gesehen werde, wie ich nach außen wirke, wie ich oft auch tatsächlich bin. Sie knüpfen an vermeintliche oder wirkliche Schwächen meinerseits an, oder wenigstens an das, was dafür gehalten wird.

    In den Augen vieler, womöglich der meisten Menschen, bin ich jemand, der das Leben nicht „richtig“, nicht in vollen Zügen auskostend zu leben vermag. – Und blicke ich auf mein bisheriges Leben zurück, ja, dann bin ich auch mit vielem, was ich wie gelebt habe, was ich überhaupt gelebt habe, nicht zufrieden.

    Aber ich habe eines geschafft: Ich habe einen, ich habe meinen Sinn in meinem Leben, im Leben überhaupt gefunden. Und darauf bin ich stolz, darüber bin ich sogar glücklich. Meine Aert zu leben, meine Art das Leben wahrzunehmen, schenkt mir kaum so viel Glück. Aber den Sinn ghefunden zu haben.

    Ich glaube sehr, dass es darauf ankommt. Jenen Sinn für sich zu finden. Dann kann man leben, auch, wenn es bisweilen sehr schwer ist, sehr schwer fällt. Dann empfindet man, dass sich das Leben lohnt. – Fafür muss man, je nach Persönlichkeit viel tun bzw. investiert dafür sehr viel. Aber DAS lohnt sich!

    Mein Charakter, meine Persönlichkeit IST so, dass ich eher still, ruhig, bescheiden bin. Sie ist so, dass ich nahezu immer kritisch hinterfrage, nicht zuletzt mich selbst und dass mir Gelchgültigkeit eines der fremdesten Worte ist. Sie ist eine zurückhaltende, ja, grundsäötzlich eher ängstliche Persönlichjkeit, die darum weiß, dass man nicht alles probiert haben muss, um Glück zu empfinden, dass es ebenso richtig ist, manchem „Test“ aus dem Wege zu gehen. Und sie weiß um die Zwiespältigkeit von Träumen – vor einiger Zeit habe ich das mal in einem meiner Sprüchlein als Frage formuliert. Das las sich so:

    *Wie oft wird recht leicht dahin gesagt: „Träume nicht Dein Leben, lebe Deine Träume!“ Wer von denen, die das wünschen, aber kennt die jeweiligen Träume eigentlich?*

    Mit dem Glauben sehe ich es so: Es ist wichtig, an SICH zu glauben, daran, dass man es schaffen kann, einen Lebenssinn zu finden. Auch und gerade, weil das Finden sich immer weiter vervollkommnen kann und wird. Wer sich selbst gefunden hat, wird leben können. Auf seine Art. Und die steht ihm zu, und nur die ist „richtig“ so lange sie andere Menschen nicht bewusst beeinträchtigt oder verletzt.

    *

    Soweit die Gedanken, die Deine heutige Geschichte in mir ausgelöst hat, liebe Mona. – Da siehst Du, was Du wieder „angerichtet“ hast! 😉 – Ich finde das phantastisch – so sehr, dass ich mich mittlerweile immer mal wieder in ein Cafe wünsche, in dem Du mir begegnen würdest und wir lange miteinander sprechen und philosophieren könnten.

    Zum Abschluss verlinke ich Dir noch zwei Einträge aus meinem Blog, die sich in einem etwas weiteren Sinne aber doch thematisch ganz ähnlich mit der Frage nach dem Leben beschäftigen. Der erste ist vor gut einem Jahr entstanden, der zweite erst einen guten Monat alt. Wenn Du Zeit und Lust hast, sie zu lesen, hier sind sie:

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2014/09/29/beduerfnisse-traeume-lebenssinn-19484750/

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2015/09/17/tagebuchseite-512/

    Ich wünsche Dir, dass Dir meine Gedanken hilfreich sind, Dich nicht mehr so oft am Leb.. zu verschlucken. Mir hat das mit dem Erkennen und Finden meines Sinns sehr geholfen. Vorher habe ich freilich oft ganz ähnlich husten müssen wie Du. 😉

    Sternflüsternde Abendgrüße an Dich, und nachher eine gute Nacht voller nur guter Träume!

    • Mona Kuehlewind Oktober 28, 2015 at 20:57

      Wieder eine wunderbare Nachricht von dir, DANKE Dir.
      Ich lese so gern von dir und lese so gern über dein Empfinden und deine Gedanken, die du beim Lesen meiner Geschichten bekommst.
      Weißt du, ich würde gerne mit dir philosophieren, in einem Café, vielleicht auch nur mal zwischen Tür und Angel oder in der Bahn. Aber es gibt ein Problem. Ich konnte noch nie so reden, so philosophieren, wie ich schreiben konnte. In Wahrheit verhaspele ich mich ganz oft, Wiederhole mich, kann manchmal mit endlos vielen Pausen, Kommas und Punkten reden aber manchmal auch pausenlos, ohne Kommas und Punkte quatschen. Ich spreche ganz anders, als ich schreibe .. Und das Philosophieren gelang mir bisher nur beim Schreiben und mit dem Mann, von dem ich in diesem Text erzählte.
      Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin definitiv nicht davon abgeneigt, aber ich habe ein bisschen Angst.

      Ganz ganz liebe Grüße zurück. Hab eine schöne gute Nacht!

  • christina.d Oktober 29, 2015 at 9:56

    Beim Lesen fiel mir spontan so ein kleines Zitat wieder ein, über das ich vor Jahren mal gestolpert bin und das mir den weiteren Weg sehr erleichtert hat, weil ich danach viele Erwartungen -von anderen und auch von mir selber- abstreifen konnte. Ich krieg´s leider nicht mehr ganz zusammen, aber es ging um den Glauben, dass das Leben endlich beginne, wenn man erst alle Hindernisse überwunden hätte und schließlich die Erkenntnis, dass der Weg mit den Hindernissen das Leben ist…
    Vielleicht geht es letzten Endes eigentlich darum, dass Leben zu spüren? Da bist Du mit Deinen „Lebensumgehungswörtern“ ja sehr auf der richtigen Spur: Lebendigkeit, Glücklichsein, und noch viel mehr, auch negativ bewertete Zustände. „Leben“ ist halt eine symbolhafte Zusammenfassung dieser Empfindungen.
    Danke, dass Du mich daran erinnert hast! 🙂

  • lacitronella Oktober 29, 2015 at 12:16

    Oh Mona, was für ein wunderbarer Text mal wieder! Ich muss zugeben, Deine Posts lese ich nicht immer sofort, weil ich mir Zeit für sie nehmen möchte und das für mich irgendwie nicht nur Entspannung, sondern auch Inspiration und Energiequelle ist. Du hast so recht, wir blockieren uns alle selbst, indem wir nicht an uns selbst glauben, unsere Ziele verwerfen und an unseren Träumen Zweifeln. Totaler Blödsinn, wie kann jemand einen Plan umsetzen, wenn er gar nicht daran glaubt? In dem Sinn glaube ich jetzt (ganz mikrokosmisch) daran, dass ich meinen furchtbar langen Unitag gut überstehe und die ganzen blöden Rechenbeispiele wie nichts löse 😛

    Ganz lieben Gruß
    Florentine

    • Mona Kuehlewind Oktober 29, 2015 at 20:40

      Liebe Florentine! Ganz ganz lieben Dank für deinen Kommentar. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut, als ich ihn während der Vorlesung für Wirtschaftsmathematik gelesen habe und ich kurz davor war völlig an den Formeln zu verzweifeln. Du hast mich genau im richtigen Moment erwischt, denn ich wollte auch gerade aufgeben, aber dann kam dein lieber Kommentar und ich habe mich wieder daran erinnert, dass ich einfach nur daran glauben muss. Und das habe ich dann tatsächlich gemacht und Mathe lief ganz von allein 😛

      Hab eine Gute Nacht und ich hoffe, dass du deinen Unitag gut überstanden hast 🙂

  • Christin Oktober 29, 2015 at 22:45

    Verrückte Blogwelt! Da liktest du einen meiner Blogposts und ich fand diesen Text, der zu meiner aktuellen Lebensphase passender nicht sein könnte. Doch die Sache mit dem Glauben finde ich schwierig. Nicht, dass ich nicht an mich glauben würde, sondern eher, dass das nicht garantiert, dass auch wirklich das passiert, was man so sehr begehrt.

    Das merke ich bei der Jobsuche. Ich glaubte an mich, schrieb Bewerbungen. Es gab einige Firmen/Orte bei denen ich lieber arbeiten wollte. Welche Jobs bekam ich wohl? Nicht die zwei, bei denen ich hoffte, meine Leidenschaft ausleben zu können. Ich bin nicht unzufrieden mit dem, was ich bekam und nutze auch andere Möglichkeiten als Horizonterweiterung und Erfahrung, doch es ist nicht das, was ich am meisten machen wollte.

    Meistens frage ich mich dann, warum das so ist. Möchte mir das Leben beibringen aus Orangen Zitronenlimo zu machen? Oder dass es nicht die Limo mit Zitrone ist, die ich bestreben sollte, sondern die Fruchtmix-Limo? Dass das Leben auch mal Umwege nimmt? Oder will es mir zeigen, dass es noch Anderes zu erkunden gibt, bevor ich vielleicht das große Ziel erreiche? Mir gefallen die Gedanken zwar sehr, aber wie erkenne ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin, wenn ich Umwege nehme?

    So viele Fragen. Aber ich finde es auch spannend, weil mir (und allen anderen Menschen) die Welt im Prinzip offen steht und ich so viel mehr noch sein kann als diese eine Sache, die ich „mein Lebensziel“ nenne.

    Grüße von (quasi) nebenan
    Christin

    • Mona Kuehlewind Oktober 30, 2015 at 14:48

      Liebe Christin von (quasi) nebenan!
      Ich musste unheimlich schmunzeln, als ich deinen lieben Kommentar in der Bahn gelesen habe. Ich habe mich sehr gefreut endlich mal meine Nachbarn ein bisschen näher kennenzulernen 😛
      Du hast recht, es gibt tausende Fragen und so wenige Antworten, aber gerade das ist aufregend, spannend und schreit nach verdammt viel Spaß und Lebenslust. Vielleicht ist es auch genau das, was uns am Leben hält. Dass wir immer suchen wollen, und suchen müssen, um die Antwort zu finden
      Ich fand es schön von dir zu lesen, Frau Nachbarin! DANKE 🙂

  • hansjoachimantweiler Oktober 29, 2015 at 23:44

    Lebendige Mona

    Viele Menschen leiden unter der Verstimmung nicht zu leben
    Eher zu vegitieren
    Fremdgelebt zu sein
    Leblos nur zu funktionieren
    Depression ist heute Volkskrankheit Platz 1
    Alles als einengend zu empfinden
    Herzschmerz
    Dabei ist lendig sein entgrenzen
    Weder Tod noch „Teufel“ sprich die Angst zu fürchten
    Wenn Leben zu einem Regelwerk erstarrt
    Ist Entkrampfung das Mittel der Wahl
    Und die Essenz
    Der Stein der Weisen
    Jener Gral
    Das Elexier der Alchymisten
    Schlicht lieben
    Als Tuenswort
    Liebend
    Als Eigenschaftswort
    Mit Haut und Haaren
    Ganz und gar

    danke
    Dir Joachim von Herzen

  • Brigitte Oktober 30, 2015 at 9:32

    Liebe Mona, was ich jetzt schreibe folgt aus meiner schlimmen Erfahrung, die ich erleiden musste. Versuche, das Leben nicht so kompliziert zu machen. Lebe es einfach. Es kann so schnell zu Ende gehen. Und du hast nicht gelebt? Mein Sohn hatte Träume, Ziele, hatte Spaß am Leben. Leider fand seins ein abruptes, brutales Ende. Verschlucke dich bitte nicht daran, dass du auf der Welt bist. Mach die Augen auf und genieße einfach, was auf dich zukommt. Es wird nicht immer Positives sein, doch auch das gehört zum Leben. Genieße einfach die Sonne, ansonsten bist du wie tod.
    Übrigens finde ich deine Art zu philosophieren und wie du dich dabei ausdrückst wunderbar.
    Liebe Grüße
    Gitti

    • Mona Kuehlewind Oktober 30, 2015 at 14:45

      Liebe Gitti!
      Das tut mir sehr leid, ich fühle mit dir und wünsche dir von Herzen alles alles Gute für deine Zukunft. Du bist eine starke Frau, und bestimmt eine ganz tolle Mama.
      Ich fand es schön, dass du mir von deiner Geschichte ein bisschen erzählt hast und mich ermutigt hast das Leben zu leben und zu genießen.
      Ich werde ab jetzt ganz oft an dich und deinen Sohn denken, wenn es mir mal wieder etwas schwer fällt zu „schlucken“ oder zu „verschlucken“.
      Ich danke Dir sehr.

      Alles Liebe,
      Mona

  • himmelsbogen November 1, 2015 at 21:24

    Danke dir für deinen Blogbesuch bei mir. Dadurch bin ich auf deine Zeilen hier aufmerksam geworden.

    Ich wünsche dir, dass dir das Wort „Leben“ bald ganz flüssig über die Lippen geht und dass dies irgendwann mal ganz unbemerkt und von allein passiert. Hör auf darüber nachzudenken…du bist eine tolle Schreiberin und egal ob mit dem Wort oder ohne…es ändert nichts. 🙂

    Und ja dein Café-Begleiter hat Recht: du kannst alles sein was du sein willst. Letztens habe ich mal irgendwo ein Zitat gelesen das lautete so oder so ähnlich: Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch verwirklichen…

    Lieber Gruß
    Antjuschka

  • die_zuzaly November 2, 2015 at 16:02

    Sei gegrüßt liebe Mona 🙂
    Wunderbar inspirierende Geschichte – die zum Nachdenken für jedermann anregt – gehe bewusst mit Liebe durchs Labyrint des sogenannten *Lebens* – liebe Dich selbst – nur so wirst Du auch das *LEBEN* lieben lernen um endlich leben – mein Lieblingszitat : „Ich bin nicht *alle* – mein Name ist nicht *jeder* „

  • angelblandine November 4, 2015 at 20:20

    Danke Dir für Dein „Gefällt mir“ auf meinem Blog, liebe Mona. Ich habe Deine Worte verinnerlicht und bin beeindruckt von Deiner Offenheit und Ehrlichkeit. Es gehört Mut dazu, in unserer heutigen Zeit anderen seine Geschichte zu erzählen und Du schreibst wirklich wunderbar – aus dem Herzen heraus – ergreifend. Ich bin tief berührt.
    Auch ich habe in meinem Leben erfahren, was es heißt, sich selbst nicht lieben zu können und damit auch das Leben nicht zu lieben; habe mich in die Suchtwelt/Scheinwelt geflüchtet, nur um nicht zu sehen, zu erkennen und wahrzunehmen. Wollte das eigentliche Leben, wie es sich für uns alle darstellt nicht annehmen.

    Tief in meinem Herzen habe ich nach dem Sinn des Lebens auf dieser Welt gefragt und hatte damals keinen Sinn gefunden: Heute weiß ich, dass alles was uns auf dieser Erde passiert einen Sinn hat – nur wir erkennen ihn nicht immer; heute habe ich meinen Glauben an die Höchste Quelle allen Seins (Gott der Liebe und des Lichts) in mir verstärkt. Weiß, dass wir mehr sind, als nur der Körper – wir sind etwas ganz wertvolles – nämlich ein göttlicher Teil vom Ganzen; wir alle tragen die Liebe in uns und können diese auch wieder beleben, wenn wir nach Innen schauen und daran glauben.
    Wir alle sind wunderbare Geschöpfe, die großartige Fähigkeiten haben – ja göttliche Fähigkeiten haben; diese zu aktivieren ist nur dann möglich, wenn die Akzeptanz, die Liebe zu sich selber und damit zu Gott, gelebt wird. Wir brauchen uns also nicht besonders darstellen – wir sind etwas ganz besonderes!!!!
    Auch ich habe viele Jahre gebraucht, um das alles zu erkennen und zu leben.
    Noch heute erlebe ich sogenannte „Loslassprozesse“, die mich an die alten Zeiten erinnern.

    Vor der Geburt lebten wir in einem anderen Reich – in einer Späre, die nur die Liebe kennt. Dort kannten wir keinen Schmerz, keine Dunkelheit – kein Schatten, keine Dualität wie wir sie hier auf unserem wunderbaren Planet Erde erleben. Dort lebten wir zufrieden und glücklich.
    Einigen Menschen, die sich hier auf der Erde inkarniert haben, fällt es schwer, diese schwergewichtigen Energien zu ertragen. Sie wollen nicht leben – sie wollen lieber glücklich sein, als Erfahrungen sammeln.
    Aber gerade diese Erfahrungen haben wir uns vor der Geburt ausgesucht; wir wollten sie erleben und so ist es von Bedeutung, diese auch in unserem Leben zu akzeptieren, als vor ihnen davon zu laufen.

    Dieses alles liebe Mona, die Liebe zu sich selbst, die Liebe zu dem göttlichen Anteil in Dir und in dem Nächsten zu erkennen, zu leben und anzunehmen, macht das Leben aus. Dann lebst Du in Zufriedenheit und bist mit all Deinem Tun glücklich. Eine Weisheit, die auch ich erst nach `zig Jahren verinnerlicht habe.

    Ich weiß, das ist leicht gesagt, als getan; dennoch bin ich fest überzeugt, dass Du den göttlichen Teil in Dir selbst wieder finden wirst – Du bist auf dem besten Weg dazu.
    Wir erhalten seitens der geistigen – der lichtvollen – Welt, Hilfe. Erbitte diese Hilfe und höre nicht auf die Stimmen, die dir etwas anderes einreden wollen!
    Wir alle haben noch die Schatten- und die lichtvolle Seite in uns: Es liegt an uns, wem wir unser Ohr leihen wollen.
    Diese Entscheidung kann Dir keiner abnehmen.

    Du bist auf meinem Blog gelandet: Vielleicht hilft Dir der eine oder andere Bericht, den ich verfasst habe.

    Ich wünsche Dir alles Liebe, innere Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Mögest Du Deine Liebe zu Dir selbst wieder ins rechte Licht rücken.
    In Verbundenheit, in Liebe und Dankbarkeit zu allen Seelen….
    angelblandine

    • Mona Kuehlewind November 5, 2015 at 15:07

      Nichts zu danken! Ich habe dir ganz ganz herzlich für deine wunderbaren, sehr ergreifenden Worte zu danken.

      Ganz liebe Grüße,
      Mona

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