Du gabst mir Leben und ich gab dir Lügen

Oktober 21, 2015

 

Als ich heute morgen in der U-Bahn saß, mich hinter einer Zeitung versteckte und so tat, als würde ich lesen, dabei aber die Menschen beobachtete und belauschte, sah ich auch sie. Einen ihn mit seiner Sie. Oder eine Sie mit ihrem Ihm. Sie beide schienen frisch verliebt zu sein. So frisch, dass er noch jeden ihrer Blicke verfolgte, seine Hand nicht von ihrem Schenkel wich und er ihr alle vier Sekunden durchs Haar schnupperte, in ihr Ohr flüsterte oder ihr einen feuchten Kuss auf die Nasenspitze drückte. Sie schienen noch so frisch verliebt zu sein, dass sie seinen Arm kaum losließ, gar nicht aufhörte ihm zu sagen wie gut er denn rieche und zu fragen an was er jetzt denke. Und jetzt. Und jetzt. Und könnten Blicke töten, dann wäre Sie eine Serienmörderin, die alle Frauen des Abteils tötet, die ihrem Ihm auch nur einen einzigen Blick zuwerfen. Darunter wäre dann auch ich. „Was dann wohl in meiner Anzeige stehen würde?“ „18jährige Studentin aus Hamburg wurde zum Opfer einer Eifersüchtigen frisch Verliebten?“. Ich muss grinsen. Und muss ihn ein zweites Mal angucken. Er sah aus wie du. Und sie sah irgendwie aus wie ich. Zusammen sahen sie sogar ein bisschen aus wie wir. Wie du und ich. Nur das sie eben zusammen dort drüben auf der Bank saßen, eng umschlungen und frisch verliebt und du und ich, entfernt von einander sind, nicht mehr so eng umschlungen und frisch verliebt. Aber das ist ok. Vollkommen ok. Es ist sogar besser.
Ich habe noch nie über dich geschrieben. Dabei würde deine und meine Geschichte die Menschen viel mehr interessieren. Ich weiß, dass ich mit deiner und meiner Geschichte einen Roman schreiben könnte. Vielleicht einen Bestseller. Aber ich wusste nie wie. Dafür habe ich aber schon viel über dich gedacht, sogar an dich gedacht. Manchmal jedenfalls. Manchmal auch zu oft.
Und eigentlich wollte ich dir schon viel früher schreiben. Ich wollte schon viel früher über das du und das ich schreiben. Ich wollte es dir schon viel früher sagen. Aber ich habe mich nie getraut. Eigentlich war ich immer ganz anders. Ich wollte es dir nur nicht sagen.

Eigentlich fand ich dich gar nicht so schön. Eigentlich mochte ich nie deine Haare. Ich fand sie schon immer viel zu kurz und doch irgendwie zu lang. Eigentlich hat mich deine Frisur schon immer gestört. Dein makelloses Gesicht hat mich immer verunsichert, weil deine Gesichtsausdrücke nie so makellos wie dein Gesicht waren. Eigentlich gefiel mir das nie. Eigentlich gefiel mir deine Augenfarbe auch nicht. Ich mochte noch nie blaue Augen. Eigentlich mag ich nur die Dunklen. Eigentlich warst du so unperfekt und doch viel zu perfekt. Eigentlich habe ich dir die Friseurtermine auch immer nur geholt, weil ich jedes Mal die Hoffnung hatte, dass du mit einem anderen Haarschnitt nachhause kommst. Eigentlich nahm ich dich auch nur mit in die Stadt, weil ich dich von einem neuen Look überzeugen wollte. Und den Deal mit „jeder darf dem anderen hübsche Unterwäsche aussuchen“ ging ich auch nur ein, weil ich dann endlich die Chance hatte, deine weißen Boxershorts gegen Farbige einzutauschen.

Eigentlich fand ich deinen Humor gar nicht lustig. Eigentlich konnte ich nie über deine Witze lachen. Eigentlich fand ich den Witz mit „der Frau, die nackt die Bank überfällt und sich danach keiner mehr an sie erinnern konnte“ auch nie so lustig wie du. Eigentlich konnte ich sowieso nie über das lachen, über das du lachtest. Eigentlich lachte ich nur, weil du mich sonst als „Langweilerin“ oder „Spielverderberin“ bezeichnetest. Eigentlich lachte ich nur, weil ich dich nicht wissen lassen wollte, dass ich dich unlustig und ein bisschen merkwürdig finde.

Eigentlich wollte ich nie ein Date mit dir. Eigentlich wollte ich dich gar nicht so oft sehen, mit dir ausgehen oder mit dir verreisen. Eigentlich wollte ich freitags immer in den Club gehen und den Samstag mit meiner Freundin beim Einkaufsbummel verbringen. Eigentlich wollte ich nicht mir in den Süden fahren. Ich wollte in den Norden. Eigentlich bin ich auch nur mit dir zum Kaffeetrinken gefahren, weil du das immer wolltest und die Pizza habe ich auch nur gegessen, weil du es mir befahlst. Eigentlich wollte ich nicht, dass du mich besuchst. Ich wollte nicht, dass du meinen Eltern die Hand schüttelst und dich ihnen vorstellst. Und eigentlich ist es mir eiskalt den Rücken hinuntergelaufen, als meine Mama dich als „Schwiegersohn“ bezeichnete.

Eigentlich wollte ich dir nie so nah kommen. Eigentlich wollte ich dich gar nicht küssen. Ich wollte auch lieber mit einer Tasse Kaffee als einem „Morgenkuss“ aufwachen. Eigentlich wollte ich nicht, dass du mit deiner Hand die Haarstähnen aus meinem Gesicht streichst. Eigentlich wollte ich nicht, dass du mir in der Öffentlichkeit auf die Stirn küsst, meine Hand mit Küssen bedeckst und meinen Speichel mit dem deinigen zusammen führst. Eigentlich wollte ich auch gar nicht den einzig freien Sitzplatz in der Bahn mit dir teilen. Ich wollte auch gar nicht deine Hand auf meinem Schenkel fühlen, ich wollte auch gar nicht deine nackte Haut auf meiner spüren. Eigentlich wollte ich gar nicht mit dir schlafen.

Eigentlich wollte ich dieses ganze „Liebes-Hokuspokus“ gar nicht. Ich wollte gar nicht mit dir Valentinstag feiern. Ich wollte gar nicht eine „Kuschelbank für Verliebte“ im Kino mit dir teilen. Eigentlich wollte ich gar keine roten Rosen, sondern Weiße. Eigentlich wollte ich auch gar kein Candle-Light Dinner am See. Ich hätte viel lieber das Burger Dinner bei McDonalds am Schalter genommen. Und eigentlich habe ich „unseren Ring“ auch mit Absicht ins Klo geworfen, anstatt ihn „ausversehen in den Abfluss fallen lassen zu haben“. Eigentlich stand ich auch gar nicht auf deinen ersten selbst gebackenen Kuchen für mich, den selbst die Herzform nicht mehr retten konnte. Und eigentlich war ich noch nie ein Fan von Liebesbriefen und Liebes-SMSn.

Eigentlich habe ich nie von dir und mir geträumt. Eigentlich habe ich weder im Traum noch in der Realität von einer Zukunft mit dir geträumt. Eigentlich träumte ich immer von meiner Zukunft als selbstständige single Frau. Eigentlich träumte ich immer von mir als Workaholic und von dir als Sportaholic. Eigentlich träumte ich immer von meinem Leben und von deinem Leben. Aber nie von unserem Leben. Eigentlich träumte ich nie von einer Zukunft mit dir, sondern einer Zukunft mit mir.

Eigentlich fragte ich nie nach dem du. Ich fragte nie, wie es dir ging, was du jetzt machst oder wo du jetzt warst. Eigentlich fragte ich immer nur, ob du schon Brötchen geholt hast, beim Bäcker warst oder nach der Arbeit nochmal beim Italiener vorbeifahren könntest. Ich fragte immer nur, ob du mir mal den Rücken eincremen könntest oder ob du mir ein neues Paar Schuh kaufen möchtest. Eigentlich fragte ich immer nur, ob du den Samstagseinkauf erledigen kannst, das Paket bei der Post abholen kannst und auf dem Weg ein zweites Mal beim Bäcker vorbeifahren könntest.

Eigentlich sprach ich nie von dem Wir. Eigentlich sprach ich immer von dem du und dem ich. Eigentlich wollte ich dir immer Freiheit geben, Luft zum Atmen. Ich wollte eigentlich nie ein Wir mit dir. Ich wollte immer nur ein du und ein ich. Ich wollte Platz, Raum und frei sein. Frei von dir und frei von allen Wirs. Eigentlich passten wir von Anfang an in kein „Wir“. Eigentlich hatte jeder sein eigenes Wort. Ich das ich und du das du. Nur du merktest es nicht. Eigentlich konnten drängten wir uns nie in ein Wort, immer nur auf einen Sitz oder in ein Bett.

Eigentlich war ich nie in dich verliebt. Eigentlich hatte ich nie diese Schmetterlinge im Bauch wenn ich dich berührte und von denen du immer schwärmtest. Eigentlich war da auch nie dieses Ameisenrennen in meinem Körper, wenn ich deine Stimme hörte oder dich ansah. Eigentlich wurde ich auch nie rot, wenn ich von dir erzählte und eigentlich kreuzte ich bei jedem „Ich liebe dich“ die Finger hinterm Rücken. Eigentlich hatte ich nie Gefühle für dich, sondern nur Gefühle für die Schokolade, die du mir immer mitbrachtest. Ich hatte dich nie mit „Schatz“ oder „Liebling“ in meinem Handy eingespeichert und ein Herz stand auch nie dahinter. Eigentlich war das Lebkuchenherz auf dem „Ich liebe dich“ stand auch nur ein Geschenk von meiner Mama an mich und kein Geschenk von mir an dich. Eigentlich war der Brief zu Weihnachten und die Schokolade zum Valentinstag auch nicht mehr als ein „weil-man-das-eben-so-macht“.

Eigentlich war ich immer ganz anders. Ich wollte es dir nur nicht sagen.
Ich wollte es dir nur nicht sagen, weil du mir das gabst, was ich gebraucht habe, wenn ich so war, wie ich eigentlich gar nicht war. Ich war für dich jemand, der ich gar nicht war, damit du für mich da warst und da bleibst.
Denn du warst zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Du gabst mir all das in einer Zeit, als ich all das gebraucht habe, um weiter zu atmen, um weiter zu leben und leben zu wollen. Du warst da. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Du nahmst mir die Selbstzweifel, den Selbsthass und das Gefühl Nichts zu sein und doch viel zu viel. Du nahmst mir das Gefühl, dass die Luft nie genug sei und ich darin immer zu viel. Du gabst mir dafür den Mut, das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen. Du gabst mir das Gefühl, dass die Luft immer genug ist und ich darin nie zu viel bin.

Du gabst mir Leben und ich gab die Lügen. Es tut mir leid. Ich wollte es dir viel früher sagen.
Eigentlich war ich ganz anders.

36 Comments

  • Uwe Ullrich Oktober 21, 2015 at 19:00

    Du schreibst sehr gut, dein Stiel gefaellt mir

  • Mic Oktober 21, 2015 at 19:16

    Bittersüß und trotzdem wunderschön!

    Zu wie viel Prozent steckt Wahrheit darin?

    • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 19:20

      Danke Dir! Hm, um ehrlich zu sein ist das der ehrlichste Text von all meinen Geschichten .. Ich denke, dass er zu 85% aus Wahrheit besteht, leider.

      • Mic Oktober 21, 2015 at 19:27

        Hab ich mir fast schon gedacht, merkt man dem Text auch an. Ich wollte nur nicht mit der Tür ins Haus fallen, falls ich doch falsch gelegen hätte.

        Manche Erfahrungen macht man, um daraus etwas mitzunehmen. Und ich glaube, so wie du das geschrieben hast, dass du sehr viel mitgenommen hast. Vielleicht nicht schön für den jungen Mann, um den es da geht, aber gut für dich.

        • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 19:40

          Das hast du schön formuliert und das baut mich, um ehrlich zu sein, auch etwas auf, denn ich bereue es manchmal sehr, weil ich ihm nie weh tun wollte. Aber ich glaube, dass ich für meinen Teil sehr sehr viel gelernt und mitgenommen habe. Danke Dir.

  • Beat(e)s Welten Oktober 21, 2015 at 19:58

    Ein toller Text! Ich mag Deinen Stil. Was für eine Beichte und was für eine Einsicht!
    Aber bist Du sicher, dass er nicht auch dann da gewesen und geblieben wäre, wenn Du ganz anders gewesen wärst?

    • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 20:02

      Lieben lieben Dank! Oh, die Frage habe ich mir noch nie gestellt, wenn ich ehrlich bin .. Ich weiß es nicht. Aber würde er dann nicht jetzt wieder kommen?

      • Beat(e)s Welten Oktober 21, 2015 at 20:16

        Das weiss ich auch nicht. Ich weiss ja auch nicht, ob er tatsächlich geblieben wäre, ob er tatsächlich Dich geliebt hat oder eben nur das Bild, dass Du ihm von Dir gegeben hast.
        Aber selbst wenn er wieder kommen würde, würdest Du es wirklich wollen nach allem, was Du nun „eigentlich“ festgestellt hast?

        • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 20:25

          Nein. Ich möchte ihn nicht zurück. Ich habe ihn ja auch nie geliebt. Aber ich fände es sehr schön, wenn wir irgendwann einmal ganz normale Freunde werden können.

          • Mic Oktober 21, 2015 at 20:32

            Vorsicht, jetzt kommt ein Spruch von Opa ;-).

            Ihr seid ja noch relativ jung, da ist es ganz normal, dass es nicht so schnell geht mit dem „normale Freunde werden“. Ich weiß ja nicht, wie lange das mit euch her ist, aber es braucht seine Zeit, so etwas zu verarbeiten.

            Übrigens für beide und es kann durchaus sein, dass du am Ende dieses Verarbeitungsprozesses feststellst, eigentlich doch keine Freundschaft zu wollen.

            /Opa

          • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 20:40

            Ein sehr weiser Rat von Opa. Ich danke ihm 🙂

          • Beat(e)s Welten Oktober 21, 2015 at 20:39

            Viel Glück! Und ich wünsche Dir, dass Deine zukünftigen Freunde – der eine spezielle und auch die anderen ganz normalen – immer mehr die eigentliche Mona kennenlernen dürfen 🙂

          • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 20:41

            Danke Dir! Das ist lieb 🙂

  • rokat84 Oktober 21, 2015 at 21:47

    Du schreibst wirklich ganz toll. Der ganze Text hat mich unglaublich zum Nachdenken gebracht. Weil er mich so eiskalt erwischt hat, weil ich nicht erwartet habe, dass er schlussendlich so endet. Mach weiter so – ich werde bei Gelegenheit durch deine weiteren Texte stöbern!

    • Mona Kuehlewind Oktober 21, 2015 at 22:12

      Das ist so lieb von dir und freut mich total zu hören. Ich mag es, wenn ich Menschen mit meinen Worten ein bisschen zum Nachdenken anregen kann. Ich würde mich freuen. Danke Dir!

  • bodyguard4you Oktober 22, 2015 at 1:02

    EIGENTLICH … wollen viele menschen belogen werden … weil sie mit der wahrheit eh nicht wirklich klar kommen …

    dein schreiben nimmt mit … überall hin … DANKE dafür …

  • Alice Oktober 22, 2015 at 2:41

    Schonungslos offen. Das fiel mir als Erstes ein, als ich deinen Text las. Unabhängig davon, wie viel davon auf deinen eigenen Erfahrungen beruht. Du hast sehr klare Worte gefunden und nicht versucht, etwas zu beschönigen. Und genau das gefällt mir. Kein Versuch, schwache Rechtfertigungen oder künstliche Entschuldigungen einzubauen. Ungeschminkt und hart. Und das gefällt mir persönlich viel besser als ein aufgestylter Text, an dem jeder Make up Entferner kapituliert.

    • Mona Kuehlewind Oktober 22, 2015 at 12:54

      Das ist ein ganz wunderbarer Kommentar. Ich danke Dir! „Ungeschminkt und hart“, treffender hättest du meinen Schreibstil kaum formulieren können. DANKE!

  • Robert Oktober 22, 2015 at 10:29

    Tja, „eigentlich“! Ich kenne das nur zu gut, was du so toll beschrieben hast. Leider haben die wenigsten den Mut, es rechtzeitig zu beenden und je länger es dauert, desto mehr tut es dann weh. Also wie heißt es so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Ich gratuliere dir – für deinen Mut, für deine Erkenntnis, für deine tolle Berichterstattung.

    • Mona Kuehlewind Oktober 22, 2015 at 12:53

      Danke Dir! Ja, leider hast du Recht und schade, dass es vielen Menschen so ergeht, aber man muss eben das „Ende mit Schrecken nehmen“ anstatt den „Schrecken ohne Ende“.

  • sternfluesterer Oktober 22, 2015 at 13:50

    Ich werde auch diesmal ganz ehrlich zu Dir sein, liebe Mona. Ich könnte gar anders zu sein versuchen, weil ich es nicht kann: anders sein als ich bin. – Und deshalb war Dein unglaublich authentisch und in wieder faszinierender Formulierung, Wort-, und Bilderwahl geschriebener Text, diesmal für mich schwerer zu lesen, als die bisherigen, die ich von Dir lesen durfte. – Denn Du hast da von einer langen und offenbar auch verhältnismäßig lange Zeit andauerenden Lüge geschrieben. Nicht Dir, sondern einem anderen Menschen gegenüber. – Und DAS hat mich sehr beschäftigt.

    Wohl deshalb, weil ich in einem solchen Sinne nicht zu lügen vermag. Für mich gibt es nur EHRLICH und, wenn man so will, ,AUFRICHTIG. Dazu habe ich, wenn es Dich näher interessiert, einmal ausführlicher geschrieben, hier:

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2012/01/10/ehrlichkeit-aufrichtigkeit-12424193/

    Zwischen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit passen für mich allenfalls, aber auch die nur so wenig wie „nötig“: Notlügen.

    Ich habe immer Angst gehabt, und ich habe noch heute Angst, Menschen zu begegnen, die, ich nenne es mal so, mit mir spielen. – Wenn mir irgendwann bewusst würde, dass jemand mir so begegnet ist, dann würde mich das sehr tief treffen und verletzen.

    Und, weil ich mit jeder Zeile, die ich in Deinem Text weiterlas, dieses mögliche verletzt sein Können auf Deinen damaligen Freund übertrug, wurde es mir immer schwerer, weiter zu lesen.

    Ich bin sehr sensibel, oft zu sehr, viel zu sehr als gut und nötig ist. Aber ich denke, dass diese Eigenschaft von mir nicht der einzige Grund ist, warum mich Dein Text derart angesprochen, derart in innere „Aufruhr“ versetzt hat. Zu gleichen Teilen, mindestens, ist es die Art wie er geschrieben worden ist, von Dir, eben so authentisch, so ganz aus Deinem Empfinden, Deiner Reflektion Deiner damaligen Beziehung zu jenem Jungen heraus. – Jemand der so zu schreiben, so andere Menschen ANZUSPRECHEN vermag, der ist eine Meisterin!

    Wie stets ganz liebe, Dich gern begleiten wollende Grüße!

    • Mona Kuehlewind Oktober 22, 2015 at 17:20

      Lieber Norbert! Ich danke dir trotzdem ganz ganz lieb für deine ehrlichen Worte. Ich hoffe nur, dass ich nicht all zu sehr das Bild, was du von mir hast, zerstört habe .. Ich wollte einfach ganz ehrlich sein. Und das ist eben so passiert. Es tut mir auch weh. Aber ich möchte es nicht leugnen und lieber dazu stehen. Ich wollte niemanden verletzten, das war nie meine Absicht.Ich hoffe du bist nicht enttäuscht …

      Alles alles Liebe,
      Mona

      • sternfluesterer Oktober 22, 2015 at 19:54

        Nein Mona, ich bin nicht enttäuscht, wirklcih nicht. Ich habe Dich mit meinem Kommentar ganz schön „durchgequirlt“, glaube ich, so sehr, dass Du mich zu „Norbert“ gemacht hast, der ich gar nicht bin. 😉 Aber auch das ist nicht schlimm.

        Das Bild dass sich von Dir in mir zu formen begonnen hat, ist nicht zerstört, es hat nicht mal eine Schramme bekommen.

        Du hast in Deinem Text reflektierend geschrieben, wie das von Deiner Seite her damals mit jener Beziehung war. Das konntest Du nur so schreiben, weil Du in der Zwischenzeit eine Reife gewonnen hast, die Dir genau das möglich machte: Zu reflektieren. Und das hast Du sehr schön, sehr gut getan, weil Du es so authentisch getan hast – so, dass es mich in der Art ergriffen hat, wie das halt geschehen ist. Texte sind doch nicht bloß dann gut, wenn sie nur angenehme Gefühle beim Leser auslösen. – Abgesehen davon zeugt Dein Text auch davon, dass Du heute über manchen Dingen, wie Du sie damals gemacht hast, „drüber“ stehst.

        Und Deine ganze Ausstrahlung, die Du sonst als die, die Du nunmehr bist, hier vermittelst, ist eine, sehr sympathische, eine sehr empathische, eine die weiter lernen und sehr umfassend verstehen möchte. Und, dass Du, wie Du jetzt noch einmal schriebst, den Text, so wie Du ihn jetzt geschrieben hast, schreiben konntest, davon zeugt, dass Du ehrlich sein wolltest und bist, dass es Dir jetzt auch weh tut, wie das damals ablief, das bestätigt nur noch viel mehr, wieviel Authentizität in Deinem Text steht, und wie mutig es war, ihn zu schreiben.

        Ich hätte das in meinem Kommentar gleich deutlicher so sagen sollen und nicht über mein ach so sensibles Empfinden schwafeln. – Denn so habe ich Dich verunsichert. Und das wollte ich gar nicht. Und Dir damit vielleicht gar von Deinem Mut nehmen. Nein!

        Also noch einmal: Ich bin nicht enttäuscht von Dir. Ich mag Deine Texte, Dich, die Begegnung, den Austausch mit Dir kein bisschen weniger als vor diesem Text. Im Gegenteil.

        Verzeih mir, ja?

        Liebste Grüße an Dich und heute einen extra Wunsch für einen besonders friedlichen Schlaf nachher!

        • Mona Kuehlewind Oktober 23, 2015 at 10:38

          Oh, das tut mir leid. Ich dachte ich hätte irgendwo auf deinem Blog gelesen, dass du so heißt. Entschuldige bitte!
          Das beruhigt mich sehr. Ich bin dir aber auch sehr dankbar, dass du in deinem letzten Kommentar einfach deine Meinung gesagt hast und nicht versucht hast irgendwas „schön zu reden“, was du eigentlich gar nicht so schön findest. Lieb von dir und sehr ehrlich, danke!

          Alles Liebe und hab einen schönen Freitag 🙂

  • roberimo Oktober 22, 2015 at 19:34

    Liebe Mona, einen wirklich tollen Schreibstil hast du! Man kann deinen Gedanken und auch deinen Gefühlen wirklich gut folgen. Ich finde, dass genau das einen tollen Blog ausmacht. Viele Menschen denen es ähnlich geht helfen eben solche Worte denke ich auch sehr, da sie so erkennen, dass sie nicht alleine sind, und sich vielleicht ein bisschen weniger schlecht fühlen…
    Weiter so, ich werde definitiv mal öfter bei dir vorbei schauen!
    Alles Gute!
    Robert 🙂

    • Mona Kuehlewind Oktober 23, 2015 at 10:39

      Das ist genau das, was ich auch erreichen möchte. Es ist ein schönes Gefühl, dass die Texte von manch einem, wie dir, auch genauso aufgenommen werden, wie ich es wünsche. Ich danke Dir!

      Alles Liebe und vielleicht bis bald,
      Mona 🙂

  • prettynormalgirl Oktober 22, 2015 at 21:26

    Unglaublich ehrlicher und aufrichtiger Text! Mir fehlen die Worte! Ich hoffe das es dir gut getan hast endlich darüber zu schreiben :*
    Ganz ganz liebe Grüße
    Zoe

  • prettynormalgirl Oktober 22, 2015 at 21:27

    Immer diese autokorrektur sorry!

  • netti87 Oktober 22, 2015 at 21:41

    Vielen Dank für deine immer wieder wundervollen Beiträge, die ich sehr sehr mag.
    Dafür habe ich dich nun zum “Liebster Award” nominiert 🙂
    Ich hoffe, du hast Spaß daran teilzunehmen. Für Infos kuckst du bitte hier:
    https://netti0487.wordpress.com/2015/10/22/liebster-award/
    Herzlichst, Netti

  • hansjoachimantweiler Oktober 31, 2015 at 20:17

    Offenherzige Mona,

    eigentlich ist ein Halbherzwort
    Halbherzworte wohnen an Unorten
    Wie der Angst im Magen
    Dem Inellekt mit all Seinen Fragen
    Sprache ist ein Seismograph
    Fein wie die Fühler eines Schmetterling
    Und die Menscheit ist zerrissen
    Gerade weil Sie eigentlich das
    noch nicht getraut sich zu leben
    was all Ihre Religionen vorgeben
    zu erstreben
    lieben
    nur
    dies
    allein

    danke
    Dir Joachim von Herzen
    und zu Ganz und Gar

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