Meine beantwortete Antwort der Antwort

Oktober 11, 2015

„Bitte machen sie Angaben zu ihrer Person“, steht auf der ersten Seite des Peronalbogens. Ich blättere sofort um. „Muss ich das alles ausfüllen?“, hake ich nach. „Ja. Außer die Felder, die mit einem Sternchen gekennzeichnet sind.“, ruft man mir zurück. Ich blättere wieder zurück und lese mir die Fragen durch. Die Felder, die mit Sternchen gekennzeichnet sind, sind die einzigen, die ich beantworten kann. Telefonnummer, Emailadresse und Hausnummer. Ich fülle die drei Felder aus und Falte den Bogen zusammen. „Es tut mir leid, aber mehr kann ich ihnen nicht sagen.“, flüstere ich und reiche den Personalbogen der Frau hinter dem Tresen entgegen. „Das wird schon okay sein.“, sagt sie und verabschiedet mich. „Ok.“, antworte ich, drehe mich um und gehe. Als die Tür ins Schloss fällt, kann ich gerade noch hören, wie man mir hinterher ruft: „Halt! Sie haben keine Angaben über über ihre Person gemacht.“ „Wer sind sie denn?“, ist die letzt Frage, die ich aufschnappe, bevor der frische Herbstwind mir um die Ohren weht und die Worte in der Luft verfliegen. Wie die Blätter im Wind wehen, so verwehen auch die Worte, die man mir vergeblich hinterherruft, und ich mache mich auf den Weg nachhause.

„Ich bin ich. Oder ich versuche es zumindest zu sein.“, hätte ich am liebsten auf den Personalbogen geschrieben. Am allerliebsten hätte ich aber um einen anderen Bogen gebeten. Vielleicht um deinen, um ihren oder um euren. Aber das habe ich mich nicht getraut. Ich wollte nicht, dass man mich für blöd hält. Deshalb habe ich lieber gar nichts geschrieben und bin abgehauen. Wie immer.
Ich versuche es ja. Aber ich schaffe es einfach nicht. Ich versuche ja ich zu sein. Verliere mich aber immer wieder in dem „du“. Manchmal auch in dem „sie“. Oder in dem „ihr“. Aber dann versuche ich es trotzdem wieder.
Aber das „ich“, wie ist das „ich“? Wenn das „du“ gut ist, das „sie“ besser ist und das „ihr“ am besten ist. Wie ist dann das „ich“? „Schlecht?“, „Schlechter“?, „Am schlechtesten?“
Ich weiß, wie das „du“ ist. Das „du“ ist gut. Das „du“, das bist eben du. Groß, schlank, dünn, schön, witzig, fröhlich, gesellig, beliebt, besonders.
Ich weiß auch, wie das „sie“ ist. Das „sie“ ist besser. Das „sie“, das ist eben sie. Größer, schlanker, dünner, schöner, witziger, fröhlicher, geselliger, beliebter, besonderer.
Und ich weiß, wie das „ihr“ ist. Das „ihr“ ist am besten. Das „ihr“, das seid eben ihr. Am größten, am schlanksten, am dünnsten, am schönsten, am witzigsten, am fröhlichsten, am geselligsten, am beliebtesten, am besondersten.
Aber ich weiß nicht, wie das „ich“ ist. Das „ich“ passt nicht in das „du“. Weder in das „sie“ noch in das „ihr“.
Deshalb fällt es mir auch so schwer das „ich“ zu sein.
Damit du verstehst was ich meine, musst du dir bloß vorstellen, dass du im Mathematikunterricht sitzt und der Lehrer zum ersten Mal den Satz des Pythagoras erklärt. Du verstehst ihn aber nicht. Du versuchst dich in der Mathestunde zu melden, aber alles was du sagst, ist falsch, weil du den Satz des Pythagoras nicht verstanden hast. Du versuchst es aber trotzdem, weil du eine gute Note bekommen möchtest, aber alles was du sagst, ist falsch. Weil du nicht weißt, wie der Satz des Pythagoras funktioniert, fällt es dir schwer dem Unterricht zu folgen und in der Klausur eine eins zu schreiben. Verstehst du jetzt was ich meine?
Es fällt mir schwer das „ich“ zu sein, weil ich nicht weiß wie das „ich“ ist. Wie es funktioniert.
Ich bin genauso Ahnungslos wie Mama, wenn Papa beim Fußball „Abseits“ schreit. Ich fühle mich auch genauso ahnungslos wie Papa, wenn er ein Ikea Real aufbauen soll und genauso ahnungslos wie Oma, wenn sie ihr Telefon bedienen will.
Warum überhaupt schreibe ich dem „du“, dem „sie“ und dem „ihr“ tausend Geschichten? Warum widme ich den dreien Gedichte und schicke ihnen endlos lange Brief?
Warum schreibe ich dem „ich“ keine Geschichte? Warum widme ich dem „ich“ kein Gedicht oder schicke ihm einen Brief?
Warum schreibe ich so viel für euch, aber so wenig für mich selbst?
Warum überhaupt weiß ich wie man eine quadratische Gleichung löst, Wurzeln zieht und Brüche dividiert? Warum weiß ich etwas von Politik, Wirtschaft und der Religion?
Warum weiß ich so viel, aber so wenig über mich selbst?
Warum denke ich an Mama und Papa, wenn ich andere Paare beobachte? Warum denke ich an Ben, wenn ich Kindergeschrei höre? Und warum denke ich an Carlo und Lola, wenn ich einen Hund bellen höre?
Warum denke ich so viel, aber so wenig an mich selbst?
Warum verstehe ich Menschen aus aller Welt? Warum kann ich mich mit Franzosen verständigen und mich mit Engländern unterhalten? Warum kann ich auf Spanisch diskutieren und auf Italienisch eine Bestellung aufgeben?
Warum verstehe ich so viele Menschen, aber so wenig mich selbst?
Das sind Fragen, die ich mir immer und immer wieder stelle. Lange Zeit habe ich geglaubt nie eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen. Ich dachte das wären so Fragen wie „Was passiert nach dem Tod?“. Fragen, auf die es tausende Antworten ohne Antwort gibt.
Im Religionsunterricht lehrte uns damals die Lehrerin, dass es richtig sei, dass es so viele Antworten ohne Antwort gebe. Aber sie erklärte uns auch, dass jeder Mensch eine Antwort mit Antwort finden könne, aber eben nur eine. So wäre ihre Antwort mit Antwort „der evangelische Glaube“. Für andere würde wiederum „der katholische Glaube“ als Antwort mit Antwort gelten.
Weil ich meine Religionslehrerin als eine sehr weise Frau in Erinnerung hatte, versuchte ich unter den tausenden Antworten ohne Antwort einfach meine Antwort mit Antwort zu finden.
Meine Suche nach meiner Antwort mit Antwort führte mich zuerst in einen Yogakurs. Dort sollte ich lernen mein inneres Gleichgewicht zu finden und mein „Ich“ wieder zu entdecken. Aber alles, was ich fand, waren acht Frauen, vier davon schwanger, zwei depressiv und drei über siebzig. Und das einzige was ich wieder entdeckte war meine Gleichgewichtsstörung, die mein Tanzlehrer bereits in der dritten Klasse entdeckt hatte, als wir die erste Pirouette drehen sollten.
Den Yogakurs brach ich dann ab und nahm das Angebot von Oma an mein Herz bei ihr auszuschütten. Das bei Oma war aber mehr so eine Art Therapiestunde für Herzschmerz und Liebeskummer, in der sie versuchte mich mit Schokoladenkuchen voll zu füttern und mit heißem Kakao zu bestechen. Im Grunde genommen wollte sie mir auch nur erzählen, wie falsch die Welt heutzutage ist, in was für einer gefährlichen Bevölkerung wir leben und in welch bösartigem Jahrhundert wir uns befinden. „Such dir ja keinen Freund. Du bist noch viel zu jung.“, sagte sie jedes Mal zum Abschied, bis die Besuche weniger wurden. Alles was ich nach drei Wochen Therapie à la Oma herausfand war, dass ich anscheinend alles falsch machte, was man aus Omas Augen im 21. Jahrhundert nur falsch machen kann. Irgendwie hatte ich kaum noch Hoffnung eine Antwort mit Antwort zu finden aber ich wollte noch einen Versuch wagen. Einen einzigen wenigstens. Deshalb schaute ich mir einen Film an. „Eat, Pray, Love“. Ganz grob ging es um eine Frau, die dasselbe Problem hatte, wie ich. Sie wusste nicht, wie das „ich“ ist. Sie wusste nicht wie das „ich“ funktioniert. Diese Frau kehrte ihrem alten Leben deshalb den Rücken und machte sich auf Reise. Zuerst war sie in Italien, wo sie zum ersten Mal, nach langer Zeit, wieder anfing zu essen und zu genießen. Gut zu essen und gut zu genießen. Aber nach einiger Zeit reiste sie weiter, denn alles was sie in Italien finden konnte, war ein großer Teller Spaghetti Bolognese, das Wort „attraversiamo“ und einen netten Italienischlehrer. So reiste sie weiter nach Indien und verbrachte dort eine Zeit in einem Kloster. Sie betete viel. Vielleicht ein bisschen zu viel, denn nach einigen Monaten verabschiedet sie sich wieder und reiste nach Bali. Auf Bali angekommen verliebte sie sich. Zum ersten Mal konnte sie wieder lachen und glücklich sein. So richtig lachen und glücklich sein. Die Frage, ob sie sich gefunden hat, stand am Ende des Films gar nicht mehr zur Debatte. Als hätte man am Ende keine Lust mehr gehabt das Rätsel zu lösen und eine Szene zu drehen, in der dargestellt wird, ob die Frau nun wüsste, wie das „ich“ ist und wie es funktioniert, erschienen die Worte „Happy End“ auf dem Bildschirm bevor das Bild schwarz wurde. „Ein doofer Film“, dachte ich zunächst. Ich war verärgert, dass ich mich von einem Film habe reinlegen lassen. Zwei Stunden hatte ich geglaubt, dass der Film mir am Ende eine Antwort mit Antwort geben würde. Zwei Stunden lang saß ich da, für nichts. Außer die Bestätigung, dass in Filmen ein Happy End immer mit der Liebe endet.
Und genau in diesem Moment, blieben zwei Worte in meinem Kopf hängen „Happy End“ und „Liebe“. „War das vielleicht die Antwort? Ihre Antwort mit Antwort auf das „ich“? „Bedeutete Happy End nicht auch „glücklich sein“ und Liebe nicht auch „finden“?“, fragte ich mich.
Bei einem Happy End ist man glücklich, immer. Aber bevor es zu einem Happy End kommt und man glücklich ist, passiert erst etwas anderes. Die Liebe. Denn wenn man liebt, dann hat man auch gefunden und dann ist man glücklich. Und dann kommt auch das Happy End.
Und wenn man beide Begriffe vereint, wenn man gefunden hat und glücklich ist, dann stellt man sich nicht mehr die Frage nach dem „ich“, oder? Dann ist das egal wie das „ich“ funktioniert. Dann versucht man nichtmehr das ich zu sein. Dann ist man einfach wie man ist. Irgendwie eben. Dann füllt man einen Personalbogen mit einem Namen, einem Alter und einer kurzen Selbstbeschreibung aus. Dann denkt man nicht darüber nach, sondern schreibt einfach drauf los. „Die Liebe war also die Antwort mit Antwort auf den Film“, schlussfolgerte ich.
Am liebsten würde ich den Text jetzt weiterführen, indem ich euch erzähle, wie ich meinen Traummann gefunden habe, Liebe gab und Liebe bekam und mein Happy End schrieb und damit, wie die Frau in dem Film, meine Antwort mit Antwort erhielt. Allerdings wäre das gelogen.
Ich begab mich natürlich auf die Suche nach einem Mann, nachdem ich wusste, dass ich wie die Frau in dem Film die Liebe finden musste, um die Antwort mit Antwort zu bekommen. Ich verließ auch meine Heimat. Allerdings nur für wenige Stunden. Ich fuhr nicht nach Bali, sondern nur in die Innenstadt und schlenderte durch die Straßen. Ich erinnerte mich an die Frau aus dem Film, wie auch sie sich durch die Haare fuhr, in die Sonne schaute und die Augen schloss. Beim Gehen mit dem Po wackelte und den Männern tief in die Augen blinzelte. Dasselbe tat auch ich. „Guck die mal an, wie selbstverliebt die ist“, hörte ich zwei Mädchen hinter mir kichern. Ich drehte mich um. Die beiden Mädchen hatten tatsächlich über mich geredet und kicherten immer noch frech. „Kümmert euch um euren eigenen Mist“, wollte ich sie anpöbeln, doch dann schoss das Wort „selbstverliebt“ nochmal durch meinen Kopf und noch einmal und ich sagte: „Danke“, fuhr mir durchs Haar, drehte mich um und stolzierte mit einem riesigen Grinsen und wackelndem Po davon. Ich hatte meine Antwort mit Antwort gefunden.
Die Antwort mit Antwort lautete „Liebe“. Die Antwort mit Antwort der Frau aus dem Film war die Liebe für einen Mann. Die Liebe, die sie glücklich machte und die Frage nach dem „ich“ vergessen ließ. Meine Antwort mit Antwort ist die Liebe für mich Selbst. Ich glaube es zumindest.
Auch wenn das Wort „Selbstliebe“ oft negativ verstanden wird, und es auch nicht zu meinen Lieblingsworte gehört, glaube ich, dass ich mich selbst lieben muss, um glücklich zu sein.
Ich glaube, dass das jeder tun muss. Ich glaube, dass auch du das getan hast, und auch sie und auch ihr. Ich glaube ihr habt es alle getan und wenn nicht, dann werdet ihr es noch tun.
Ich glaube, dass wenn wir lieben auch akzeptieren.
Und ich glaube und lebe nach zwei ganz bestimmte Weisheiten: „Suche die Fehler zuerst bei dir selbst“, „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“.
Die erste Weisheit sagt mir deshalb, dass es richtig ist, dass ich erst anfangen muss, mich selber zu lieben, und mich somit selber akzeptiere, damit mich Andere lieben können und ich andere Menschen lieben kann. Und die zweite Weisheit sagt mir, dass ich mich selber sogar lieben muss, dass Selbstliebe völlig okay ist, aber man seinen Nächsten mindestens genauso lieben sollte.
Deshalb bin ich mir sicher, dass die „Selbstliebe“ meine beantwortete Antwort der Antwort ist. Die Antwort auf die Frage nach dem „ich“.
Denn wenn ich liebe, egal ob mich oder dich, dann lebe ich einfach.
„Dann ist das egal wie das „ich“ funktioniert. Dann versucht man nichtmehr das ich zu sein. Dann ist man einfach wie man ist. Irgendwie eben.“

13 Comments

  • Lebensart Oktober 11, 2015 at 20:08

    Hallo Mona,
    die Selbstliebe ist, für mich, der Anfang aller Dinge. Selbstliebe hat einen Wert und durch diesen Wert kannst du allem und jedem eine Gewichtung geben. Wenn du dein „Ich“ finden willst, hast du nur eine Chance, vertraue deiner Selbstliebe. Manches Mal verschätzt man sich und erlebt Niederlagen. Was daran liegt, dass man sich mal mehr und mal weniger liebt. Weil man eben mal mehr und mal weniger auf sich achtet. Werte dieses dann als Lebenserfahrung und du wirst sehen, im Laufe der Zeit wirst du immer besser.

    Es sind meine Erfahrungen, diese müssen nicht auf jeden passen, aber ein Versuch ist es Wert.

    Ich liebe die Ausführlichkeit in deinen Texten.

    Sei lieb gegrüßt.
    Christian

    • Mona Kuehlewind Oktober 11, 2015 at 20:54

      Guten Abend Christian,
      ich kann deinen Worten nur mit einem „Kopfnicken“ zustimmen. Meiner Meinung nach sehr zutreffend formuliert.
      Allerdings klingt auch immer als leichter geschrieben, als gesagt und als getan sowieso. Aber man muss es einfach probieren und ein „Risiko“ in Kauf nehmen.
      Ich danke dir!

      Alles Liebe,
      Mona

    • gkazakou Oktober 16, 2015 at 16:23

      Herausfinden, wer Ich bist – dabei kann ich leider nicht helfen. Wohl aber, wie du dir den Satz des Pythagoras merken kannst. Swantje, eine Heldin aus meinem unveröffentlichten Roman, die ebenfalls auf der Suche nach ihrem Ich ist, hat es mir verraten.
      „… Wieder sah sie sich auf dem niedrigen Lager in Epaphos’ Wohnung ausgestreckt und in einem der Bücher schmökern, die sie in seinem Zimmer fand. Sie kannte derlei Bücher aus Vaters Bibliothek. Während ihrer ziemlich chaotischen Schuljahre durchforsteten Swen und sie gelegentlich die verstaubten Regale auf der Suche nach Merkwürdigkeiten. Die meisten Themen interessierten sie nicht oder überstiegen ihr Verständnis. Ziemlich oft kam der Name Pythagoras vor. Pythagoras war für sie vor allem „a Quadrat plus b Quadrat gleich c Quadrat“ – ein Satz, den sie in der Schule auswendig lernen mussten. Er beschrieb das Seitenverhältnis im rechtwinkligen Dreieck, für welches galt: „die Summe der beiden Quadrate über den Katheten ist gleich dem Quadrat über der Hypotenuse“. Das war wahrscheinlich eine bahnbrechende Erkenntnis, aber sie konnte sie nicht nachvollziehen. Um sich die Sache besser vorstellen zu können, machte sie sich auf ihre Weise einen Reim drauf:
      A Hochzwei traf B Hochzwei, oho!
      Sie fassten sich am Händchen an, aha!
      Wie staunten sie, als solcherart
      der C Hochzwei geboren ward,
      und sieh mal an, er glich aufs Haar
      dem hochverehrten Elternpaar.“

  • kiarashine Oktober 11, 2015 at 20:39

    Die treffenste Frage, die mich traf, weil sie auf mich zutrift ist: Warum denke ich so viel, aber so wenig an mich selber?
    Das ist jetzt mal echt auch eine Aufgabe an mich..

    • Mona Kuehlewind Oktober 11, 2015 at 20:51

      Ja, das ist glaube ich eine Frage, die viele Menschen betreffen könnte. Wichtig ist, meiner Meinung nach, dass man die Frage erkennt und etwas dagegen tut! Probier es einfach mal aus 🙂

  • hansjoachimantweiler Oktober 11, 2015 at 21:56

    Liebende Mona,

    anrührendes lebendig sein, danke
    Ein sich liebender Mensch wird seinesgleichen weder abwerten noch sticheln wie die beiden jungen Frauen zu Dir hin
    Sie sind selbst in sich einfach unsicher..
    Die , Deine Frage nach dem Ich ist die Krise der Gegenwart und die steigende Dramatik zeigt, viele sind durch Ihr Ego gelebt, doch ein innereigenes bewusstes Herzensich will erst noch geboren sein.
    Für mich ist Ich die erlebte, gefühlte Gewissheit das die Liebe mehr Kraft hat als die Angst Macht.

    Und die Egos verbreiten das Schreckenszenario Ihrer künstlichen Matrix nach Ihrem Gesetz
    Das die Angst mehr Macht habe als die Liebe Kraft
    Reusper, hm, seufz

    Ich bin Du
    Und Du bist Ich
    Wir sind alle eins

    Oder nicht
    nichts
    einander nichtend

    Mit Dir
    Joachim von Herzen

  • sternfluesterer Oktober 12, 2015 at 20:10

    Wie alle deine Texte hat auch dieser hier mich wieder serh zum Nachdenken angeregt. – Ich hatte Dir ja kürzlich schon einmal geschrieben, dass ich mich auch noch nicht vvollständig gefunden habe, und dass ich mutmaßlich damit auch nie fertig sein werde. Das ich mich stets weiter zu suchen bemühe und versuche, mich soweit als möglich zzu mögen, als der, der ich bin. Selbstliebe, vielliehct kann man das tatsächlich so nennen. Ich hätte kein schlechtes Gewissen dabei.

    Mir ist aber noch ein anderer interessanter Gedanke gekommen beim Lesen Deines Eintrags. – Wenn ich mein ICH suche, so ist es mir jetzt schon öfter passiert, dass ich etwas davon in manchem DU gefunden habe. Das ist jedesmal ein absolut schönes Erleben, wenn das passiert. –

    Vor knapp zwei Jahren habe ich zum Beispiel eine junge Frau kennen gelernt. Zunächst über das Schreiben – sie tut das auf eine Art, die ich wundervoll fan und finde. Und sie war dann, nach einiger Zeit so mutig, mich zu fragen, ob wir uns nicht mal persönlich kennenlernen könnten. Das geschah dann auch.

    Inzwischen haben wir uns wieder gesehen, sie hat mich zweimal besucht. Und sie ist für mich im Herzen so etwas wie eine Tochter geworden. Nicht nur, dass wir uns gut miteinander unterhalten können, dass wir uns im Schreiben gut verstehen, einander erkennen, den anderen nach- und mit zu empfinden vermögen, nein es ist da so ein emotionales Band, dass der andere DA ist, dass man in ihm einen wirklichen Freund hat, dass man sich ein Stück weit in ihm /ihr wiederfindet.

    Wenn es mir gelingt in meinen eigenen Phasen von Panik oder Depression an Dinge zu denken, die sie mal gesagt hat, oder auch nur daran, woran sie mich manchmal erinnert, worauf sie mich hingeewiesen hat, wenn ich mir vorstelle, was sie mir gerade sagen würde, dann HILFT mir das. Weil ihr DU ein Stückchen von meinem ICH ist. Mein ICH ist ein bisschen von unserem WIR. Ich bin ICH aber nicht allein, nicht einsam.

    Es ist wundervoll solche Menschen kennen und sich ihr Freund nennen und sein zu dürfen. Es gibt nicht sooo viele davon, aber ein paar habe ich mittlerweile finden können. Diese junge Frau gehört freilich zu denen, die ich ganz besonders schätze, wie eine Tochter halt.

    Ein Personalfragebogen, so weiß ich übrigens, sagt gar nichts über mich. Ich mag die Dinger auch nicht, aber ich fülle sie ohne großes Unbehagen aus, denn man erfährt daraus doch nichts über mich. Eigentlich sind sie ziemlich überflüssig, weil man keinen Menschen durch einen Fragebogen kennenlernen kann. Emotionen, Empfindungen, Gefühle kann man nicht abfragen. Gerade DAS aber, sehr viel davon bin ICH.

    In dem, was Du schreibst, der Art wuie Du das in der Vielfalt der Themen, die Dich bewegen und die Du ansprichst, tust, finde ich mich manchmal auch ein bisschen wieder. Weißt Du noch, als wir letztens mal feststellten, dass wir immerhin schon zwei sind? – Vielleicht, wenn Dir doch immer mal wieder so eine Situation begegnet, kannst Du für Dich auch besser annehmen, dass Dein ICH auch nicht nur in Dir selbst verborgen liegt, sondern auch in so manchem DU, das mit Deinem Ich oder wenigstens einem teil davon, ein WIR ist.

    Ich denke, man kann, man darf es ruhig so sehen. Diese Sicht schenkt Mut, überhaupt und weiter auf der Suche zu bleiben …

    In diesem Sinne ganz liebe Grüße an Dich, eine gute Nacht, und schöne Träume, in denen Du FINDEN mögest!

    • Mona Kuehlewind Oktober 12, 2015 at 20:27

      Guten Abend!
      Ich habe mich gerade schon wie ein kleines Kind gefreut als die Nachricht auf meinem Display erschien: „sternfluesterer kommentierte auf Meine beantwortet Antwort der Antwort“. Ich bin immer wieder begeistert und völlig mitgenommen von deiner Art zu kommentieren. Oftmals lässt du mich meine Worte aus einer neuen, anderen Perspektive verstehen oder gibts ihnen einen Sinn. Manchmal schreibe ich nämlich, ohne mich selbst dabei zu verstehen. Ich schreibe einfach, wie ich fühle und denke. Und manchmal verstehe ich dann gar nicht, was ich da überhaupt von mir gebe. Aber dann kommst du, und erzählst es mir. Und das ist unheimlich schön!
      Genauso schön, wie dein Erlebnis mit der Frau. Ich war anfangs ein wenig erschreckt, da ich eine ähnliche Erfahrung mit einem Mann machte. Ich lernte ihn auch auf eine ähnliche Art kennen, wir verabredeten uns einmal, dann noch einmal, und noch einmal. Mittlerweile ist er ein toller Freund geworden, weil sein „Du“ auch ein Stück „Ich“ ist und anders rum genauso. Solche Menschen wird man nicht oft in seinem Leben finden, deshalb muss man gut auf sie aufpassen.
      Ja, daran erinnere ich mich noch. Ich bin mir auch sicher, dass es noch mehr Menschen da draußen gibt und ich wünschte, ich könnte all diese Menschen dazu bewegen sich zu öffnen, so wie du es auch tust.

      Die allerliebsten Grüße zurück an Dich. Schlaf gut!

  • Jule Wech Oktober 12, 2015 at 22:02

    Liebe Mona ,
    die Suche nach dem „Ich“ wird dich noch lang begleiten … und du wirst immer wieder neue Facetten deiner selbst entdecken . Und das ist gut so … so wird es dir nicht langweilig mit dir selber .

    Nein im Ernst … Selbstfindung ist nicht so einfach . Als ich in deinem Alter war , da wußte ich auch nicht , wer ich war . Ich war mit Mitte 20 auf einem Seminar , da machten wir so Sachen , wie : „Sage mir , wer du bist “ Da sassen sich jeweils zwei Menschen gegenüber , die sich nicht kannten . Der eine sagte dann diese Worte und der andere sollte etwas über sich sagen , dann sagte der eine : „Danke , sage mir , wer du bist “ und der andere sollte wieder etwas über sich sagen , das ganze über 3 Minuten … Weißt du , wie lange 3 Minuten sind , die man mit sich selber füllen soll . wo man doch gar nicht weiß , wer man eigentlich ist ? Ich fand das so furchtbar … mir fiel zu mir selber einfach gar nichts ein … nach einer halben Minute saß ich in Tränen aufgelöst da …

    Aber mit der Zeit , da hab ich doch so einiges über mich herausgefunden … und ja , ich habe mich irgentwann auch so angenommen , wie ich nun mal bin . Es ist nicht immer einfach , sich selbst zu lieben , aber es wird einfacher , mit der Zeit …

    Und solange wir nicht in der Lage sind , uns selbst zu lieben , uns selbst vorbehaltlos anzunehmen … solange sind wir auch nicht in der Lage , die Liebe eines anderen Menschen vorbehaltlos anzunehmen . Denn wenn wir uns schon selbst nicht lieben , wie soll es dann ein anderer Mensch können ? Das denkt sich zumindest unser Unterbewußtsein und hinterfragt immer wieder , ob der andere uns denn wirklich liebe …

    Wenn wir uns selber lieben , uns selber mit Achtung behandeln … dann können wir das auch einem anderen Menschen geben … dann können wir vom „Ich“ zum „Du“ finden …

    Viel Freude und viele neuen Erfahrungen mit dir selber , das wünsch ich dir !
    Hab einen schönen Abend !

    Lieben Gruß
    Jule

    • Mona Kuehlewind Oktober 12, 2015 at 22:14

      Liebe Jule, schön, wieder von dir zu lesen. Deine Worte haben mir schon ein bisschen gefehlt, wenn ich ehrlich bin. Aber umso mehr habe ich mich gerade gefreut, wieder von dir zu hören. Deine Worte habe ich mit großer Neugier und Freude gelesen. Auch mit ein bisschen Aufregung, weil ich durch deine Kommentare meistens sehr viel lerne und einiges mitnehme, ins Leben irgendwie .. Heute hast du mich wieder über etwas sehr wichtiges gelehrt. Dass es eben nicht einfach ist, sich selber zu finden. Dass es eine der schwierigsten Suchen überhaupt ist, aber man sich überhaupt nicht unter Druck setzten muss und darf. Mit der Zeit wird alles gut. Die Zeit kann morgen sein, übermorgen oder in ein paar Jahren. Aber sie wird kommen. Das hast du mir gelehrt. Und darüber bin ich dir sehr, sehr dankbar.

      Alles, alles Liebe und hab eine gute Nacht!

  • blueumi Oktober 14, 2015 at 8:12

    Toller Beitrag :)! Ich hab mich sehr an mich selbst erinnert gefühlt und kann nur bestätigen, zu welcher Schlussfolgerung du gekommen bist.

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