Vom Grinsen breiter als die Hüften und vom Magen eines Elefanten

Juni 7, 2015

Wie durch Zufall, vielleicht sogar auch Schicksal, ist mir heute beim Aufräumen ein Zettel in die Hände geflogen.

Dieser Zettel befand sich unter meinem Bett, zwischen unzähligen alten Büchern. Er war ziemlich verstaubt und die Buchstaben nur noch vage zu erkennen. An vielen Stellen war die Tinte verschmiert und ich erkannte lediglich die Umrisse alter, längst vergessener Buchstaben. Dennoch machte ich mich an die Arbeit und versuchte das Geheimnis zu entziffern. Nach zwei Stunden hatte ich den Brief soweit ins Reine geschrieben und die Erinnerungen aufgeweckt. Der Schock steht mir noch immer im Gesicht geschrieben.

Es handelt sich um einen Brief, den ich vor ca. zwei Jahren an mich selbst schrieb. Ein Brief, gefüllt mit einer großen Portion Selbstmitleid, eingebettet in Hass, Neid und Unzufriedenheit, geprägt durch ein fehlendes Selbstbewusstsein.

Mir entfuhr ein leises Kichern, als ich das Bild erblickte, was ich ganz unten auf den Brief geklebt hatte. Was zu sehen war? Ein Gesicht, von dem allerdings nicht viel zu erkennen war, bis auf das breite Grinsen und die funkelnden Augen. Eine rieeesige Portion Eis, das die Person stolz vor der Kamera präsentierte, versteckte ihr halbes Gesicht.

Mehrmals wischte ich mit meinen Fingern über das Foto, als könnte ich das Eis “ausradieren”, um zu sehen wessen Gesicht sich dahinter verbarg. Mir kamen die Tränen, als ich immer härter und härter, schneller und schneller auf dem Foto herumkratzte, bis ich es schließlich komplett zerkratzt hatte, herausriss und in tausend Einzelteile zerriss.

Ich wusste genau, um wessen Gesicht es sich handelte. Ich wusste genau, an welchem Tag, zu welcher Uhrzeit diese Aufnahme gemacht wurde. Ich wusste genau, was diese Person damals dachte, sogar was sie fühlte. Ich wusste alles. Doch ich wusste nicht, ob diese Person damals glücklich war. Weisst du was ich meine? Ich meine so wirklich, wirklich glücklich.

Nun werde ich das Geheimnis mal entlüften. Diese Person, deren Grinsen breiter war, als ihre Hüften, wenn sie jegliche Art von Junkfood sah, diese Person, die schneller eine halbes Kilo Schokoladeneis essen konnte, als das Wort überhaupt auszusprechen, diese Person, deren Magen vergleichbar mit dem eines Elefanten war .. war ich. ICH. ICH. JA, ICH. Und für die, die es noch nicht gehört, gelesen oder geglaubt haben: ICH

Verrückt, oder? Ich meine mein Magen ist immer noch so groß, wie der eines Elefanten. Allerdings kann ich heute schneller ein halbes Kilo Brokkoli essen, als das Wort überhaupt zu sagen und mein Grinsen ist breiter, als meine Hüften, wenn ich jegliche Art von Eiweißkuchen sehe.

Eine 180 Grad Drehung. Vom Sport Hater und Fastfood Lover zum Fitness Junkie und Healthy Food Lover.

Wenn ich alte Bilder, wie den Schnappschuss mit dem Eis, sehe, frage ich mich immer, was diese Person heute zu mir sagen würde. Vielleicht würde sie sich bei mir bedanken, sie mit einem völlig anderem Lebensstil vertraut gemacht zu haben. Vielleicht würde sie mich aber auch verteufeln, mich beschimpfen, was ich ihr mit Brokkoli, Reis, Hähnchen, Magerquark, Tonnen Weise Süßstoff und Eiweißpulver antue.

Was auch immer sie sagen würde, ich würde ihr die Chance geben meinen Lebensstil, mit viel Motivation, Energie und einer gewissen Dosis Humor, sowie einem Stück Eiweißkuchen, verstehen, akzeptieren und vielleicht sogar lieben zu lernen.

3 Comments

  • David Ja Juni 12, 2015 at 20:44

    Sehr schön geschrieben 🙂

  • Johnny Flash August 10, 2015 at 13:03

    schöner Bericht. looking good, btw!

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