[Weekly Recap] Von zu viel Alltag und Liebe auf den ersten Blick

Oktober 23, 2016

Der silberne Löffel mit der Vergoldung am Ende schlägt zum dritten Mal an die schlichtweiße Kaffeetasse. Meine Freundin wirft mir einen misstrauischen Blick zu. Ich spüre, wie ihr die Frage auf der Zunge brennt, ob alles okay sei. Ich zwinge mich ein viertes Mal gegen die Tasse zu klirren und puste beschämt, kleine winzige Bläschen in den weißen Schaum, der mit Kakaokrümeln überzogen ist. „Alles okay?“, erlöst sie das Schweigen und packt mich am Arm – zu fest. Ich beiße mir auf die Unterlippe und verziehe mein Gesicht. Ihr Griff lässt nach. „Ja“, nicke ich. Ein heimliches Grinsen huscht mir über die Lippen. „Ja“, sage ich noch einmal, fast schon aufdringlich. „Ja?“, wiederholt sie mit piepsiger Stimme. Noch einmal nicke ich. Dann fange ich laut an zu lachen, weil ja, verdammt ja, alles okay ist, alles okay okay ist und alles kaum „okayer“ sein kann. „Okay“, lacht sie jetzt mit mir. Vielleicht, weil sie sich freut. Für mich. Vielleicht. Hoffentlich.

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GELACHT habe ich diese Woche so viel, dass sich meine Kieferknochen ganz müde anfühlen. Viele Momente waren so wunderbar lachzerreißend, dass sie mehrmals mit Bauchschmerzen vor Lachen geendet haben. Viele Momente waren so wunderbar lachzerreißend, dass ich wünsche, den Erinnerungen noch lange nachlachen zu können.

GESTRESST war ich, weil die Woche so viel Alltag in sich hatte, dass mich manchmal alles überrollt hat – von vorne, von hinten, von rechts, von links und nochmal von vorne. Da kam mein 20-Stunden-Nebenjob, im Bereich PR/Marketing meiner Hochschule, dann mein Vollzeitstudium Journalismus & Unternehmenskommunikation, mein erstes Buch, an dem ich seit geraumer Zeit schreibe, der Sport, den ich nach laaaanger Pause wieder in mein Leben integriert habe, das „kleine Bisschen“ Haushalt, Dates mit Freunden und das wichtigste: ein Wiedersehen mit der Familie. Und alles wäre das nicht genug, sollte auch mein Blog nicht zu kurz kommen. Alles war viel, sehr viel, wenn man bedenkt, dass das alles in sieben Tagen passieren musste. Aber es hat funktioniert und deshalb wird es auch die kommenden neun Wochen bis Weihnachten funktionieren – da bin ich mir sicher!

GELERNT habe ich, dass ich einer der stärksten Menschen bin, die ich kenne. Gut, dass klingt jetzt vielleicht ein bisschen eingebildet, aber wäre es die bessere Entscheidung, an dieser Stelle zu lügen?
Ich rede nicht von Muskelkraft und dem großen Bizeps, denn wenn es darum geht, gehöre ich wahrscheinlich zu den schwächsten Menschen, die ich kenne. Wenn ich hier „Stärke“ schreibe, dann meine ich einem starken, gefestigten Charakter.
Mama war es, die mich auf meine Stärke aufmerksam machte. Anfangs belächelte ich ihre Aussage, versteckte sie irgendwo, in der hintersten Ecke meines Gehirns. Erst diese Woche, einige Wochen nach Mamas Aussage, gewannen ihre Worte für mich an Priorität, dann an Wahrheit. Denn wie oft stand ich kurz davor? Kurz vor den Bauchkrämpfen, den Tränen und dem letzten Wort? Aber wie oft habe ich die Bauchkrämpfe mit einem Lächeln unterdrückt, die Tränen weggewischt und tausend Worte drüber gekritzelt? Tausend mal mehr.
Und deshalb trage ich heute Narben, die beweisen, dass sich kämpfen manchmal lohnt.

GESPONNEN habe ich gleich am Montag als ich einem Mann über den Weg lief, der mich in der aller ersten Sekunde in ein Gefühl versetzt hat, was ich so schnell noch nie gesprüht habe. Total verrückt und völlig bescheuert, wenn man doch eigentlich nicht an Liebe auf den ersten Blick glaubt, oder?
PS: Leider ging die Geschichte so aus, dass er mich nur mit seinem Zigarettenqualm umzingelt hat, als ich mit ausgestreckter Brust, eingezogenem Bauch und großen Augen an ihm vorbei getorkelt bin, er meine Freundin angerempelt hat und ich ihn nie wieder gesehen habe. Schade, aber wahr.

GESTAUNT habe ich als mir mein kleiner Bruder ein Musikinstrument erklärte, auf dem ich belanglos getrommelt habe. Aber es ist nicht nur die Art, wie er mir das Instrument erklärt hat, vielmehr ist es, dass er schon so groß ist, dass seine Körpergröße mich beinahe eingeholt hat – und Ben ist erst 11. Und ja, er weiß auch so viel, so viel Gutes und wirklich Wichtiges neben dem ganzen Pokémon und PlayStation Gestöhns. Ich merke wie er zu einem jungen Mann reift, zu einem ganz, ganz Großartigem, und das macht mich unfassbar stolz. Im Herzen wird er aber mein kleiner Bruder bleiben – für immer.

GEGEBEN habe ich das das größte Dankeschön an meinen lieben Freund und Fotograf Julian Scheinkönig. Er hat mir ganz viel Mut gemacht und schließlich tolle Aufnahmen von mir gemacht, die ihr ganz bald sehen dürft – ganz genau am 2. November, meinem 20. Geburtstag. Wenn ihr mögt, schaut doch jetzt schonmal auf seiner Seite vorbei, er freut sich: https://js-fvm.de/index.html

2 Comments

  • Liv November 14, 2016 at 13:27

    Ich finde deinen Blog wirklich grossartig:)
    Du gehst sehr ehrlich und offen mit deinem Alltag um, was sehr angenehm ist zu lesen. Mich fasziniert wie du es schaffst die Leser mit kleinen Beschreibungen von einer Kaffeetasse in deine Welt miteinzubeziehen.
    Ich hoffe, ich werde auch in Zukunft noch viel von dir hören.

    Lg Liv

    • Mona Kuehlewind November 15, 2016 at 9:49

      Liebe Liv,
      ich habe mich wahnsinnig über deinen Kommentar gefreut.
      Ich hoffe, es geht dir gut und du wirst noch das ein oder andere Mal bei mir vorbeischauen.
      Alles Liebe,
      Mona

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