Weißt du was so richtig verletzt?

Oktober 23, 2015

 

Weißt du was weh tut? Weißt du was so richtig juckt, kratzt und schmerzt? Weißt du was so richtig verletzt?

Oma hat mir gesagt, dass es die Liebe sei. Sie hat mir erklärt, dass die Liebe so ziemlich das Schönste, aber auch gleichzeitig das Schlimmste sei. Sie hat gemeint, dass die Liebe so schön sein könne, dass sie am Ende könne wehtun. So richtig jucken, kratzen, schmerzen könne. So richtig verletzen könne. Sie hat mir erzählt, wie viele Jahre sie ihrem ersten Liebschaft noch hinterher getrauert habe. Sie hat mir erzählt, wie er sie einfach sitzen gelassen habe und von heute auf morgen mit einer Anderen abgetaucht sei. Sie hat mir von den ganzen Briefen, all den vergeblichen Anrufen und den verzweifelten „Klingeleien“ erzählt. Sie hat mir erzählt, dass sie ganze Nächte damit verbracht habe ihm Briefe zu schreiben, die Anrufkosten ihr Kontoguthaben überschritten und er sie selbst im Winter mit rot schniefender Nase, blau zitternden Lippen und zusammengefrorenen Wimpern habe draußen stehen lassen. Sie weinte über all die „Komm-Zurück-Aktionen“, die sie vergeblich für ihn veranstaltet habe. Wie sie im Unterricht einfach aufsprang und ihm vor der gesamten Klasse eine Liebeserklärung gemacht habe. Wie sie ihm Nachts um halb drei hinterher gefahren sei, weil sie Angst hatte, ihm könne etwas zustoßen. Wie sie sogar Briefe an seine Eltern geschrieben habe und ihn sogar noch besucht habe, als er mit einer Blinddarmentzündung im Krankenhaus gelegen habe. Und wie sie ihm trotzdem noch jeden Tag ihre Hausaufgaben vor die Tür gelegt habe, damit er sie habe abschreiben können.
Oma wiederholte, dass es die Liebe sei. Die Liebe die so richtig jucke, kratze und schmerze. Sie wiederholte, dass es die Liebe sei, die so richtig verletze.

Papa hat mir etwas anderes geantwortet. Er sagte mir, dass es der Verlust eines Menschen sei. Er sagte mir, dass Verlieren so richtig weh tun könne. So richtig jucke, kratze und schmerze. Und so richtig verletzten könne. Er erzählte mir von dem Tod seines Großvaters. Er erzählte mir, wie gern er ihn gehabt habe, wie gern er ihm zugehört habe und wie gern er ihm zugehört habe. Papa erzählte mir, wie er seinen Großvater jeden Sonntag besucht habe und sie gemeinsam Plätzchen gebacken haben. Er erzählte mir, dass sein Großvater die Hälfte des Teiges schon vorher aufgegessen habe und sich am Ende immer gewundert habe, warum es nur so wenige Plätzchen seien (ich musste schmunzeln, weil Papa heute dasselbe tat). Papa meinte, dass er viel geweint habe und seinen Großvater bis zu seinem letzten Tag im Krankenhaus besucht habe. Er meinte, dass er ihn jeden Tag auf dem Friedhof besucht habe, ihm Blumen vorbeigebracht habe und die kleine rote Kerze angezündet habe. Er verriet mir sogar, dass er manchmal heimlich mit ihm gesprochen habe und für ihn gebetet habe. Papa kamen die Tränen, als er mir ein altes Foto von seinem Großvater zeigte. Noch heute denke er sehr oft an ihn und schaue sich dieses Bild an und dann gab er zu, dass er manchmal noch die Hand seines Großvaters auf seiner Schulter fühlen könne.
Papa wiederholte, dass es der Verlust eines Menschen sei. Dass der Verlust eines Menschen so richtig jucke, kratze und schmerze. Er wiederholte, dass es der Verlust sei, der so richtig verletze.

Meine Uroma war die dritte, der ich diese Frage stellte. Meine Uroma gab mir zu verstehen, dass es der Krieg sei. Sie sagte, dass der Krieg der Grund für das Jucken, das Kratzen und den Schmerz sei. Sie sagte, dass der Krieg der Grund für eine verletzte Menschheit, ein verletztes Volk und ein verletztes Wir sei. Sie erzählte, wie sie den zweiten Weltkrieg erlebt habe. Sie erzählte, von einem pausenlosen Krieg, der selbst Sonntags keinen Ruhetag gekannt habe. Sie erzählte von den Bomben, die sich angefühlt haben, als seien sie direkt neben ihr auf die Erde geschlagen. Sie erzählte mir von den schreienden, hilflosen Gesichtern. Von ängstlichen, weinenden Menschen. Sie erzählte mir, wie wenig sie zu Trinken und Essen gehabt habe. Sie erzählte mir wie sie eine Scheibe Brot mit ihren zehn Geschwistern teilen musste. Sie erzählte mir, wie sehr sie sich über einen Brotkrümel gefreut habe und wie sehr sie sich über den ersten Apfel im Frühjahr freute. Sie erzählte mir, dass sie nachts nie habe schlafen können, weil Angst vor einem weiteren Anschlag gehabt habe. Sie erzählte mir so viel Schlimmes, dass sie während des Krieges erlebt habe, dass sie bitterlich weinte.
Meine Uroma wiederholte trotzdem, dass es der Krieg sei. Dass der Krieg so richtig jucke, kratze und schmerze. Sie wiederholte, dass es der Krieg sei, der so richtig verletze.

Zuletzt fragte ich meine Mama und bat sie mir zu sagen, was ihr am meisten weh tut, was sie so richtig juckt, kratzt und schmerzt. Was sie so richtig verletzt.
Lange Zeit kam gar nichts. Wir saßen uns gegenüber und alles was zu hören war, war der Löffel, den sie in ihrem heißen Kaffee hin und her rührte. Als ich sie nochmals um eine Antwort bat, holte sie ein großes Buch und legte es mir in die Hände. „Das hier“, gab sie mir als Antwort und verließ den Raum. Ich saß allein in der Küche, nahm einen Schluck Kakao und öffnete das Buch.

Auf der ersten Seite stand in Großbuchstaben die Überschrift „Mona’s 17tes und 18tes Lebensjahr“.
Das war mein Fotoalbum. Mein siebzehntes und mein achtzehntes. Mama hatte für jedes Lebensjahr ein Fotoalbum für mich gemacht. Zu Beginn jeden Jahres kaufte sie immer ein großes Buch, meist eines in meiner aktuellen Lieblingsfarbe. Dieses Album verzierte sie dann im Laufe des Jahres mit Bildern, Sprüchen, Texten und Schnörkeleien.
Jedes Jahr ließ sie somit eine Geschichte meiner mittlerweile fast achtzehn Lebensjahre entstehen. Jedes Jahr, eine Woche vor meinem Geburtstag, übergab sie mir dann das Album. Meist eingepackt, mit einer großen Schleife versehen.
Nur dieses Jahr nicht. Dieses Jahr gab sie es mir drei Tage zu früh. Dieses Jahr gab sie es mir ohne Geschenkpapier und Schleife. Sie gab es mir zum ersten Mal ohne alles nur mit den Worten „Das hier“, als ich sie fragte „Was ihr weh tun würde“.
Eigentlich dachte ich, dass ich kein Album mehr bekommen würde, weil Mama mir vor meinem achtzehnten Geburtstag kein Album, keine Geschichte über mein siebzehntes Lebensjahr gab. Damals entschuldigte sie sich nur, indem sie sagte, dass sie es vergessen habe, ich machte mir keine weiteren Gedanken und die ganze Geschichten Sache war für mich damit gegessen.
Umso überraschter war ich, als sie mir jetzt, drei Tage zu früh, ein Album mit zwei Geschichten in die Hand drückte. Damit hatte ich nicht gerechnet.
16 Alben, 16 Geschichten hatte ich bereits gelesen und wie kleine Trophäen in meinem Regal stehen. Und jetzt öffnete ich die erste Seite des siebzehnten und achtzehnten Albums, der siebzehnten und achtzehnten Geschichte und alles was da stand war „Mona’s 17tes und18tes Lebensjahr“.
Die Überschrift brachte ein befremdliches Gefühl in das Album. Als hätte man aus zwei Lebensjahren eins gemacht. Als wäre das eine nicht gut genug, um eine Geschichte zu schreiben. Als wäre das einige nicht interessant, erzählenswert oder „albumwert“. Als hätte man ein Lebensjahr einfach ausradiert.
Jemand musste den Spruch, der immer darunter stand, weggestrichen haben. Mama schrieb eigentlich immer einen kurzen Spruch darunter, der das Lebensjahr in fünf, sechs Worten zusammenfasste.
In meinem sechzehnten Album schrieb sie zum Beispiel „Young, Wild and Free“ drunter und man wusste sofort, dass sich dieses Album um meine wilde Zeit als vollpubertierender Teenager handelt. Dass dieses Album von der ersten Hausparty, zu viel Alkohol und Zigaretten dreht.
Doch in meinem siebzehnten und achtzehnten Album blieb der Platz unter der Überschrift leer, als habe den Spruch jemand ausradiert. Oder mit Absicht nicht ausgefüllt.
Auf der zweiten Seite standen dann immer Mama’s Wünsche an mich, die sie am Anfang eines Lebensjahres für mich hatte.
Da stand in diesem Album nur einer. Sie hatte mir damals gewünscht, dass ich so bleiben soll, wie ich bin. Darum hatte sie aber viele Adjektive geschrieben, die mich scheinbar beschreiben sollten. „Lebensfroh“, „ehrgeizig“, „lustig“, „freudig“, „offen“, „aufgeschlossen“, „neugierig“, „kreativ“, „interessiert“, „fokussiert“, „ehrlich“, „frech“, „süß“, „zielstrebig“, „selbstbewusst“, „selbstvertraut“, „motiviert“. Drei Worte hatte sie unterstrichen. „Lebensfroh“, „selbstbewusst“ und „ehrlich“. Diese drei Worte waren ihr anscheinend besonders lieb.
Auf der dritten Seite fing die Geschichte dann meistens an. Meistens jedenfalls. Nicht aber in diesem Album. In meinem siebzehnten und achtzehnten Album fing die Geschichte erst auf Seite vier an. Auf der dritten Seite stand aber fast dasselbe wie auf der zweiten Seite, nur dass sie mir dieses Mal nicht wünschte, dass ich so bleiben soll, wie ich bin, sondern dass ich wieder werden soll, wie ich mal war. Aus „Bleib so wie du bist“, was sie mir scheinbar für mein siebzehntes Lebensjahr gewünscht hatte wurde nun, als Wunsch für mein achtzehntes Lebensjahr ein „Werd so wie du mal warst“. Mir kamen die ersten Tränen. Als ich Adjektive wie „traurig“, „allein“, „dünn“, „anders“, „verloren“, „selbstzweifelnd“ laß, die sie darum verziert hatte, kamen mir noch mehr Tränen. Eigentlich war ich gar nicht bereit dafür, aber ich blätterte auf die nächste Seite.
November 2013. Mein siebzehntes Lebensjahr fing an und ich konnte anhand der Bilder, Schriften und Verzierungen erkennen, dass Mama noch sichtlich Spaß an der Gestaltung der Geschichte hatte. Es schien, als hätte sie keinen Moment ausgelassen, als hätte sie überall, an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt „Reporterin“ gespielt. Mit bunte Fotos von Geburtstagen, Familienfeiern und Ausflügen hatte sie den November und Dezember 2013 gestaltet. Weihnachten 2013 war auch noch alles bunt. Aber nach Weihnachten wurde es weniger. Weniger Bild, weniger Text, weniger Verzierung und weniger bunt. Zwei schwarz-weiß Bilder aus dem Skiurlaub auf denen man mich mit voll gestopften Backen beim Kaiserschmarren Essen sah, trugen die Bildunterschrift „Der letzte Kaiserschmarren im Skiurlaub“. Das das auch der letzte Kaiserschmarrn war, den ich in den nächsten zwei Jahren anrührte, war Mama damals wahrscheinlich noch nicht bewusst. Alles was ihr damals bewusst gewesen sein konnte, war, dass ich mittlerweile eine Hosengröße von 40 erreicht hatte und absolut nicht mehr zur Kategorie „Model“ gehörte. Übergrößenmodel, wenn überhaupt. Dass ich zur Zeit des Skiurlaubs bereits unter den ersten Depressionen und tiefen Selbstzweifeln litt, wusste auch Mama. Der Grund, weshalb sie die Bilder wahrscheinlich in schwarz-weiß aufgeklebt haben musste.
Der März 2014 ließ bereits auf der ersten Albumseite hoffen. Hoffnung auf Besserung. Die Bilder waren wieder bunter. Mama hatte ein paar Schnappschüsse von mir in Sportkleidung aufgeklebt, was zu dem Zeitpunkt ein echtes Phänomen war und direkt festgehalten werden musste. Die Bilder trugen die Überschrift „Mona geht jetzt ins Fitnessstudio“.
Die nächsten zwei Monate waren weiterhin vollgeklebt mit Fotos und kurzen Texten. Mama hatte sogar ein Bild von mir und meinem damaligen Freund aufgeklebt. Ich war schon deutlich dünner.
Ab Mai 2014 wurden die Bilder weniger. Mama schrieb nur noch sehr kurze Texte. Setzte viel mehr Punkte und Kommas als sonst und ließ einen immer größeren Abstand zwischen den Buchstaben. Irgendwann wiederholten sich die Bilder. Entweder sah man mich in der Küche, beim Essen von Gemüse und Obst, oder man erwischte mich auf dem Weg ins Fitnessstudio. „Mona kocht“, „Mona isst“, „Mona geht zum Sport“, La ich auf jeder Seite. Irgendwo ließ Mama ein paar Seiten frei. Als brauchte sie eine Pause. Vielleicht eine Pause um Luft zu holen. Um zu atmen. Eine Pause, um Kraft zu tanken, damit sie das verkraften konnte, was dann folgte.
Es folgten wenige Bilder. Die wenigen Bilder waren schwarz-weiß. Die wenigen Bilder zeigten mich dünn. Sehr dünn. Vielleicht auch zu dünn. Die wenigen Bilder trugen entweder die Überschrift „Mona schläft“ oder „Mona geht ins Fitnessstudio“. Auf keinem Bild sah man mich mehr Essen. Auf keinem Bild sah man mich mehr Lachen. Auf keinem Bild sah man mehr mich selbst. Das ging gefühlte dreißig Seiten so weiter.
Das war das, was Mama gemeint hatte mit „Werd wieder so wie du mal warst“. Das war das, was Mama gemeint hatte mit „verloren“, „selbstzweifelnd“ und „allein“.
Mit 18 Jahren hatte ich starke Selbstzweifel, war allein, weil ich mich und meine Freunde verloren hatte.
Das achtzehnte Lebensjahr ließ Mama fast komplett in dem Album aus. Sie übersprang den November, den Dezember, und die ersten Monate im Jahr 2015. Eine weiße Seite nach der Anderen. Als hätte man nichts zu sagen. Als wolle man nichts sagen. Als hätte man Angst die Wahrheit zu erzählen. Als wolle man die Wahrheit lieber verschweigen, vergessen und mit weißen, leeren Seiten überdecken. Ich weinte noch viel mehr.
Im Juni 2015 hatte Mama wieder angefangen die Geschichte weiter zu schreiben. Sie schrieb „Abitur“ in das Album und klebte wieder die ersten Fotos dazu. Kleine Fotos. In Passbildformat. Entweder weil das Kopiergeld zu knapp war, oder weil sie die Wahrheit lieber noch „kleinhalten“ wollte (ich tippe auf Letzteres). Trotzdem konnte ich erkennen, dass ich noch dünn war. Aber nicht mehr sehr dünn. Eben einfach nur dünn.
Die Fotos wurden nach und nach wieder größer und die Überschriften länger. Der August war sogar schon wieder bunt. Der September und Oktober wurden immer bunter. Vereinzelt gab es noch Seiten, die wieder schwarz-weiß waren, aber die meisten Seiten waren bunt, kunterbunt. Die Bilder waren groß, manche sogar riesig und manch Überschrift war schon gar keine Überschrift mehr, sondern ein kleiner Text.
Damit konnte ich ein paar Tränen aufhalten.
Am Ende jeden Albums hatte Mama immer zwei Seiten für „Highlights des Jahres“ freigelassen. Jedes Jahr gab es so viele Highlights, dass sich die Fotos auf den letzten beiden Seiten immer überlappten. Aber in diesem Album, in meinem siebzehnten und achtzehnten Album, hatte Mama die zwei Seiten, die für die „Highlights“ vorgesehen waren, mit lediglich zwei Fotos geschmückt.
Es gab nur zwei Highlights. Zwei Highlights in zwei Lebensjahren. Zwei Highlights in 730 Tagen.
Als erstes Highlight nominierte sie mein Abitur. Ein Bild auf dem man mich in meiner ersten eigenen Wohnung in Hamburg sah. Im August 2015. Ich sah glücklich aus. Und als zweites Highlight hatte sie ein Bild aufgeklebt, was vor wenigen Wochen entstand. Man sah mich in der Uni. Ich sah mich zwischen anderen Studenten sitzen und man könnte fast meinen, dass ich einer der Menschen war, die auf diesem Bild am glücklichsten aussahen. Ich war auch verdammt glücklich.
Ich klappte das Album zu und erinnerte mich an Mamas Worte, als ich sie vor wenigen Minuten noch fragte, was ihr weh tun würde. „Das hier“, sagte sie. Ich schaue auf das Buch. Böse Blicke werfe ich ihm jetzt zu.
Und mir wurde klar, dass es nicht das Buch war, das Mama so weh tat. Was sie so juckte, so kratzte, so schmerzte. Es war nicht das Buch, das sie so verletzte. Mir wurde klar, dass ich es war, die Mama so weh tat. Die sie so juckte, so kratzte und so schmerzte. Es war ich, die Mama so verletzte.

Dann wurde mir noch etwas klar. Mir wurde klar, dass ich Omas, Papas und Uromas Schmerz nicht nehmen kann. Dass ich weder Omas Schmerz vor der Liebe, noch Papas Schmerz vom Verlust seines Großvaters und Uromas Schmerz vor dem Krieg nicht heilen kann. Aber mir wurde klar, dass ich Mamas Schmerz nehmen kann. Dass ich Mamas Schmerz vor mir nehmen kann. Ihr den Schmerz nehmen, indem ich sie eine tolle Geschichte zu meinem neunzehnten Lebensjahr schreiben lassse. Indem ich ihr wieder so viele Highlights schenke, dass sich die Bilder am Ende wieder überlappen. Indem ich sie so viele bunte Bilder schießen lasse, große Fotos entstehen lasse und sie ellenlange Überschriften schreiben lasse. Und indem ich wieder ich bin, die Mona bin, von der man gerne eine Geschichte schreibt. Deren neunzehntes Lebensjahr kunterbunt und lebensfroh ist.
Noch zehnmal schlafen, dann schreiben wir eine neue Geschichte, Mama. Ich freue mich drauf.

17 Comments

  • Egotheist Oktober 24, 2015 at 12:01

    Unter solch einem Text gibt es fast nie einen Kommentar, der wirklich angebracht wäre, der ihm gerecht werden könnte.
    Aber du sprichst mir aus der Seele.

  • roberimo Oktober 24, 2015 at 17:31

    Ich kann Egotheist nur zustimmen, deine Worte sind zu ergreifend um auf sie eine passende Antwort zu finden. Wieder ein wundervoller Text!

    Ich denke was alle Antworten vereint ist, dass alle Antworten darauf abzielen, dass eine Person jemanden verloren hat, den sie liebt. Ob es der Geliebte, der Großvater, die Freunde und Verwandten im Krieg, oder die eigene Tochter ist, die nicht mehr ganz so ist, wie sie einmal war.
    Ich denke, es ist der Verlustschmerz, der am meisten schmerzt.

    Wie gesagt, ein wundervoller und sehr ergreifender Text, es lohnt sich definitiv deinem Blog zu folgen.
    Liebe Grüße!

    • Mona Kuehlewind Oktober 24, 2015 at 19:33

      Das ist so unglaublich lieb von euch! Ich bin total gerührt. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass meine Geschichten überhaupt jemals jemanden so gefallen, berühren und interessieren. Ich DANKE DIR!

      Alles alles Liebe!

  • hansjoachimantweiler Oktober 24, 2015 at 19:16

    Liebende Mona

    Liebe verletzt nie
    Doch meine Erfahrung ist narzistisch enttäuschtes lieben wollen
    welches abgewiesen wird hat Mich nur selbst verletzt
    Weh empfinde ich wenn Mitmenschen über Sich verächtlich sprechen
    Menschen Ihresgleichen demütigen herabsetzen
    Gedanklich sprachlich körperlich
    Liebe ist Heilung des Schmerzes an Lieblosigkeit
    Wer Mich nicht lieben kann dem trauere Ich nicht mehr nach
    Früher brach Meine ganze Welt zusammen
    Meine wohlgemerkt selbstgebastelte Egorealität
    Die Wehen einer Gebärenden schaffen ein wonniges Glück Ihr Kind danach im Arm zu fühlen
    das eine Schwangere nie haben wird welche Sich eine Rückenmarksnarkose
    geben ließ um den Liebesschmerz nicht empfinden zu müssen
    danke
    Dir Joachim von Herzen
    Schmerzkörpertherapeut

  • sternfluesterer Oktober 24, 2015 at 20:57

    Liebe Mona, ich schaffe es nicht immer gleich, deine Texte zu lesen. Ich schaffe so vieles andere nicght gleich. Und das wird in den den näüchsten Wochen nicht besser werden…

    Aber ic lese Deine Texte, seit ich hierher auf Deine Blogplattform gefunden habe.- Und das werde ich stets weiter tun, und, wenn es mir möhlich ist, auch kommentieren, gelegentlich halt etwas später, so wie jetzt.

    Kommentieren möchte ich diesen Text freilich, obwohl ich gar nicht so viel sagen kann, diesmal.

    Aber sagen muss ich (und ich bin wieder ehrlich), ohne mich zu schämen, dass mir zwschendurch ein paar Mal die Tränen in den Augen standen beim Lesen. Denn Du hast einen sehr persönlichen Text geschrieben, mit einer Offenheit, die so bemerkenswert ist, dass mir ein bisschen die Worte fehlen. Und es ist ein sehr reicher Text, An Erzähltem, an Bildern und an Reflektionen. Und das kommt nicht nacheinander, das wechselt sich ab. Und so ist es sehr spannend zu lesen.

    Wenn ich so ein bisschen in mich gehe, und überlege, wie ich wohl auf Deine Frage geantwortet hätte, dann fällt mir auf, dass ich sehr viel aus Deinem Text wiederfinde in mnir. Nicht alles. Zum Beispiel habe ich wieder einmal bemerkt, dass ich von der Liebe keine rechte Ahnung habe, sehr wenig darüber weiß. Ich liebe sehr eigen, sehr intensiv, zugleich sehr still, aber ich habe immer auch Angst vor der Liebe gehabt, bis heute. – Wahrscheinlich klingt das komisch für jemanden, der in meinem Alter ist.

    Und dann sind da jene Zeilen über die besagten Lebensjahre. Die haben mich emotional sehr stark berührt. Wahrscheinlich wäre das nicht ganz so gewesen, wenn ich nicht vor gut einem halben Jahr in der Klinik die beiden Menschen (die junge Frau und das Mädchen), von denen ich Dir schon einmal erzählt habe, kennengelernt hätte, die auch an so einer Essstörung erkrankt waren. – Nun aber, habe ich diese, Deine Zeilen so unglaublich nah erleben und nachvollziehen können.

    Wie Du Dein Leben, Episoden daraus, Gedankengänge darin, Erfahrungen während dessen, aufzuschreiben und darzustellen vermagst, ist bewundernswert. Jeder Text ist wie ein Kapitel. Ein Kapitel von Dir, ein Kapitel Deinerselbst.

    Abermals Dankeschön, dass ich das lesen darf.

    Und auch heute viele ganz liebe sternflüsternde Grüße an Dich,liebe Mona! Schlaf schön! – Heute ja ein Stündchen länger …

    • Mona Kuehlewind Oktober 25, 2015 at 16:59

      Ich komme gar nicht hinterher mit dem Lesen deiner Kommentare. Oft erreichen sie mich, wenn ich in der Bahn sitze, von A nach B haste, irgendwie zwischen Tür und Angel stehe.
      Ich könnte deine Kommentare auch ganz einfach überlesen, schnell „durchscrollen“ und dann einfach nur ein „Danke“ drunter schreiben. Aber erstens ist das nicht meine Art und zweitens hat das keiner DEINER Kommentare verdient. Und drittens tut es mir immer sehr wohl von dir zu lesen.
      Ich bedanke mich sehr für diesen Kommentar. Er ist schön zu lesen, obwohl mir das Ende ganz schön Angst macht und mich zweifeln lässt, ob ich tatsächlich das richtige tue. Ein Freund (der Mann aus der letzten Geschichte) sagte mir einmal „du präsentierst dich wie ein offenes Buch“ und auch du sagst so etwas ähnliches „Ein Kapitel von Dir, ein Kapitel Deinerselbst“. Ich weiß nicht, ob du das auch mit derselben Stimme sagst, wie mein Freund es damals tat. Er fand das das alles hier überhaupt nicht gut .. Ich weiß nicht, ob ich deinen Kommentar auch so auffassen soll, oder ob es doch eher ein „Kompliment“ war .. Ich bin ein bisschen verunsichert.

      Wünsche dir noch einen schönen Abend!

      • sternfluesterer Oktober 25, 2015 at 17:09

        Mein Kommentar ist ein Komplimenmt, liebe Mona. Ein respektvolles. Den Vorwurf, bisweilen zu offen zu sein (etwa auch in meinem Blog), kenne ich sehr gut. Ich nehme ihn freilich nicht immer als Vorwurf, denn ich weiß schon, dass Offenheit potenziell die Gefahr birgt, verletzt zu werden.- Leider ist unsere Welt, etliche Menschen, heute so: Wenig empathisch bis rücksichtslos.

        Du gehörst zu der „anderen Sorte“, und das macht viel meiner Sympathie für Dich, Deine Art zu schreiben aus. Ich weiß, dass Du auch jemand bist, der niemals bewusst verletzen wollen würde.

        Aufpassen müssen wir dennoch. Du und ich genauso. Weil die Welt halt ist wie sie ist. Um so schöner und wertvoller ist es dann, Menschen zu begegnen, die anders sind.

        Ich wollte und will Dir also nur Mut machen, Dir Zuversicht vermitteln und Dir bekunden, dass ich, was Du hier schreibst, als Entgegenbringen großen Vertrauens sehe. Und so etrwas missbrauche ich nicht. Schon gar nicht, weil ich spüre, was das Schreiben für Dich bedeutet. – Insoweit sind wir nämlich ein bisschen „verwandt“ 😉

        Danke, liebe Mona, hab Du auch noch ein paar schöne freie Stunden, bevor es morgen wieder ans Studieren geht!

        • Mona Kuehlewind Oktober 25, 2015 at 17:27

          „Weil die Welt halt ist wie sie ist“ .. Du hast recht. Ich danke dir, dass ich zu „den solchen“ gehören darf. Und ich musste schmunzeln, als du sagtest, wir seien quasi ein bisschen „verwandt“. Klingt komisch, aber ja, zumindest sind wir „wortverwandt“, falls es so etwas gibt

          Danke Dir. Dir noch einen schönen Abend!

  • thesecretly Oktober 26, 2015 at 18:35

    Wow *-* Also… wie meine Vorredner schon gesagt haben, es ist ein großartiger Text geworden.
    Dennoch will ich etwas hinzufügen.
    Falls du ihn selber geschrieben hast (egal ob es genauso war, oder ob du an manchen Stellen etwas illustriert hast) (hast du ja wahrscheinlich – also ich meine jetzt selber geschreiben), dann hast du ein unglaubliches Talent zu schreiben.
    Behalt dir dieses Talent als Schreiberin bei. Das haben nicht viele.

    • Mona Kuehlewind Oktober 26, 2015 at 20:14

      Lieben Dank für deinen Kommentar! Ohne jetzt irgendwie „angeben“ zu wollen, ja ich habe den Text selber geschrieben, genau wie alle anderen Texte auf meinem Blog. Falls ich einen anderen Text veröffentlichen würde, würde ich das dann auch sagen. Aber alle Texte sind von mir selbst. ICH DANKE DIR 🙂

  • thesecretly Oktober 26, 2015 at 18:38

    Nur ne kleine Randbemerkung noch. Du hast dich einmal verschrieben – vermute ich zumindest.
    Du hast im ersten Abschnitt, der von der Oma handelt, einmal „Mama“ geschrieben.
    LG Franzi

  • Jule Wech Oktober 27, 2015 at 0:03

    Danke für diesen Text !
    Ich lese ihn eher aus der Sicht der Mutter … der Mutter einer ebenfalls essgestörten Tochter … allerdings isst meine Tochter ständig … Deine Mutter , ich versteh sie gut … Mir , als Mutter , hat es auch immer weh getan , zusehen zu müssen , wie mein Kind sich verändert … wir Mütter wünschen uns für unsere Töchter ein schönes und erfülltes Leben … ein Leben , in dem es Freunde und Freude gibt … ein Leben , in dem es Liebe gibt , vielleicht auch ein Leben , das besser ist , als es das unsere war … wir wünschen unseren Mädels nur das Beste … und sind hilflos angesichts dessen , was unsere Töchter statt dessen aus ihrem Leben machen …
    Meine Tochter ist auch ausgezogen , um zu studieren und sie meistert ihr Leben , wie es halt in ihrer Kraft steht … sie nimmt seit Monaten ab … auch wenn davon noch nicht viel zu sehen ist … sie ist auf einem guten Weg und ich wünsche ihr , daß sie es schafft … genau , wie ich es auch dir wünsche …
    Mütter sind eine besondere Spezies … sie lassen ihre Mädels gehen , damit sie weiter wachsen können … aber auch aus der Ferne haben sie IMMER ein Auge auf ihre Mädels und ihr Wohlergehen !
    Ich wünsche mir nicht , daß meine Tochter wieder wird , wie sie mal war … ich wünsche mir , daß sie ein fröhlicher , zufriedener Mensch wird , der sein Leben liebt … nicht mehr , aber auch nicht weniger !
    Und genau das , wünsche ich dir auch !
    Ganz lieben Gruß
    Jule

    • Mona Kuehlewind Oktober 27, 2015 at 13:27

      Jule? Bitte, bitte bedank dich nicht bei mir für einen Text. Ich habe dir zu danken für deinen lieben und sehr offenen Kommentar. Ich bin wirklich sehr gerührt von eurer Geschichte aber ich glaube ganz fest an deine Tochter und an dich!
      Wenn ich dir eins raten kann, dann sei für deine Tochter einfach immer da. Ich spreche da ein bisschen aus Erfahrung. Meine Mama hat mir sehr sehr viel geholfen und tut es auch immer noch, allein aus dem Grund, dass sie immer für mich da ist. Das ist wirklich von einem unschätzbarem Wert!

      Liebste Grüße an Dich 🙂

  • WER hat eigentlich das RECHT dich zu VERLETZEN?! | THE SECRETLY Oktober 27, 2015 at 18:37

    […] dazu. Es ist ein Teil vom Leben. Einen großartigen Artikel dazu gibt es bei monakuehlewind über dieses Thema. Er diente mir als Inspiration – schaut dort unbedingt mal […]

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