Wir sind gleichgewichtsgestörte Menschen

Oktober 16, 2015

 

„Und ich dachte schon, dass ich die einzige bin, die Gleichgewichtsstörungen hat. Aber dann habe ich gesehen, dass auch sie die Balance verloren hat und ich konnte durchatmen.“

Das ich unter Gleichgewichtsstörungen leide, ist absolut nichts Neues. Schon als kleines Mädchen lachten die anderen Kinder mich beim Spielen aus, weil ich nie auf einem Fuß hüpfen konnte und immer umfiel. Hinkelkästchen-Spiele, Eierlauf-Spiele und Sackhüpfen verfluchte ich. Weil ich entweder von Kästchen zu Kästchen fiel, die Eier immer runterfallen ließ und beim Sackhüpfen noch vor dem Startsignal aus dem Säckchen purzelte.
Ich erinnere mich noch zu gut an die Kindergartenzeit, wie sie mich alle für meine nicht vorhandene Balance auslachten und ich weinend nachhause rannte und Mama voll Rotz und Wasser heulte „wie gemein doch alle seien“.
Im Alter nahm die Gleichgewichtsstörung immer mehr zu. Tanzen war die Horror. Kniebeugen und Ausfallschritte waren die Hölle und von Yoga wollen wir gar nicht erst anfangen.
In der Schule weinte ich dann nicht mehr „weil alle so gemein waren“, sondern „weil mich so niemals ein Junge haben will“.
Das dieser Punkt völlig albern war, stellte ich mit 14 Jahren dann fest, als ich meinen ersten Freund hatte, der mich trotz Gleichgewichtsstörung lieb hatte. Wir waren ein ganz süßes Paar. Er wusste es schon immer, bevor es passierte, bevor ich wieder das Gleichgewicht verlor, und rettete mich vor dem ein oder anderen großen Unglück. Zusammen lachten wir sehr viel, wenn ich wieder einmal die Balance verlor, in der Badewanne, in der Pfütze oder unterm Tisch landete. Irgendwann sah ich meine Probleme mit dem Gleichgewicht gar nicht mehr als „Störung“, sondern nahm es mit Gelassenheit und Humor.
Er und ich waren wirklich süß zusammen. Süß, aber noch viel zu jung und naiv für die große Liebe und somit trennten wir uns und gingen unsere eigenen Wege. Er ging für ein Auslandsjahr in den südlichsten Süden Afrikas und ich zog nach Hamburg.
So richtig schlimm wurde es aber erst hier mit dem Gleichgewicht. Ich sollte plötzlich mitten im Leben stehen, mit beiden Beinen. Allein. Bisher war immer Mama da, wenn ich das Gleichgewicht verlor, oder Papa, der mich auffing und Schlimmeres verhinderte.
Aber jetzt war ich allein. Kein Freund, keine Mama und kein Papa. Deshalb fiel es mir anfangs auch so schwer das Problem mit der Balance weiter mit Humor zu betrachten, aber irgendwann lernte ich andere Menschen kennen, die mir halfen.
Denn ungelogen: Zwei Hände reichen nicht aus, um zu zeigen, wie oft ich in der U-Bahn schon durchs halbe Abteil gestolpert bin. Wie oft ich mir bereits den Coffee To Go über die Hand geschüttet habe und wie viele Male ich schon mit dem Stuhl in der Uni umgekippt bin.
Aber ich habe hier liebe Menschen um mich herum, die mich in der U-Bahn weich auf ihren Schoss fallen lassen, die immer ein Taschentuch für Kafffeeflecken bereit halten und meistens den besorgten „Hast-du-dir-wehgetan-Blick“ parat haben.
Doch es gab eine Frage, die noch immer durch den Kopf umher kreiste und mir zeigte, dass es doch noch eine Grenze gab. Dass ich doch noch manchmal weinen möchte, weil ich wieder umgefallen bin. Dass ich doch lieber manchmal zu Mama rennen will und heulen mag, anstatt darüber zu lachen, mit den Anderen mitzulachen. Die Frage, warum ich meistens die einzige war, die durch die Bahn flog, bei Kniebeugen mehr mit dem Gleichgewicht, als mit der Anstrengung zu kämpfen hatte und auch beim Yoga viel mehr auf die Balance als auf das Entspannen konzentriert war, brachte mich immer wieder zum nachdenken. Gedanken, die jede Menge Selbstzweifel mit sich brachten. „Warum immer ich?“
Vor vier Tagen bekam ich einen Anruf. Es war ein sehr seltsamer Anruf. Die Person am anderen Ende der Leitung meldete sich ohne Name, nur mit einem leisen, kaum hörbaren „Hallo“. Die Person, am anderen Ende der Leitung, erzählte mir, dass ich sie ab jetzt nicht mehr erreichen könne, weil sie für einige Wochen eine Pilgerreise machen wolle. „Weit weg, um meine Balance zu finden“, sagte sie bloß und legte den Hörer wieder auf. Ich war mir sicher, dass es Melli war.
Ich verstand sie nicht ganz. Ich verstand nicht, warum Melli plötzlich ihre Balance finden wollte. Für mich war sie immer wie der Fels in der Brandung. Wirklich. Melli war richtig stark. Sie fiel nie um. Nicht ein einziges Mal. Sie machte Kniebeugen und Ausfallschritte ohne Probleme. In der Kindergartenzeit stellte sie sogar einmal einen Rekord im „Springseilspringen auf einem Bein“ auf. Und außerdem hatte ich Melli immer für dafür bewundert, dass sie beim Yoga so herrlich entspannen konnte. Melli war für mich einfach eine Frau die mit zweitem Vorname „Balance“ hieß. Umso geschockter war ich, als ich nun hörte, dass Melli, ausgerechnet Melli ihre Balance finden will. „Welche Balance, wenn sie doch immer gerade stand?“, fragte ich mich und begann mich mit dem Begriff „Pilgerfahrt“ auseinanderzusetzen. Für mich war eine Pilgerfahrt immer eine Art „religiöse Reise“, die Menschen machen, um irgendwo im nirgendwo anzukommen. In einem Kloster in Italien, einem Tempel in Ägypten oder auf einem Gipfelkreuz in Österreich. Das war für mich eine Pilgerreise. Irgendwo im nirgendwo ankommen. Und diese Annahme konnte ich absolut nicht mit Mellis Idee in Zusammenhang bringen. Deshalb erhoffte ich mir durch meine Recherchen eine andere Seite des Pilgers kennenzulernen. Vielleicht die Seite von der Melli erzählte. Und tatsächlich fand ich einen interessanten Artikel, der mich darauf hinwies, dass Menschen pilgern, um nicht irgendwo im nirgendwo zu landen, sondern irgendwo bei sich selber zu landen und somit sein inneres Gleichgewicht zu finden. „Inneres Gleichgewicht, innere Balance“, das war auch das, wovon Melli sprach. Melli sprach wohl nicht, wie ich, von dem körperlichem Gleichgewicht, sondern von einem Inneren. Ein solch „inneres Gleichgewicht“ war mir zuvor nicht bekannt. Ich dache zuvor, dass Gleichgewicht immer etwas physisches sei. Etwas, was vom Körper gesteuertes. Aber jetzt hörte ich plötzlich etwas von „innerem Gleichgewicht“. Und ich war mir sicher, dass Melli davon sprach. Ich wusste nicht, dass Melli so war. Genauso im Ungleichgewicht wie ich. Ihres war eben nur psychisch, nichts physisches, wie bei mir.
„Und ich dachte schon, dass ich die einzige mit Gleichgewichtsstörungen bin aber dann habe ich gesehen, wie auch sie die Balance verloren hat und ich konnte durchatmen.“
In den nächsten Tagen achtete ich mehr als sonst auf die Menschen und das Gleichgewicht. Ich sah mir ganz genau an, wie die Menschen in meinem Umfeld aussahen, wie sie sprachen, wie sie erzählten, wie sie lachten, wie sie weinten. Wie sie im Supermarkt einkauften, wie sie Brötchen holten und wie sie im Restaurant in die Pizza bissen, in der Suppe löffelten oder die Pommes in den Ketchup tunkten. In diesen Tagen merkte ich zum ersten Mal, dass ich wirklich nicht die einzige mit einer Gleichgewichtsstörung war. Und Melli auch nicht. Ich merkte zum ersten Mal, dass wir alle im Ungleichgewicht mit uns selber sind. Wir alle haben irgendwas, wo wir aus dem Gleichgewicht, aus der Balance geraten.
„Und ich dachte schon, dass ich die einzige mit Gleichgewichtsstörungen bin aber dann habe ich gesehen, wie auch sie die Balance verloren haben und ich konnte durchatmen.“
Im Unterricht beobachtete ich einige Mitschüler. Wie sie kaum abwarten konnten, dass der Lehrer endlich eine Frage stellte. Dass sie dann endlich ihren Finger in die Luft strecken konnten, am besten noch Schnalzen und Schnipsen durften oder ein „Ich weiß es“ in den Raum rufen konnten. Ich beobachtete meine Mitschüler, wie sie dem Lehrer antworteten. Manchmal viel zu kurz, manchmal viel zu lang. Manchmal erzählten sie halbe Romane und manchmal antworteten sie nichtmal mit einem vollständigem Satz. Ich beobachtete meine Mitschüler und stellte zum ersten Mal fest, dass sie unter einer Gleichgewichtsstörung litten.
Bei McDonalds beobachtete ich einige Frauen, Männer und Kinder. Wie die einen den Gartensalat bestellten (gibt es den überhaupt noch?!), Andere die große Packung Chicen Nuggets und/oder den Big Mac. Wie einige sich noch ein Eis gönnten und andere zum zwanzigsten Mal ihr Getränk nachfüllten. Ich beobachtete Kinder, die heimlich ein paar Pommes von Papa oder Mama klauten. Ich beobachtete Menschen, die ihr schlechtes Gewissen mit dem Spruch „zweimal im Jahr ist das o.k.“ beruhigten und dann nochmal richtig zuschlugen. Ich beobachtete die Menschen im McDonalds und stellte zum ersten Mal fest, dass sie unter einer Gleichgewichtsstörung litten.
Im Kaufhaus beobachtete ich Frauen, die mit vollgefüllten Tüten die Läden verließen. Wie sie nicht ein Paar, sondern vier Paar Schuh kauften. Wie sie mit der Kreditkarte ihres Mannes zahlten und dieser als „Taschenträger“ und „persönliche Kleiderstange“ herhalten musste. Ich beobachtete wie sie bei Schnäppchen zuschlugen und ganze vier Stunden im Sale verbrachten. Ich beobachtete, wie sie ins dritte H&M rannten und das siebte Schuhgeschäft ansteuerten. Ich beobachtete die Frauen im Kaufhaus und stellte zum ersten Mal fest, dass sie unter einer Gleichgewichtsstörung litten.
Im Supermarkt beobachtete ich Menschen, die ihre Einkaufswagen bis obenhin mit Lebensmitteln füllten. Wie sie endlos lange Einkaufszettel in den Händen hielten. Wie sie die halbe Obst- und Gemüseabteilung leer räumten. Wie sie die Süßwarenabteilung stürmten und sich in der Abteilung für Angebote die Köpfe einrannten. Wie sie an der Kasse standen und sich darüber beschwerten warum ausgerechnet heute alle den Wocheneinkauf machen mussten. Ich beobachtete die Menschen im Supermarkt und stellte zum ersten Mal fest, dass sie unter einer Gleichgewichtsstörung litten.
Und im Fitnessstudio beobachtete ich sowohl Männer, als auch Frauen. Wie sie stundenlang trainierten. Wie sie schwitzten, ein knallrotes Gesicht bekamen, nach Luft schnappten, pusteten und prusteten. Wie sie stöhnend die Gewichte in die Luft stemmten. Wie sie sich überschätzten und unter einer Langhantel lagen. Wie sie das Laufband zu schnell einstellten und runter flogen. Wie sie noch mehr schwitzten und noch mehr stöhnten. Wie sie sich noch mehr überschätzten, bis ihnen die Langhantel auf der Brust die Luft nahm und sie um Hilfe schrieen. Ich beobachtete die Menschen im Fitnessstudio und stellte zum ersten Mal fest, dass auch sie unter einer Gleichgewichtsstörung litten.
In diesen Tagen hatte ich sehr viel erfahren, sehr viele Menschen mit Gleichgewichtsstörungen gesehen. Menschen die beim Reden, beim Einkaufen, beim Sporteln oder beim Essen aus der Balance gerieten. Menschen, die genauso „gleichgewichtsgestört“ waren wie ich. Und wie Melli.
„Und ich dachte schon, dass ich die einzige mit Gleichgewichtsstörungen bin aber dann habe ich gesehen, wie auch sie die Balance verloren haben und ich konnte durchatmen.“
Von Melli hörte ich lange Zeit gar nichts. Aber gestern meldete sie sich wieder bei mir und Sprach mir auf den Anrufbeantworter, dass sie jetzt dort bleiben würde, wo sie jetzt sei. Sie habe zwar ihre inneres Gleichgewicht noch nicht gefunden, aber sie sei jetzt glücklich und das sei ihr wichtiger.
Mellis Nachricht spielte ich noch einige Male ab, weil sie so schön war, so glücklich und zufrieden klang.

„Und ich dachte schon, dass ich die einzige mit Gleichgewichtsstörungen bin aber dann habe ich gesehen, wie auch sie die Balance verloren hat, das sie aber glücklich ist und das viel wichtiger ist. Ich konnte durchatmen und auch glücklich sein.“

14 Comments

  • smamap1 Oktober 16, 2015 at 21:57

    ….. und dann gibt es noch diejenigen, die wirklich Gleichgewichtsstörungen haben. Bei denen von heute auf morgen das Gleichgewicht nicht mehr das war, was es einmal gewesen war. Die dann realisieren, dass das, was einmal das Normalste auf der Welt war, plötzlich unheimlich viel Kraft erfordert. So viel Kraft, dass für andere Dinge nichts mehr übrig bleibt.

  • hansjoachimantweiler Oktober 17, 2015 at 8:51

    Schwebende Seiltänzerin Mona,

    Ich habe enige Jahre mit MS Kranken gearbeitet.Schwanken Zittern Rollator Rollstuhl
    Die Welt ist aus dem Gleichgewicht
    Alle Guten Dinge sind drei sagt der Volksmund
    Wille Fühlen und Denken
    Es herrscht zu viel Widerwille Unwille und Willenslosigkeit
    Auch Gier maßloser Wille
    Dann ist das Denken meist ein Intellektualisieren
    Denken ohne Gefühl rein zweckorientiert funktionalisiert mechanisch rational berechnend
    Und um Gleichgewicht zu halten zu vermitteln fehlt oft das reine Hezensfühlen
    Wir hören Ich treffe meine Entscheidungen aus dem Bauch heraus
    Seltener aus dem Herzen
    Auf dem Berg Golgatha standen drei Kreuze
    Der Linke Verurteilte sprach zynisch lästerte höhnte
    Der Rechte Schächer dachte über sein Leben nach fühlte die Gebrochenheit bereute
    und vergab Seinem Schicksal verzieh Sich letztendlich
    Das mittlere Kreuz trug einen Menschen Jenen Geist höchsten Mitgefühls
    Nicht das klebrige Mittleid wie ach Ihr Armen Würstchen
    Ein Begreifen klarster Bewusstheit
    Die Welt ist aus den Fugen konnte Ich schon öfter in Gesprächen vernehmen
    Herzverloren herzvergessen ist die Menschheit eine stolpernd schwankende
    Selbst die Pole wandern derzeit rasch und das Erdmagnetfeld schwächt sich ab
    Alles ist in Bewegung heimatlos unbehaust auch in Villen reich und schön
    danke
    Dir, Joachim von Herzen
    Sternzeichen Waage
    In der Mitte liegt Ihr Ausgleich

  • sternfluesterer Oktober 17, 2015 at 9:31

    Ich habe Deinen Eintrag schon gestern Avbend gelesen. Und wieder einmal war ich fasziniert. Wie schön und wie zutreffend Du die Brücke vom körperlichen zum seelischen (zum inneren) Gleichgewicht gebaut hast!

    Menschen die innerlich weitgehend im Gleichgewicht sind, bewundere ich zutiefst. Denn sie sind ja den Wirren des Weltgeschehens, den vielen Unwägbarkeiten, den Dingen die Angst machen und Herausforderungen darstellen zumeist in ähnlicher Weise ausgesetzt wie wir. Und dennoch bleiben sie ausgeglichen, können zumeist sehr überlegt handeln, auf der Basis differenziert entwickelter Gedanken.

    Ja, es mag, es wird so sein, dass bei manchen dieser Menschen mehr äußerlich gezeigte und wahrnehmbare Ausgeglichenheit da ist als inneres Gleichgewicht. Diese Menschen werden es schwer haben, glücklich zu sein. Nicht zu reden von jenen, die ihre Seelenschwankungen ständig so sehr spüren, ungeachtet allen Bemühens, nicht etwa „cool“ aber doch so ausgeglichen zu denken und zu handeln, dass sie es nicht vermögen, etwas im erstrebten Sinne anzusprechen oder gar zu bewegen. Letztlich auch für sich selbst nicht.

    Als Du von Melli schriebst, dass sie nun glücklich sei, ohne ihr inneres Gleichgewicht gefunden zu haben, da wollte und konnte ich nicht glauben, dass das möglich sein könnte: Ohne inneres Gleichgewicht wirklich glücklich zu sein. – Und ich bin ganz ehrlich, liebe Mona: Ich glaube es bis jetzt nicht und werde es wohl nie glauben können.

    Für mich geht das nicht, KANN das nicht so sein. – Kaum jemand wird wohl bestreiten, dass es vollkommenes oder stetig andauerendes Glück, zumindest in höchster Ausprägung, nicht gibt. – Und meiner Ansicht ist das deshalb so, weil kein Mensch ständig in vollkommenem inneren Gleichgewicht zu sein vermag. – Auch das ist bei aller Ausgeglichenheit, die einem Charakter eigen sein mag, nicht möglich. Dazu sind die Einflüsse, die Umwelt, die Menschen, die mit all dem einher gehenden immer wieder neuen und wechselnden Harausforderungen, viel zu vielfältig und insgesamt viel zu komplex.

    Jeder Mensch muss sich ihnen entsprechend immer wieder neu ausrichten, immer wieder neu ein möglichst stabiles Gleichgewicht finden. –

    Der Vorteil mancher Menschen mag freilich sein, dass sie insoweit schon auf einem recht sicheren Fundament stehen. Diese Menschen werden dann mehr mit sich im Reinen sein, die Welt, die ständig neuen Anforderungen ausgehend von einer Grundgelassenheit (nicht Gleichgültigkeit!) betrachten können, und das als relativ beständigen Glücksumstand verstehen und empfinden.

    Die Melli ist insoweit womöglich innerlich schon viel weiter als sie selbst zu erkennen vermag – es kann eigentlich nicht anders sein.

    Ich wünschte ich wäre schon so weit wie sie.

    Soweit meine Gedanken zu Deinem Eintrag, möglicherweise sind sie diesmal ein bisschen kontrovers zu den Deinen. Sie haben, wie immer keinen Anspruch auf „Richtigkeit“. Aber vielleicht sind sie ja doch anregend für Dich, jemanden, der, bitte, immer rechtzeitig aufgefangen sein soll.Das ist mein Wunsch für Dich, solange er nötig ist. Der größere, der dahinter stehende ist der nach innerem Gleichgewicht. Für Dich!

    Ganz liebe Wochenendgrüße, liebe Mona!

    (Dein Text war für mich übrigens inspirierend, weil er in mir eine Idee für einen Sinnspruch entstehen ließ. Auch er kann/wird vielleicht zu Kontroversen anregen. Ich denke, Du wirst ihn, in einem meiner nächsten „Sammelsurien“, welches „Sprüchlein“ enthält, entdecken können.)

    • Mona Kuehlewind Oktober 17, 2015 at 13:28

      Ich danke Dir für den kleinen Ausflug in deine Gedanken und deine Gefühle. Es ist schön zu lesen, dass es Menschen gibt, die sich so viele Gedanken über sich selber machen. So wie du. Ich mag solche Menschen. Denn sind wir mal ehrlich, wer stellt sich heute überhaupt noch die Frage, ob man im Gleichgewicht steht oder nicht? Ich habe das ja versucht aufzuzeigen, indem ich über die Menschen im McDonald, im Fitnessstudio oder beim Einkaufen schrieb. Die meisten Menschen kümmern sich nicht, um sich selbst. Und das ist schade. Finde ich. Aber vielleicht ist es auch besser, weil sie weniger denken und einfach tun. Vielleicht mag ich die solchen lieber, die wie ich sind, weil ich mich dann bestätigt fühle, indem ich gezeigt bekomme, dass das was ich tue richtig ist. Und vielleicht mag ich die Anderen dann weniger, weil sie mir zeigen, wie es eigentlich richtig ist. Vielleicht zeigen die anderen mir, wie auch Melli, dass es gar nicht darum geht irgendeine Balance zu finden, sondern das es nur darum geht, glücklich zu sein.
      Ich bin deiner Meinung. Aber ich will glücklich sein und das was Melli sagt, das Glück was sie empfindet, geht auch ohne Balance. Auch wenn es für mich schwer ist zu glauben, hoffe ich, dass ich auch bald so wie Melli bin. Vielleicht kann ich es auch noch nicht glauben, aber vielleicht kann man wirklich auch ohne Balance glücklich sein … Ich weiß es nicht. Aber ich werde es probieren und dir berichten.
      Ich freue mich auf deine nächsten Texte, sehr.

      Alles Liebe und ein schönes Wochenende,
      Mona

  • gelberstrumpf/Diana Oktober 17, 2015 at 11:15

    …kommen diese „Gleichgewichtsstörungen“ sobald es aufhört von Außen geliebt zu werden ?,…
    Es nie wirklich Liebe gab,oder diese gezeigt wurde,unsicher wird dass man selbst nicht glaubt überhaupt liebenswürdig zu sein? Ist es wirklich ein körperliches Gebrechen oder Angst von Ablehnung? Fühlen das man anders ist und merkt das selbst die nächsten Familienangehörigen einen überhaupt nicht verstehen oder nicht nachempfinden können warum man so gerade tickt. Warscheinlich ein Leid bis ins hohe Alter sofern man nicht diese bedingungslose Liebe bekommt die einen groß macht.

    • Mona Kuehlewind Oktober 17, 2015 at 13:18

      Fragen über Fragen, die auch ich mir sehr oft gestellt habe, während ich diese Geschichte geschrieben habe. Und ich glaube, dass wir diese Fragen niemals beantworten können und ob die Liebe ein „Ungleichgewicht“ ausgleichen kann, mag ich zu bezweifeln … Ich glaube, dass wir immer ein bisschen im Ungleichgewicht stehen. Wir müssen einfach nur lernen damit umzugehen und versuchen damit klarzukommen. Und das können wir alle schaffen. Wir können und müssen 🙂

  • vigiliusanimi Oktober 18, 2015 at 0:09

    Wunderbar lebendige Sprache!

  • mandaybyday Oktober 19, 2015 at 12:38

    wow … deine Worte und Zeilen berühren – smile – ich glaube, das bringt für den einen oder anderen ein Stück „Gleichgewicht“ ….
    DANKE

  • psychohummanist Oktober 27, 2015 at 11:05

    Interessant, wie weit man das Wort „Gleichgewicht“ umfassend interpretieren kann und dabei das anhängende Wort „Störung“ gut als Beispiel dient. Da will Einer mal sagen, unsere Sprache wäre nicht vielseitig *daumen hoch*

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