Zwei Kartoffeln zu viel und sie gehörte dazu

August 30, 2015

Ich möchte euch heute von einer Frau erzählen.

Noch bevor sie am Morgen die Augen öffnet, sich räkelt und streckt und laut gähnt, fährt sie mit den Fingern über ihren Bauch. Die Hüftknochen sind noch zu spüren. Alles okay.

Während andere bereits an ihr Frühstück denken, denkt sie darüber nach, ob sie sich heute morgen auf die Waage stellen soll. Sie hat Angst, dass sich die zwei Kartoffeln, die gestern zu viel auf ihrem Teller lagen, sich auf der Waage bemerkbar machen.

Der Gedanke an eine andere Zahl auf der Waage bereitet ihr ein Grummeln im Magen. Eine Nachkommastelle zu viel und sie würde sicherlich zu den „Dicken“ gehören. 48 Kilo sind definitiv genug.
Eigentlich wollte sie die Kartoffeln doch auch gar nicht mehr essen. Aber ihr Hunger war zu groß. Sie hatte schon immer den guten alten Magen eines Elefanten. Anstatt den üblichen 250g Kohlenhydraten, waren es dann gestern 264g. 14g zuviel. Ob es ihr die Waage heute nochmal verzeihen würde?
Trotz Angst entscheidet sie sich für die Waage und gegen die Angst. Sie öffnet die Augen und tapst zum Spiegel. Das „tapsen“ fällt ihr schwer. Sie fühlt sich unwohl, irgendwie dick. Dicker als gestern. Aus Scham verdeckt sie mit den Händen ihren dicken Bauch. Vor dem Spiegel lässt sie die Hände fallen und fängt an zu posieren. Sie betrachtet sich von allen Seiten.

Das ist schon Routine. Manchmal macht sie auch noch ein zwei Fotos und vergleicht sie mit älteren Bildern. Nur um zu sehen, ob sich nicht doch irgendwo ein neues Fettpölsterchen versteckt hat.
Als sie sieht, dass die Hüftknochen noch zu sehen sind und die Lücke zwischen den Beinen noch da ist, steigt ihre Laune wieder. Sie fühlt sich schon besser. Irgendwie leichter, gar nicht mehr so dick. Nur noch ein bisschen.

Auf dem Weg Richtung Bad überkommt sie ein unheimlicher Durst. Ihr Hals ist trocken. Aber sie will nichts trinken. Sie darf nicht. Nicht bevor sie nicht auf der Waage stand. Nur mit nüchternem Magen geht’s auf die Waage. So nüchtern wie nur möglich.

Aus diesem Grund geht sie noch einmal auf die Toilette. Dann noch einmal. Und ein drittes Mal. Sie steckt sich die Zahnbürste zwischen die Zähne und fängt an zu putzen. Dabei tänzelt sie ein bisschen durch die Wohnung, um noch ein paar Kalorien zu verbrennen. Dabei versucht sie natürlich so wenig wie möglich von der Zahnpasta runterzuschlucken. Sind ja alles Kalorien, stimmt’s? Fünfzig Jumping Jacks, vierzig Kniebeugen und noch dreizig Situps und sie ist bereit. Oder? Irgendwas fehlt doch noch. Ah genau, sie spuckt noch ein paar Mal ins Waschbecken, um noch ein bisschen Flüssigkeit zu verlieren. Das Haargummi noch aus den Haaren, die Brille von der Nase, der Bindfaden ausgezogen und sie ist bereit. Bereit für die Wahrheit. Die Wahrheit nach zwei Kartoffeln zu viel. Sie kneift die Augen zusammen und steigt auf die Waage.

1 Sekunde, 2 Sekunden, 3 Sekunden. Sie öffnet die Augen.
48, 6. Scheiße. Scheiße. SCHEIßE.

Sie ist fett. Sie gehört jetzt zu den „Dicken“. Sie ist dick geworden. Noch dicker.
Tränen kullern bereits ihre Wangen runter und hinterlassen eine salzige Spur. Sie fühlt sich auf einmal so kraftlos. Sie denkt darüber nach noch einen zweiten Versuch zu starten und sich noch einmal zu wiegen. Vielleicht an einem anderen Ort. Vielleicht mit einem anderen Untergrund. „Ja genau, das ist die Idee.“ Sie klemmt sich die Waage unter den Arm und huscht ins Wohnzimmer. Anderer Ort, anderer Untergrund, neues Glück, oder?

Wieder schließt sie die Augen und steigt auf die Waage.
1 Sekunde, 2 Sekunden, 3 Sekunden. Sie öffnet die Augen.
Scheiße. Scheiße. SCHEIßE. 48,6.

Sie ist fett. Sie wird auch für immer fett bleiben und zu den „Dicken“ gehören.
Sie wird ab sofort zu den Leuten gehören, denen man am Dessertbuffet den Löffel reicht, anstatt ihnen an der Salatbar platz macht. Sie wird zu den Leuten gehören, die in der Sportabteilung mit kritischen Blicken angeschaut werden, anstatt mit offenen Armen begrüßt zu werden. Und beim Bäcker wird man ihr nun die Mahnschnecken und Nussecken empfehlen, anstatt Vollkorn- und Roggenbrötchen. Und zum Geburtstag? Da wird man ihr nun Schokolade, Gummitiere und andere Süßigkeiten schenken, als Eiweißriegel. Sie wird ab heute ein anderer Mensch sein. „Fitness Junkie und Healthy Food Lover“ nennt sie sich noch in der Öffentlichkeit. Doch wie lang wird sie diesen Namen noch tragen können, ohne das sie schief angeschaut wird? Wie lange wird sie noch verheimlichen können, dass sie dick geworden ist? Vermutlich keine drei Tage. Oder etwa doch?Einen Plan hat sie natürlich schon. Erst einmal kramt sie die dicken Pullover und die alte Jogginghose raus. Als die Nachrichtensprecherin im Radio 30 Grad ankündigt, hört sie einfach weg. Im langen Pullover und Jogginghose lässt sich das Fett eben am besten verstecken. Und was muss das muss.

Weil die 600g auch wieder verschwinden müssen, und zwar schleunigst, entscheidet sich für drei Tage „low carb“. Brokkolimatsch und Hähnchen soll wieder zu ihrem besten Freund werden.
Das würde sowieso niemandem auffallen. Wen interessiert das schon, ob sie nur noch eine halbe oder fünf Kartoffeln auf dem Teller hat. Richtig, niemanden. Erstens war sie allein und zweitens war sie jetzt ja eh dick.

Was sie zu diesem Zeitpunkt aber vergaß: Sie hatte immer noch den Magen eines Elefanten.
Nach einem Tag „low carb“ griff sie am nächsten Morgen wieder zu Haferflocken und Obst. Und zum Mittag gab’s auch wieder Reis. Und am Abend sogar Vollkornbrot.
Allerdings versteckte sie sich drei Tage lang in Pullover und Jogginghose und setzte lediglich den Fuß vor die Tür, um das Fitnessstudio zu besuchen.
Drei Tage lang lebte sie nun wie ein „Dicker“.

Am Morgen des dritten Tages, es war ein Sonntag, traute sie sich zum ersten Mal wieder auf die Waage. Normalerweise tat sie das jeden Tag. Und siehe da, 48,0. Sie war wieder dünn. Sie fühlte sich mit einem Schlag schlank, fit und pudelwohl. Sie spürte auch wieder ihre Hüftknochen. Alles war wieder okay. Sie konnte wieder T-Shirts und kurze Hosen tragen. Endlich konnte sie es wieder wagen die Salatbar eines Restaurants anzusteuern. Sie konnte sich die neue Sporthose kaufen, für die sie nun zwei Monate gespart hatte und den Bäckerladen mit Vollkornbrötchen verlassen. Und auf ihren Geburtstag konnte sie sich wieder freuen, weil sie dann endlich neue Eiweißriegel bekommen wird.

Weil sie wieder so glücklich war, so dünn war, schoss sie gleich ein Selfie in kurzer Hose und bauchfreiem Top, fügte noch ein paar coole Effekte hinzu und postete es auf Facebook.
Eine Minute später und sie las den ersten Kommentar unter ihrem Selfie: „Ich will auch so dünn sein wie du.“
Die Frau war unheimlich glücklich.

Was allerdings niemand wusste und weiß: Die Frau hat eine Essstörung. Ihre Essstörung ist nicht sichtbar. Sie ist nicht Machtsüchtig, denn dafür ist ihr Magen zu groß. Sie ist auch nicht Übergewichtig, denn dafür ist ihre Lebensstil einfach zu gesund. Doch hätte sie nicht den Magen eines Elefanten, dann würde alles anders aussehen. Ihre Essstörung spielt sich ausschließlich in ihrem Kopf ab. Der Gedanke an Kalorien, Kohlenhydrate, Fette und Proteine lässt sie nicht los. Man könnte meinen ihr Gehirn besteht zu 70% aus Zahlen. Aus Grammangaben und Kilokalorien. Könnte sie diese Zahlen auch nur mit der Mathematik und Physik in Verbindung bringen, anstatt mit sämtlichen Nährstoffen und dem eigen Körpergewicht, wäre sie wahrscheinlich der nächste Einstein. Weil niemand ihre Essstörung sehen kann, bekommt sie keine Hilfe. Ihr einziger Anker ist sie selbst. Sie muss jetzt nur stark sein, den Anker werfen und sich dann Schritt für Schritt daran hochziehen.

Den ersten Schritt hat sie auch schon geschafft.

„Der erste Weg zur Besserung ist die Einsicht“, schreibe ich heute in mein Tagebuch und lege es mit positiven Blick in Richtung Zukunft beiseite.

ICH SCHAFFE DAS.

42 Comments

  • Alice Wunder August 30, 2015 at 14:34

    Zuerst: Schönes neues Layout. Die Bikini-Fotos waren zwar schärfer und in der S/W-Optik super inszeniert, Gestaltung&Präsentation kannst Du mal echt gut. Aber so jetzt wirkt’s ehrlicher, persönlicher.
    Zum Beitrag:
    Mich gruselts, weil ich so gern esse. Folgendes las ich mal irgendwo, finde es klingt plausibel: Rein biologisch sind bei uns Menschen die Männlichen das Prachtgeschlecht. Groß, stattlich, die mit ihrer Schönheit prahlen,sie kämpfend zur Schau stellen und darob von den weiblichen ausgesucht werden. Gesellschaftlich-Kulturell war das bei uns wohl bis zur französischen Revolution so. Wer hat denn hohe Absätze, prächtige Perücken, Schminke und Schmuck getragen? Seit dem aber sind Männer glanzlose Ritter im einheitlich-bürgerlichen Tarnanzug und die Mädels sollen für alles schöne und prachtvolle zuständig sein. Wenn da wer dran zerbricht, will die Gesellschaft das wohl so. Oder es ist ihr egal…
    Viel Erfolg beim Ankommen in der Erwachsenen-Welt. Du wirst das gut machen. Das meiste ist eh nur Show und da steckst du sie alle in die Tasche!

    • Mona Kuehlewind August 30, 2015 at 22:18

      Herzlichen Dank für deine lieben Worte. Den Auszug, den du zitierst klingt wirklich sehr plausibel, leider … Aber wir müssen der Wahrheit ins Auge blicken. Sich zu verstecken bringt gar nichts. Deshalb gehe ich damit auch offen um. Angst habe ich nicht. Wovor auch? Wenn es brenzlich wird, schauspielert man eben ein bisschen, denn wie du schon sagtest „das Meiste ist eh nur Show“. Alles Liebe und liebste Grüße 🙂

  • Der Typ von FoodLoaf August 30, 2015 at 15:01

    Irgendwie will man am liebsten anfangen zu heulen wenn man das liest. und zu folgendem: „Was allerdings niemand wusste und weiß: Die Frau hat eine Essstörung.“ Das war ziemlich schnell klar. In der Soziologie/Psychologie gibt es etwas, was man „Projektion“ nennt. Dabei wird etwas „schlechtes“ eine schlechte Eigenschaft von jemandem, oder Verhalten einer anderen (z.B. dritten) Person zugedichtet, um es an dieser verurteilen, zu verneinen, ablehnen zu können. Dann braucht man sich selbst nicht so tadeln und kann es an dieser „anderen“ Person machen. „Man, die ist voll irre, gut dass ich das Problem nicht habe“ Wenn man das tut, was meiner Meinung nach der Autor obigen Textes ebenfalls tut, ist das ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Denn man weiß was man tut, sprich projeziieren, und dass die dritte Person „krank“ ist und Hilfe braucht, also man selbst. Dies zu „Einsicht ist der erste Schritt“.

    • Mona Kuehlewind August 30, 2015 at 22:22

      Schöne, gut nachvollziehbare und ehrliche Worte! Danke dafür.
      Ich kann deinen Worten auch nur recht geben. Sich selber zu „projizieren“ bedeutet auch für mich, dass man bereits seine Schwächen erkannt hat. Der Fehler ist eben nur die Projektion an sich. Das man den Fehler im Grunde genommen sieht, aber ihn nicht sehen will und ihn deshalb „abschiebt“. Dennoch ist es schon mal ein guter Schritt den Fehler erkannt zu haben! Da hast du vollkommen recht 🙂

  • Ben Froehlich August 30, 2015 at 23:16

    Ich ziehe meinen Hut vor deiner Offenheit. Diese Ehrlichkeit ist übrigens nicht nur für Dich wichtig, sondern auch für uns Leser, die ohne diesen Einblick meist nicht die geringste Vorstellung davon hätten, was da so für Gedanken und Rituale ablaufen. Es hilft mir zu verstehen. Vielen Dank dafür. Ich drücke Dir die Daumen und werde Dir hier auf Deinem Wege ein wenig folgen und verstehen lernen.

  • Der Typ von FoodLoaf August 31, 2015 at 6:31

    Der „Daumen hoch“-Knopf fehlt! Den kriegst du jetzt eben geschrieben für deine Antwort 😉 Und du hast recht, klar ist projezieren nciht perfekt, aber eben wie du selbst sagst, besser als zu meinen, alles sei gut. Und ich weiß, dass der dieser Person selbst klar ist, aber glaube den Worten eines Biochemikers: von 14 g Kartoffeln „zu viel“, 600 g zunehmen ist einfach physiologisch unmöglich 😉 Aber wenn der Essgestörte immer der Logik folgen würde, wäre ja alles gut. „Wenn“.

  • Alina August 31, 2015 at 11:33

    Vielen Dank für deine Ehrlichkeit zu allererst, es erfordert sehr viel Mut so etwas zu bloggen! In der letzten Zeit hatte ich ebenfalls mit den selben Gedanken zu kämpfen und deswegen kann ich dir versichern: Einsicht ist wirklich der erste Schritt zur Besserung! An einem Tag fühle ich mich zu dünn und haue richtig rein, am nächsten Tag bereue ich es schon wieder und sehe überall Fettpolster. Aber denke immer daran: gesund sein heißt sich wohlfühlen! Ich bin mir sicher du schaffst es, die Gedanken loszuwerden :-*

    • Mona Kuehlewind August 31, 2015 at 22:44

      Liebe Alina, ganz ganz lieben Dank auch für deine Offenheit und dein Vertrauen! Ich glaube einfach, dass es uns hilft, mit unseren Gedanken offen umzugehen. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, sie beim schreiben ein bisschen loswerden zu können. Als könnte ich die „bösen Gedanken“ an das Blatt Papier abgeben.
      Sei einfach offen, hab Vertrauen, aber nicht zu viel, und versteck dich nicht! Dann schaffst du das auch. Alles Liebe und ganz viel kraft an dich, du packst das <3

  • tagebuchschreiberin August 31, 2015 at 15:48

    Jap, kenne ich auch alles leider. Das hast du wirklich gut in Worte ausgedrückt!

    Um noch ein bisschen Humor aus der Sicht einer weiteren Betroffenen hineinzubringen: bei den Sätzen musste ich schmunzeln: „Könnte sie diese Zahlen auch nur mit der Mathematik und Physik in Verbindung bringen, anstatt mit sämtlichen Nährstoffen und dem eigenen Körpergewicht, wäre sie wahrscheinlich der nächste Einstein.“
    Manchmal habe ich das Gefühl, ich kann durch die ganze Rechnerei aber sogar besser Kopfrechnen. 😀 (Mickriger Trost)

    Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg der Besserung. Du schaffst das!

    • Mona Kuehlewind August 31, 2015 at 22:41

      Herzlichen Dank für den lieben Kommentar! Ich habe es eben schon einmal in einem Kommentar gesagt „es ist schön zu hören, dass es Menschen gibt, denen es genauso geht, die einen irgendwie verstehen. Aber gleichzeitig ist es auch unheimlich traurig und erschreckend.“
      Ich glaube aber es hilft uns, damit offen umzugehen.
      Und ja, wie ein kleiner Einstein fühle ich mich zumindest beim Kopfrechnen auch manchmal 😀 dir weiterhin auch alles gute und ganz ganz viel Kraft! TAUSEND DANK für deine Worte <3

      • tagebuchschreiberin August 31, 2015 at 23:06

        Ja, es tut tatsächlich gut offen damit umzugehen. Jedenfalls für mich öffentlich zu schreiben. So ganz offen konnte ich noch nicht sein.

        Und wir schaffen das durchzustehen! 🙂

        • Mona Kuehlewind September 1, 2015 at 7:56

          So geht es mir auch. Das schreiben fällt mir einfach, aber darüber zu sprechen .. Na ja, „aller Anhang ist schwer“ 🙂

  • smallbutnice August 31, 2015 at 17:21

    Liebe Mona,
    es ist erstaunlich, wie sehr ich mich selbst in deinem Text wiedergefunden habe. Mit ein paar Unterschieden. Ein wesentlicher: Ich wiege keine 48, sondern 58-60 (sehr schwankend über das Jahr)…
    Ich wache am Morgen auf und ertaste meinen Bauch. An allen anderen Stellen sind mir meine Fettpolster sogar ziemlich egal… nur nicht am Bauch. Ständig ziehe ich den Bauch vor dem Spiegel ein, drehe mich, blicke an mir herunter. „Gestern war der aber noch dünner, oder?“
    Und dann gibt es noch solche Tage an denen ich denke: „Ja, gut. Ich habe Rundungen. Na und? Trotzdem bin ich NICHT dick!“

    Aber häufig fällt das schwer. Sehr sogar. Vor allem, da ich vor ein paar Jahren noch 15 Kilo mehr auf die Waage gebracht habe … Inklusive dem ganzen Mobbing rings herum…
    Und genau das ist das richtige Stichwort: die WAAGE.
    Diese Zahl, die da steht, sagt so gar nichts aus! Muskeln sind ja auch schwerer als Fett! Und Gewichtsschwankungen können durch Flüssigkeiten, etc. entstehen…

    Wieso haben wir dann so ein großes Problem mit dieser blöden Zahl? Wieso können Ziffern unseren Tag ruinieren, und sogar unsere Laune verschlechtern?

    Meine Antwort: Die Gesellschaft in der wir leben hat uns zu diesem Standpunkt gebracht. Als Vorbild gelten unglaublich schlanke, ja häufig schon fast magere Models, die auf Laufstegen, im Fernsehen oder auf Plakaten zu sehen sind. Und wir können nichts anderes machen, als dieses Ideal zu übernehmen … Weil es in unsere Köpfe reingebrannt wurde… Weil dieses Bild allgegenwärtig ist.

    Ich finde, du hast es überhaupt nicht nötig, dich dick zu fühlen. Vielleicht solltest du dich eine Weile nicht auf die Waage stellen und nur auf dein Gefühl vertrauen. Fühle ICH mich wohl? Das ist die entscheidende Frage.
    Denn genau das ist das Geheimrezept: Sich selbst zu mögen, zu akzeptieren.

    Wenn du selbst von dir überzeugt bist, dich gut fühlst, dann werden das Andere auch so sehen, weil deine Ausstrahlung das wichtigste von allem ist.
    Und auch, wenn du dich in Jogginghose und Pullover wohl fühlst an solchen Tagen – andere, die dich sehen, werden sich so viel eher fragen, ob du was zu verstecken hast.

    Mit einer positiven Ausstrahlung würde nie jemand auch nur auf die Idee kommen, irgendetwas derartig absurdes zu denken …

    Ich weiß, es ist schwer und ich schaffe das auch nur selten … Aber es ist nun mal ein Prozess. Und irgendwann wird es uns überhaupt nicht mehr stören. Damit meine ich jetzt nicht, dass wir dann essen, was wir wollen und uns auch Gewichtszunahmen egal sind. Ich meine damit, dass uns Schwankungen von 1 Kilo nicht mehr gleich aus der Bahn werfen werden.

    Entschuldige, dass der Kommentar so lang geworden ist. Aber dein Text hat mich zum Nachdenken angeregt…

    • Mona Kuehlewind August 31, 2015 at 22:37

      Hallo du Liebe! Eins musst du mir gleich zu Beginn versprechen: bitte entschuldige dich niemals bei mir für einen „zu langen“ Kommentar. Ich freue mich immer über Post, egal ob lang oder kurz. Ich danke dir für deine Offenheit und dein Vertrauen. Irgendwie ist es ein schönes Gefühl zu wissen, dass es Menschen gibt, die dasselbe durchleben, denen es ähnlich geht und die genau wissen, was gemeint ist. Andererseits ist es aber auch unheimlich bromhaltiges und traurig. Aber wenn wir und alle ein Stück öffnen, einfach mal öfter „ja“ anstatt „nein“ sagen, sei es zu dem Stück Schokolade oder der Antwort auf die Frage „gehst du offen mit deinen Problemen um?“, würde es uns allen viel besser gehen! Genau wie Nachrichten versucht werden mit aller Welt zu teilen, müssen wir stark sein, unseren mut zusammennehmen und offen damit umgehen. Damit helfen wir und, aber auch denen, denen es ähnlich geht. ZUSAMMEN SIND WIR STARK!
      Nochmals danke für deine lieben, sehr bewegenden Worte. Alles liebe und ganz ganz viel kraft und mut an dich <3

      • smallbutnice September 1, 2015 at 16:22

        Vielen Dank. 🙂
        Nun habe ich noch zwei Fragen an dich, die nicht zu dem Thema passen … Du hast auf deiner Seite oben ein Menü, bei dem man direkt auf deine Lebensgeschichten oder Fitnessgeschichten, etc. gelangt. Wie hast du das eingerichtet?
        Ich habe bei mir ein Menü mit den Kategorien angelegt und meine Texte dann unter den Kategorien gespeichert. Wenn ich aber auf der Seite selbst auf die Kategorie klicke, erscheint der Text nicht, sondern nur auf der Hauptseite…

        • Mona Kuehlewind September 1, 2015 at 16:27

          Ich verlinke meine Beiträge immer direkt mit der Kategorie. Also bevor ich den Beitrag poste, wähle ich links die Kategorie aus, in der der Beitrag erscheinen soll. Probier das mal aus, das müsste funktionieren 🙂

          • smallbutnice September 1, 2015 at 17:20

            Das habe ich auch schon gemacht und dann kommt da nichts … Deswegen verzweifle ich etwas daran.. 😀 Aber ich werde das schon noch herausbekommen… Vielleicht findet sich ganz tief in mir ja ein kleiner Sherlock …:) Danke für deine Antwort!

          • smallbutnice September 1, 2015 at 20:18

            Jetzt habe ich es geschafft … 🙂

  • JanJan September 5, 2015 at 17:12

    Ein wirklich sehr schön geschriebener Text, den man mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt. Auch, wenn ich persönlich lange diese Zeit hinter mir gelassen habe, kann ich mich noch ganz genau an DIESE gleichen Gefühle und Gedanken erinnern. Schon der Gang zur Waage machte mitunter panisch und das Ergebnis bestimmte den Rest des Tages (eine Tatsache, die sich leider nie ganz verloren hat).
    Danke für’s teilen, vermisse etwas den Like Button 😉

    • Mona Kuehlewind September 5, 2015 at 20:04

      Guten Abend, du Liebe 🙂 vielen Dank für den netten Kommentar, den auch ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge lesen muss. Einerseits freue ich mich über jeden Kommentar und jede Rückmeldung, aber andererseits macht es mich etwas traurig zu lesen, dass du diese Gefühle kennst .. Ich wünsche dir aber weiterhin alles Gute! Der Button wird bald wiederkommen. Liebste Grüße <3

  • Grünzeug September 7, 2015 at 7:41

    Hey Mona,
    ich finde deinen Text sehr schön geschrieben und wunderbar ehrlich. Respekt, dass du so mutig bist, da kann ich mich meinen Vorredner*innen nur anschließen. 🙂 Ich kann außerdem gut nachvollziehen, wie es dir gerade gehen muss – vor etwa zwei Jahren war ich selber an dem Punkt angekommen, wo die Frage nach Kalorien und Gewicht quasi das Zentrum des Lebens war. Aber ich habe es auch allein geschafft (und das war für mich das Wichtigste – mich allein durchzubeißen und mich selbst wieder „auf die Reihe zu bekommen“) und glaube, wenn man es einmal durch so eine Krise geschafft hat, kann man nur gestärkt daraus hervorgehen. So geht es mir jedenfalls. Der Berg ist überwunden und wird nicht wiederkommen. Ich wünsche dir, dass du bald Ähnliches zu berichten hast und du weiterhin mit viel Mut und Stärke deinen Weg verfolgst. 🙂

    Liebe Grüße

    Jenni
    (Grünzeug)

    • Mona Kuehlewind September 7, 2015 at 15:51

      Liebe Jenni! Vielen Dank für die liebe Nachricht. Menschen wie du motivieren mich und zeigen mir, dass es zu schaffen ist. Und das ist es auch! Alles Liebe, Mona <3

  • Johnny Flash September 7, 2015 at 8:38

    Hey Mona, wieso kann ich deine Artikel nicht mehr liken? – Johnny

  • Johnny Flash September 7, 2015 at 16:14

    ja – ist wieder da 🙂
    jedoch bei „Lebe jeden Tag, als wäre es dein Letzter gewesen.“ geht es nicht …

    • Mona Kuehlewind September 7, 2015 at 16:15

      Oh ja, stimmt! Wird sofort geändert.

      • Johnny Flash September 7, 2015 at 22:21

        Perfekt! 🙂 übrigens finde ich deine neue Seite sehr gelungen. Two thumbs up!

        • Mona Kuehlewind September 7, 2015 at 22:22

          Danke! Ist aber noch immer in Bearbeitung. Hoffe das sie am Wochenende komplett fertig ist 🙂

          • Johnny Flash September 7, 2015 at 22:25

            Cool! Hast du also jemanden gefunden der dir das so macht wie du willst?

          • Mona Kuehlewind September 7, 2015 at 22:26

            So verrückt und ja „fast schon unglaublich“ es klingt, NEIN! „Selbst ist die Frau“, sage ich da nur

          • Johnny Flash September 7, 2015 at 22:29

            Frau, das ist dir aber wirklich sehr gut gelungen! 🙂

  • Anonymous September 22, 2015 at 11:37

    Der erste Text, den ich aktiv auf deinem Blog lese. Gut geschrieben, finde ich.
    Nun, ich habe schon so einige Jahre mehr hinter mir, wie du. Und, auch wenn es ev. nicht hilft, so kann ich doch nur bestätigen, dass alles im Leben, egal was, vorbei geht, und man hinterher darauf zurückblickt, und das Ganze anders beurteilt. Wäre ja auch doof, wenn man sich nicht weiter entwickelt.
    Ich habe bisher nur eines gefunden, was alles überdauert. Und das ist der Wunsch des Menschen, glücklich zu sein. Und am Ende, wird nur die Frage sein, ob du es warst. Ich könnte mir vorstellen, dass dein Körpergewicht bei der Beantwortung der Frage, keine Rolle spielen wird.

    • Mona Kuehlewind September 22, 2015 at 12:45

      Lieber „Jemand“, ich danke dir für deinen Kommentar und deine Worte.
      Du hast Recht. Der Wunsch des Menschen glücklich zu sein ist der größte Wunsch von allen. Allerdings ist er meiner Meinung nach auch der schwerste von allen.
      Bei der Beantwortung der Frage wird am Ende meines Lebens mein Körpergewicht sicherlich nicht die Hauptrolle spielen, aber einen kleinen Teil wird es vermutlich zur Beantwortung beitragen. Aber das wird mich nicht davon abhalten ein glückliches Leben zu führen und die Frage am Ende mit einem lauten „JA“ zu beantworten.
      Alles Liebe, Mona.

  • julewech September 24, 2015 at 23:09

    Liebe Mona ,

    dein Text berührt mich sehr … lässt mich aber auch erschrecken …
    Meine Tochter hat ihre beste Freundin an eine Eßstörung verloren … sie wog am Ende noch knapp über 20 kg … und fühlte sich noch immer zu dick …

    Du bist ein hübsches Mädel , daß ganz sicher nicht zu dick ist !

    Du kannst mit Worten und Buchstaben wunderbar umgehen … konzentrier dich lieber darauf , als auf’s Kalorienzählen … und im Zweifelsfalle hol dir Hilfe , das ist keine Schande !

    Lieben Gruß
    Jule

    • Mona Kuehlewind September 24, 2015 at 23:17

      Liebe Jule, vielen vielen Dank für deine lieben Worte, die mir gerade sehr nah gegangen sind. Ich kann dir aber versichern, dass ich auf dem Weg der Besserung bin. Mit jedem Wort, das ich schreibe und mit meinen Lesern teile, fange ich wieder an zu Leben. Das Schreiben befreit mich irgendwie und ist für mich das absolut beste „Heilmittel“.
      Trotzdem werde ich deinen Rat im Hinterkopf behalten. DANKE!
      Alles Liebe,
      Mona 🙂

  • Robert September 25, 2015 at 14:42

    Liebe Mona, erst wollte ich deinen Bericht gar nicht zu Ende lesen. Doch dann konnte ich gar nicht aufhören, weil er mich sehr beschäftigte und ich genau fühlte, dass du von dir selbst geschrieben hast, was sich aus den vielen Kommentaren ja auch bestätigte. Und dann machte ich mir Sorgen um einen jungen Menschen. Nur gut, dass du dein Problem schon selbst erkannt hast.
    Doch lass dir bitte von mir in meinem „weisen“ Alter von inzwischen 64 Jahren folgendes mitteilen. Vielleicht ermutigt dich das dazu, wieder „richtig“ und gesund zu essen.
    Seit vier Jahren treibe ich wieder aktiv Sport. (Du hast ja meinen Post gelikt!, Danke dafür). Anfang dieses Jahres wog ich noch 73 kg und fühlte mich sehr wohl dabei. Dann bekam ich Magenprobleme und nahm immer mehr ab. Untersuchungen ergaben, negative Bakterien, die mich von innen „auffressen“ wollten.
    Durch eine Ernährungsumstellung haben wir (mit dem Arzt) -hoffentlich- wieder alles im Griff. Allerdings habe ich in der ganzen Zeit ca. 10 kg abgenommen und fühle mich dabei NICHT gut. Ich komme mir vor wie ein Skelett und kann essen soviel ich will, nehme aber nicht zu. Und das belastet mich sehr. Erschwert wird das Ganze natürlich auch durch meine Langlauftätigkeit. Dafür ist ein geringeres Gewicht zwar ok, trotzdem hätte ich gerne wieder etwas mehr auf den Rippen. Von jedem angesprochen zu werden; na, du hast ja schon wieder abgenommen!, ist auch nicht schön.
    Also, du bist noch sehr jung und belaste dich bitte nicht mit deiner Waage – verschließe sie in einem Schrank und esse jeden Tag was dir schmeckt und genieße es. Und wenn du 52 oder 53 kg wiegst und dieses Gewicht halten kannst, ist es auch ok. Damit bist du noch lange nicht fett. Das redest du dir nur ein. Und niemand anders wird dich für fett halten, wenn du an einigen Stellen deines Körpers ein paar wohlgeformte Rundungen hast! Glaube mir. Mache deinen Körper nicht unnötig krank, so lange er gesund ist!
    Ein wohlgemeinter Rat, den du hoffentlich richtig einzuschätzen weißt. Ich werde dich weiter verfolgen 🙂
    Liebe Grüße Robert

    • Mona Kuehlewind September 25, 2015 at 18:56

      Lieber Robert! Ich bin froh, dass du diesen Text zu Ende gelesen hast. Deine Worte bedeuten mir unglaublich viel. DANKE.
      Meine Lieblingsstelle aus deinem Kommentar ist „Mache deinen Körper nicht unnötig krank, so lange er gesund ist.“ Dieses Zitat habe ich mir direkt aufgeschrieben.
      Ich bin sehr beeindruckt von deiner Disziplin und vor allem deiner Stärke. Denn es ist sicherlich nicht einfach mit solch einer „Belastung“ zu leben. Aber du machst das gut und wirst es weiterhin gut machen. Ich glaube da an dich!
      Alles Liebe und vielen Dank für deine lieben Worte 🙂

  • Robert September 26, 2015 at 13:06

    Hallo Mona, ich freue mich, wenn ich dir mit meinem Beitrag helfen konnte. Beherzige es weiterhin und genieße das Leben. Du hast noch alles vor dir. Dazu gehört auch gutes Essen! Und mach dir keine Gedanken mehr über Kalorien. Ich habe noch keine gesehen 🙂 🙂 🙂 – und werde ganz sicher keine zählen; habe ich noch nie gemacht.

    Wenn du mit deinem Freund einmal zum Essen ausgehen willst, genieße es. Er wird sich darüber freuen und nicht, wenn du auf der Karte danach schaust, was die wenigsten Kalorien hat. Dann läuft er dir irgendwann weg. Und das wäre schade. Du scheinst ein so netter Mensch zu sein – nein, da bin ich mir sicher! LG und ein schönes WE!

    • Mona Kuehlewind September 26, 2015 at 18:56

      Jetzt werde ich wirklich ein klein wenig rot im Gesicht und schüchtern. Zu viel Kompliment für eine Mona (*grins).
      Ein guter Rat, den ich definitiv versuchen werde umsetzten. Danke Dir!

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